Handelsblatt vor Ort

Griechenland braucht neuen Mut

20 Handelsblatt-Redakteure sind nach Athen gereist, um sich ein eigenes Bild von der Lage in Griechenland zu machen. Die Menschen dort, so stellen sie fest, sind hoffnungslos. Das muss sich ändern.
22 Kommentare

Handelsblatt-Redaktion in Athen

AthenNiemand lacht. Als wir nach einer Woche Griechenland die Fotos unserer vier Fotografen durchschauen, blicken wir auf kein einziges Bild eines optimistischen Gesichts. Das ist das vielleicht erschreckendste Ergebnis unserer bis zu 20 Journalisten starken Recherche-Gruppe, die für das Handelsblatt ein Spezial unter dem Titel „Griechenland ungeschminkt“ zusammenstellt.

Die griechische Krise, sie ist so vielfältig wie das Land mit seinen Bergen, den Küsten, Orthodoxen und Immigranten, verarmten Arbeitslosen und superreichen Reedern. Wir mussten unser Bild von der Krise, das wir aus Deutschland mitgebracht haben, vielfach korrigieren. Nur eben diesen einen Punkt nicht: Griechenland, die stolze Wiege Europas, ist tatsächlich so niedergeschlagen, fühlt sich so gedemütigt, so hoffnungslos, wie wir es befürchtet hatten.

Griechenland ungeschminkt

Gerasimos, einer unserer griechischen Fotografen, sammelt schon seit einem Jahr seine Bilder von der Krise, Bilder von Menschen mit diesem Gesichtsausdruck, der anders ist als derjenige, die Menschen in anderen Krisengebieten haben. Denn ganz offensichtlich leidet das Land ja nicht an echtem Mangel, die Supermarktregale sind gefüllt, die Infrastruktur funktioniert – solange kein Streik ist. Die Krise ist hauptsächlich eine mentale, eine gefühlte Krise.

Bei vielen unserer Gesprächspartner löst sie Verbitterung aus. Griechenland, das sei doch nicht der böse Bube Europas, sagen sie. „Was wir hier erleben, das ereilt euch in einigen Monaten auch“, warnen sie uns. „Wir sind nicht die Ursache, wir sind das Symptom einer weltweiten Krankheit.“

Warum Europa jetzt solidarisch sein muss
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22 Kommentare zu "Handelsblatt vor Ort: Griechenland braucht neuen Mut"

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  • Sicher Mut machen gehört bei den anzupackenden Problemen dazu. Aber warum hört man nie Proteste gegen die nicht vorhandene Steuerehrlichkeit, korrupte und unfähige Finanz- und andere Staatsbeamte, die nie richtige Grundlagen eines funktionierenden Steuerwesens mit stabilen Einnahmen und mäßigen Ausgaben geschaffen haben? Wo ist die Solidarität der oberen 20% der griechischen Einkommenspyramiede, warum gibt es hier keinen Sonder-Soli wie bei uns?
    Da fehlt den Geberländern das Verständnis !

  • Rettet die Retter
    --------------------
    Was in Griechenland veranstaltet wird ist ein asset strip-
    ping wobei den Griechen das Lachen vergeht, denn was hier
    gerettet wird sind die Gläubiger und nicht die griechi-
    sche Wirtschaft.
    Offensichtlich fehlt den Verantwortlichen der EU das
    Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhängen und
    setzen wieder einmal ihre politischen Vorstellungen über
    jeden ökonomischen Verstand. Das muß und wird schief
    gehen, auch wenn noch weitere Gipfel einberufen werden
    bei denen schriftliche Absichten beschlossen werden, die
    niemals in der Praxis umgesetzt werden, denn inzwischen
    müssen schon die Retter gerettet werden, wie man an den
    Bemühungen der EU-Bankrotteure, den Chinesen die Hebel-
    anlage schmackhaft zu machen, sehen kann.
    Da haben die, im Gegensatz zu den Griechen, schon mehr
    gelacht!!


  • @helmi: Nein! Das Problem war bestimmt nicht Steuerhinterziehung, wie Politker behaupten und Journalisten gerne unüberprüft nachbeten, weil es so schön ins Bild passt. Nachprüfbare Tatsache ist, das Griechenland 2010 immerhin 40% des BIP an Steuereinnahmen hatte, was verdammt hoch ist (ob mit oder ohne Steuerhinterziehung). Also lag es nicht an ein paar Steuerhinterziehern, sondern ausschliesslich an den Ausgaben. Rechnet man noch die zusätzlichen Kosten durch Bestechung durch die Korruption (Einnahmen für die Politiker- und Beamtenmafia, Kosten für Unternehmer und alle ausser den ärmsten 15% der Bevölkerung), dann ist die Staatsquote mehr als zu hoch.


