Handelsblatt-Serie
Standorte der Zukunft

Investitionen im Ausland erleben einen Boom, Experten prognostizieren neue Rekorde. Die Schwellenländer werden dabei immer wichtiger und attraktiver – als Standorte, aber zunehmend auch als Kapitalgeber. Wie die deutsche Wirtschaft reagieren muss.

GENF. Samba-Rhythmen wabern durch das Zelt, junge Damen reichen Fruchtdrinks, hinter dem Mikrofon baut sich Roger Agnelli auf. Der selbstbewusste Vorstandschef des zweitgrößten Bergbaukonzerns der Welt, der Vale, treibt heute die Expansion voran. In St. Prex, am Ufer des Genfer Sees in der Schweiz, eröffnet Agnelli einen neuen Standort des brasilianischen Konzern. Die zentrale Lage in Europa, die Nähe zur Business School IMD und das gute Image der Schweiz lobt der Brasilianer über den grünen Klee: „Deshalb konzentrieren wir hier Managementfunktionen wie die globalen Verkaufs- und Marketingaktivitäten für Eisenerz und Manganerz“, sagt Agnelli.

Willkommen in einer neuen Phase der Globalisierung: Trotz weltweiter Konjunkturängste, steigender Energiepreise und einigen protektionistischen Tendenzen bauen Unternehmer jenseits der nationalen Grenzen ihr Engagement unbeirrt aus. Aber es sind nicht mehr die traditionellen Industrieländer, sonder immer häufiger die Konzerne aus den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas, die den Ton angeben.

Die Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) rechnet für das vergangene Jahr mit einem Rekord an Direktinvestitionen (FDI) im Ausland. Bereits 2006 strömten mehr als 1 300 Mrd. Dollar in ausländische Standorte – knapp siebenmal mehr als noch 1990. „Auch 2008 werden die FDI hoch bleiben“, sagt James Zhan, Chef der Unctad-Investitionsabteilung.

Der Internationale Währungsfonds betrachtet im Gegensatz zur Unctad die Netto-Investitionen – kommt aber zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach stieg das Volumen der Direktinvestitionen in diesem Jahr um rund 20 Prozent, verharrt derzeit auf hohem Niveau und expandiert 2009 wieder kräftig (siehe Grafik.)

Deutsche Unternehmen mischen bei der Internationalisierung vorne mit. Beispiel SAP. Die Walldorfer Software-Schmiede wird in der nächsten Woche einen Ausbau ihrer Grundlagenforschung in Israel bekannt geben. „Israel bietet hervorragende Wissenschaftler und Ingenieure“, heißt es aus der Softwareschmiede. „Diesen Vorteil wollen wir nutzen.“ Außerdem will SAP so nah wie möglich an den Kunden operieren – Globalisierung vor Ort.

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