Handelsblatt-Reportage
Star aus „Top Gun“ fliegt in Rente

Es ist der wohl berühmteste Kampfjet der Welt: der F-14 Tomcat. Legende des Kalten Krieges und seit dem Hollywood-Film „Top Gun“ auch eine Ikone der Popkultur. Jetzt hat das US-Militär den Flieger für immer aussortiert. Eine Handelsblatt-Reportage über die Geschichte eines Kampfflugzeuges.

VIRGINIA BEACH. Die beiden Piloten des mattgrauen Jets 102, der auf seiner Rückenflosse das Wappentier der Tomcat-Gemeinde, einen kecken, kraft-strotzenden Kater, trägt, salutieren den 3 000 Ehrengästen auf der Naval Air Station Oceana im US-Bundesstaat Virginia, als sie am vorletzten Wochenende über das sonnenhelle Flugfeld in Richtung Startbahn rollen. Vorbei an Offizieren in waschpulverweißen Uniformen, vorbei an Piloten, Politikern und Top-Managern der amerikanischen Rüstungsindustrie.

Doch der Jet, der schließlich abhebt zum letzten Flug der F-14, ist ein anderer, es ist die Tomcat 107. Der ursprünglich ausgewählte Jet habe einen mechanischen Schaden, erklärt ein Navy-Sprecher, „nichts Neues bei der F-14“.

Und so demonstriert die Tomcat bei ihrem Abschiedsflug einen der Gründe, warum die US-Marine sie nach 36 Jahren im Militärdienst in den Ruhestand schickt: Zu teuer und zu aufwendig ist die Wartung.

Der Ersatz für die Tomcat fliegt bereits seit einigen Jahren: die F/A-18 E/F „Super Hornet“, ein Jagdbomber des Herstellers McDonnell Douglas, der leichter, vielseitiger und vor allem billiger ist. Doch den Ruhm der F-14 wird die „Super Hornet“ wohl nie erreichen. „Wer die Tomcat baute, flog, wartete, war Teil einer kleinen, auserwählten Gruppe“, sagt Scott Seymour, Vizepräsident des Flugzeugbauers Northrop Grumman, Hersteller der Tomcat, bei der Zeremonie. „Das Ende der Tomcat ist das Ende einer Ära.“

Die F-14 war ein zweisitziger Kampfjet mit großen Schwenkflügeln. Mit einem Gewicht von knapp 33 000 Kilogramm ist sie der schwerste Kampfjet, der je auf einem Flugzeugträger landete, ein technikstrotzendes Kraftpaket, eine Kampfmaschine. Die Tomcat wurde Mitte der 60er-Jahre als Nacht- und Allwetterjäger entwickelt. Sie sollte amerikanische Flugzeugträger gegen sowjetische Bomberflotten verteidigen. Mitte der 70er-Jahre ersetzte die Tomcat die F-4 Phantom.

Zum Einsatz kam die F-14 erstmals 1975, als sie den Abzug von US-Truppen aus Vietnam flankierte. Zu den ersten Abschüssen kam es im August 1981, als zwei Jets der F-14-Staffel „Black Aces“ zwei libysche Su-22 Kampfjets vom Himmel holten.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurde die Tomcat zum Jagdbomber umgerüstet. Tomcats flogen 1991 während der Operation „Desert Storm“ über dem Irak. Sie kamen 1995 über Bosnien-Herzegowina zum Einsatz und 1999 im Kosovo.

Wieder war es eine F-14 der „Schwarzen Asse“, die mit einem Bombenabwurf über einem Munitionsbunker in Montenegro die serbische Luftwaffe ausschaltete. Schließlich kam die Tomcat auch im Feldzug gegen den Terror zum Einsatz – 2001 in Afghanistan und 2003 im Irak. Im März kehrten die beiden letzten F-14-Staffeln vom Kriegseinsatz am Persischen Golf zurück.

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