  • Werter Isländer, ihr Beitrag entstammt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in Auszuegen aus dem 19 Jhrd, deutschsprachiger/oesterreichischer Historiker. Dies nach einer Reise durch Griechenland nach dem Befreiungskrieg gegen das Osmanische Reich.
    Sagt Ihnen ein alter, im West-Gotenland lebender Beobachter.

  • An Lensoes:

    Nein, damit liegen sie verkehrt. (Lensoes: Untergebener des Frankenreiches?)

  • Griechenland erlebt nur eine Rezession die zum großen Teil hausgemacht ist. Jeder Volkswirtschaftler hat die Entwicklung gesehen (nicht zu verwechseln mit den „Volkswirt“ einer Bank“)

    Griechenland erlebt keine Depression!

    Wenn ein Land eine Depression erleidet werden viele Bürger auch mutlos. Ein ganzes Volk kann depressiv werden (siehe Depression in der Weimarer Republik)

    Die Makroökonomischen Bedingungen der Griechischen Volkswirtschaft sind schon vor dem Beitritt in der Eurozone nicht optimal gewesen. Der Euro und die Mitgliedschaft im Staatenverbund (EU) förderten nicht die Wettbewerbsfähigkeit oder den Willen zur Veränderung.

    Die (EWG)EU hatte in der Vergangenheit ihren Nutzen aus der griechischen Korruption gezogen. Dadurch konnte dieses Land überzeugt werden „Mitglied“ zu werden.

    (siehe Beitrittsverhandlungen mit der EWG)


    Diese Korruption ist aber ein „Wankelmütiger Bündnisgenosse“ der EU (EWG) und verschlingt jedes Jahr mehr Mittel von den anderen Mitgliedern der EU.

    Wichtig ist es die Mittel zu streichen!

    Die „Griechen“ müssen diesmal selber entscheiden!

    Diesmal sollten es keine „gekauften Volksvertreter“ sein!

    Das liegt aber an den Griechen selber!


  • Tipp auf eine 170 Jahre alte Reiseanalyse, Teutonen-Historiker.

  • „Wir sind nicht die Ursache, wir sind das Symptom einer weltweiten Krankheit.“
    Na jetzt verstehe ich erst, GRoschen gefallen!
    Habe mich immer gefragt, wieso eine Regierung so kriminell sein kann, seine Bevoelkerung zu pluendern. Nun faellt es mir wie Schuppen von den Augen:
    Sie moechten uns die Ursache des Desasters so lange als moeglich erhalten, damit es alle begreifen!
    Paedagogisch sehr wertvoll, nichts zu meckern!
    Mehr ueber die Krise und nicht von reisenden und Vergnuegungssuechtigen sog. Journalisten, sondern von Realisten, hier: www.steuerembargo.co.de

  • Text: Griechenland, die stolze Wiege Europas, ist tatsächlich so niedergeschlagen, fühlt sich so gedemütigt, so hoffnungslos, wie wir es befürchtet hatten.

    Wenn Griechenland die Wiege Europas war (einen großen Anteil garantiert genau wie die Germanischen Stämme und die Völkerwanderung)

    Hat dieses Griechenland nichts mehr mit dem „Antiken Griechenland“ gemein. Es befindet sich auf einem Großteil des Gebietes vom alten Griechenland. Damit hören aber die Gemeinsamkeiten auf.

    Im 7. Jahrhundert war das alte Griechenland entvölkert. Es wurden viele Städte aufgeben (z. b. Sparta). Hierzu konstatiert Konstantin Porphyrogennetos im 10. Jahrhundert: „Das ganze Land wurde slawisiert und barbarisch (Textquelle ohne Gewähr)

    Es wurden zwar griechische Siedler nach Griechenland geschickt aber reichte das aus die Slawen zurückzudrängen?

    Kleiner Exkurs:
    Die Franken (Germanischer Stamm) eroberten die Römische Provinz Gallien. Dieses Gebiet heißt heute Frankreich. Die Germanen waren aber zu wenige dieses Land zu germanisieren. Heute ist erinnern nur noch wenige Namen an diese Zeit.

    Ebenso eroberten die Goten das heutige Spanien, sie finden aber keine Goten mehr in Spanien (außer der Adel der sich auf die Goten bezieht/blaues Blut)

    Die Lombardei (Italien) verdankt ihren Namen den Langobarden.

    Es wurden nur wenige Gebiete „Germanisiert“ (Österreich, Schweiz, Elsass-Lothringen, südliches Bayern, Baden-Württemberg, „England“)

  • 1000 chancen und sie werden nicht eine nützen sind eben griechen.

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