Handelspartner
Die Wirtschaft steht im Schatten der großen Politik

Das Aufgebot an hochkarätigen US-Managern beim Petersburger Wirtschaftsforum vor wenigen Wochen war groß – doch es spiegelt nicht die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder wider. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

MOSKAU. Die USA gehören zwar zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Russlands, am gesamten Kuchen hatten sie 2006 aber nur einen Anteil von knapp vier Prozent. Die EU, der wichtigste Wirtschaftspartner, kommt auf 52 Prozent.

Während allein über 4 000 deutsche Firmen in Russland vertreten sind, zeigen gerade einmal 800 Unternehmen aus der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt im größten Flächenstaat der Erde Flagge. Die Erklärungen hierfür sind vielfältig: US-Firmen würden den russischen Markt einfach noch nicht wahrnehmen, ist die eine. Masha Lipman vom Carnegie Center in Moskau vermutet zudem, dass viele Unternehmen zwar auf dem Sprung seien, sich aber vom Investitionsklima in Russland noch abschrecken ließen.

Tatsächlich hat derzeit dort wieder ein großer US-Konzern Probleme: Der Ölmulti Exxon-Mobil will das Gas, das er gemeinsam mit dem staatlich kontrollierten Rosneft-Konzern auf der Insel Sachalin fördert, nach China verkaufen – den Verträgen nach, die Exxon in den 90er-Jahren mit Moskau aushandelte, sollte dies auch möglich sein. Doch nun erhebt der Gasmonopolist Gazprom Einspruch: Er will Exxon das Gas zu einem „fairen Preis“ abkaufen. Ohne eine Einigung mit Gazprom wird Exxon wohl auf seiner Produktion sitzen bleiben, denn der Gaskonzern hat das Monopol auf den Export und das Netz.

Die große Politik spielt immer wieder in die Wirtschaftsbeziehungen hinein: So hatte die staatlich kontrollierte russische Fluglinie Aeroflot den Kauf von Boeing-Flugzeugen des Typs 787 auf die lange Bank geschoben, weil es im politischen Überbau knirschte. Die USA machten Druck bei den WTO-Verhandlungen mit Russland und hatten wegen Lieferungen an Iran den russischen Flugzeugbauer Suchoi sowie den Rüstungskonzern Rosoboronexport unter Sanktionen gestellt. Prekär daran: Boeing ist ein Partner von Suchoi bei der Entwicklung des Regionalflugzeugs Superjet 100 und Rosoboronexport kontrolliert den Titanproduzenten VSMPO Avisma, der wiederum ein wichtiger Lieferant von Boeing ist.

Insgesamt jedoch weiten sich die Wirtschaftsbeziehungen beider Ländern aus. So legten die Einfuhren aus den USA nach Russland im vergangenen Jahr um gut 40 Prozent zu. Die wichtigsten russischen Exportgüter, die in die USA gehen, sind neben Öl und Ölprodukten, Rohstoffe wie Bauxit und halbfertige Stahlprodukte. Es gibt sogar erfolgreiche russische Investitionen in den USA: Der private Ölkonzern Lukoil kaufte vor sieben Jahren die Ölfirma Getty. Der Stahlhersteller Severstal schluckte Rouge Steel und investiert weiter kräftig in den USA, um sich dort als Lieferant für die Autoindustrie zu etablieren.

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