Handelspolitik der USA und Europas in der Kritik
Mali hofft beim Westen auf Entgegenkommen

Nach ihren jüngsten Bemühungen um die Freilassung der Sahara-Geiseln hofft die malische Regierung auf entwicklungspolitisches Entgegenkommen aus Europa. Dies dürfte den persönlichen Einsatz von Präsident Toure bei der Geiselbefreiung erklären.

wd KAPSTADT. Tatsächlich ist das Verhältnis zum Westen gut – so gut, dass die USA hier inzwischen den Bau von Militärbasen im Kampf gegen den Terrorismus in Nordafrika erwägen. Doch wenn es um die Wahrung eigener Interessen geht, sind auch Freunde bisweilen nicht gut aufeinander zu sprechen: Am Beispiel Baumwolle hat Malis Staatspräsident Toure mehrfach die hohen Subventionen angeprangert, mit denen die USA und Europa aber auch China die malischen Baumwollfarmer hoffnungslos ins Hintertreffen bringen. Zwar ist die Baumwolle nicht mehr das wichtigste Exportgut des Landes. Aber bei keinem ist die Marktverzerrung eklatanter: Mali verliert durch die hohen Subventionen des Westens 1,7 % des Sozialprodukts und fast 10 % seiner Exporteinnahmen.

Wenn es einen Zusammenhang zwischen der Armut eines Landes und dem Aufkommen terroristischer Gruppen gäbe, wie einige Sicherheitsexperten glauben, müsste Mali ein perfektes Anschauungsbeispiel sein. Der Sahelstaat im westlichen Afrika gehört zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Mehr als zwei Drittel seiner Bewohner leben unter der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung der Menschen im hoch verschuldeten Staat liegt bei knapp über 40 Jahren.

Umso mehr überrascht, dass ausgerechnet Mali zusammen mit Ghana und dem Senegal zu den demokratischen Musterländern der Region zählt. Anders als in vielen anderen Staaten Westafrikas ist der Präsident hier auf nur zwei Amtszeiten beschränkt und die Rolle der Opposition fest in der Verfassung verankert. Und die politische Theorie findet auch praktische Anwendung. Der langjährige Staatschef Omar Konare ist 2002 freiwillig abgetreten und hat die Macht nach einer fairen Wahl an seinen Nachfolger Amadou Toumani Toure, einen Christen, übergeben. Das ist umso erstaunlicher, als mehr als 80 % der Bevölkerung Muslime sind.

Kopfzerbrechen bereitet der Regierung in Bamako indes die enorme Ausdehnung des Landes – es ist mehr als dreimal so groß wie Deutschland. Vor allem das Wüstennest Gao, ein Hauptumschlagplatz für auswanderungswillige Afrikaner aus West- und Zentralafrika nach Europa, ist zur Hochburg Krimineller geworden. Hier und weiter nördlich sollen auch die Salafistischen Gruppen einige Stützpunkte haben. Die Regierung wird darauf Acht geben müssen, dass die Region nicht immer mehr zum Rückzugsgebiet radikaler Muslime wird und diese keinen Rückhalt in der Bevölkerung finden. In der Vergangenheit ist dies gelungen. In Zukunft wird es auch davon abhängen, inwieweit der Westen hilft, eine weitere Verarmung der Bevölkerung zu stoppen.

Quelle: Handelsblatt

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