Handelsblatt-Reportage
Arafats verschwundene Millionen

Über Jahre hat die Clique um den verstorbenen Palästinenserführer Hilfsgelder beiseite geschafft. Die neue Regierung scheint im Kampf gegen die Korruption machtlos. Eine Handelsblatt-Reportage.

HB JERUSALEM. Als Palästinenserführer Jassir Arafat im Sterben lag, mimte sie die bekümmerte Ehefrau. Doch eigentlich galt Suha Arafats Sorge nicht der Gesundheit ihres Mannes, von dem sie seit Jahren getrennt lebte – sondern ihrer finanziellen Zukunft.

Die monatlichen hunderttausend Dollar, die sie bereits zu seinen Lebzeiten aus der palästinensischen Kasse bezog, waren ihr nicht genug. Sie beanspruchte auch einen Teil der Erbschaft. Allein, niemand weiß, wie viel der Rais auf die Seite geschafft hat. Sicher ist bloß: Ein großer Teil der Milliarden, die Geberländer zu Gunsten der Palästinenser überwiesen haben, ist spurlos abhanden gekommen, versickert auf Konten von Arafats Getreuen.

Die neue Palästinenserführung werde der Misswirtschaft schon ein Ende setzen, hatte der Westen gehofft, als Mahmoud Abbas die Nachfolge von Arafat antrat. Nun fließt das Geld wieder, erst vor wenigen Tagen hat US-Präsident Bush Abbas 50 Millionen Dollar für den Wiederaufbau mit auf den Weg gegeben.

Doch Abbas’ Kampf gegen die Korruption scheint schon beendet, bevor er richtig begonnen hat. Am Samstag verschob er die für den 17. Juli geplanten Wahlen. Es solle Zeit gewonnen werden, um Streitigkeiten über die Wahlrechtsreform auszuräumen, erklärte Abbas. Neuer Termin? Offen.

„Er ist unfähig, gegen die Korruption vorzugehen“, stellt der Vizesprecher des Palästinenserparlaments, Hassan Khreisheh, illusionslos fest. „Abbas ist ein Gefangener der alten Mafia, die Arafat geschaffen hat“, sagt Hussein Scheikh, Fatah-Führer auf der Westbank.

Vierzig Jahre lang hat der Rais an seinem Netz aus Abhängigkeiten und Vergünstigungen geknüpft, nun sollen ausgerechnet die Leute, die zu den Profiteuren des Systems gehörten, die Saubermänner spielen. So behauptet Mohammed Raschid, der engste Finanzberater Arafats, sein Chef sei bettelarm gestorben: „Arafat besaß in keinem Teil der Erde persönlichen Besitz, er hatte nicht einmal ein Zelt, ein Haus, einen Obstgarten oder irgendein Konto, das auf den Namen Jassir Arafat lautete.“

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