Strafzölle gegen die USA

Die Zölle belaufen sich bei 120 Produkten auf 15 Prozent.

(Foto: AP)

Handelsstreit China erhebt Strafzölle auf 128 US-Produkte

China reagiert auf die von US-Präsident Trump verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Der eskalierende Handelsstreit beunruhigt auch die Bundesregierung.
Update: 02.04.2018 - 17:13 Uhr 2 Kommentare

Berlin, Schanghai, WashingtonEin erstes Opfer gab es bereits, als China seine Strafzölle gegen amerikanische Produkte erst ankündigte: Beim Eigentümer des größten US-Schweinemastkonzerns Smithfield Foods, dem in Hongkong gelisteten Konzern WH Group, stürzten die Kurse – um zehn Prozent. Das erste Opfer ist damit, ausgerechnet, ein Chinese. Denn für 4,74 Milliarden Dollar hatte der chinesische Gigant den US-Konzern 2013 gekauft.

Schweinefleischlieferungen nach China sind – zumindest bisher – ein gutes Geschäft: Allein 2017 lieferten US-amerikanische Hersteller Fleisch im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar.
Doch am Sonntag hatte China seine Drohungen wahr gemacht und auf 128 US-Produkte Strafzölle verhängt. Die Zölle belaufen sich bei 120 Produkten auf 15 Prozent. Bei weiteren acht Produkten sogar auf 25 Prozent, wie das chinesische Finanzministerium in Peking mitteilte. Chinas Strafzölle lesen sich wie ein Einkaufszettel: Neben Schweinefleisch stehen Wein, Nüsse und Obst auf der Liste.

Peking bezeichnete die Zölle als Reaktion auf die US-amerikanischen Strafzölle auf Stahl und Aluminium, die Trump im März erlassen hatte. Die EU hatte Trump von den Importzöllen ausgenommen, allerdings nur vorläufig bis Ende Mai. Die Zölle sollen „Verluste ausgleichen“, die China durch diese Zölle erleiden werde, so Peking. Tatsächlich werden die Auswirkungen kaum zu spüren sein: Nur zwei Prozent der US-Importe für Stahl stammen aus China.

Viel schwerwiegender könnte hingegen die zweite Runde der Strafzölle sein, die Trump China mit einem Umfang von 60 Milliarden Dollar für April angedroht hat. Auf der Liste stehen Produkte aus den Branchen Elektronik, Mode und Spielzeug. Sie könnte diesen Freitag veröffentlicht werden.

China war im vergangenen Jahr mit einem Volumen von 636 Milliarden Dollar der wichtigste Handelspartner der USA. Die chinesischen Einfuhren in die USA überstiegen den Wert der Waren, die in Richtung China gehen, aber um 375 Milliarden Dollar. 100 Milliarden Dollar sollen offiziell von der Bilanz herunter, fordert Washington. Ein hochrangiger Vertreter der amerikanischen Wirtschaft in Schanghai vermutete gegenüber dem Handelsblatt, dass man sich in Washington vielleicht schon damit zufriedengeben könnte, wenn die Chinesen „30 oder 50 Milliarden Dollar aus dem Handelsdefizit verschwinden“ ließen.

Ein Farmer im US-Bundesstaat Iowa: Schweineprodukte sollen mit einem Zollsatz von 25 Prozent belegt werden. Quelle: AP
Schweinehaltung

Ein Farmer im US-Bundesstaat Iowa: Schweineprodukte sollen mit einem Zollsatz von 25 Prozent belegt werden.

(Foto: AP)

Dass China nun bereits vor Trumps großer Zollrunde Strafzölle verhängt, wenn auch zunächst nur in einem Umfang von drei Milliarden US-Dollar, demonstriert, dass Peking schnell und gezielt reagieren kann und will.

Vor allem in ländlichen Regionen der USA betrachtet man das handelspolitische Wettrüsten mit Sorge. Der amerikanische Agrarsektor ist verletzlich, die US-Landwirtschaft steuerte 2016 fast ein Fünftel aller exportierten Waren nach China bei. In Bundesstaaten wie Iowa und Nebraska sitzen die Hauptproduzenten amerikanischen Schweinefleischs. Am meisten fürchten US-Bauern Strafmaßnahmen auf Sojaimporte. Bislang hat Peking damit nur gedroht.

Die US-Regierung wirft China systematischen Diebstahl geistigen Eigentums vor. „Wir können das schlicht nicht länger zulassen“, so Trump. Im Gespräch sind Handelsbarrieren gegen chinesische Elektrohersteller, die unter Verdacht stehen, ausländisches Know-how angezapft zu haben. In vielen Branchen, wie zum Beispiel dem Autobau oder der Luftfahrt, werden ausländische Unternehmen in eine Zwangsheirat mit einem lokalen Partner getrieben. Mit diesem müssen sich ausländische Firmen die Gewinne teilen – und das Know-how.

Chinesische Strafzölle würden in den USA nicht nur „Sojabauern im ganzen Land in finanzielle Gefahr stürzen“, wie der amerikanische Sojabohnen-Verband mitteilte. Denkbar ist auch, dass chinesische Fabriken die Montage von Apples iPhones herunterfahren, oder dass Peking lukrative Flugzeugaufträge storniert. Das würde etwa die US-Firma Boeing empfindlich treffen.

Die Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA betrachten auch die EU-Kommission und die Bundesregierung mit Sorge. Zwar verlangen die Europäer ebenfalls von China „Reziprozität“ in den Handelsbeziehungen: Die Regeln, die chinesische Investoren in der EU vorfinden, müssten auch für EU-Investoren in China gelten. Gleichzeitig aber droht Trump auch der EU Strafzölle an, wenn US-Produzenten keinen leichteren Marktzugang bekommen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hofft, dass die EU in Gesprächen mit der US-Regierung bis zum Sommer eine Lösung im Handelsstreit findet. „Wir suchen nach einer einheitlichen Linie im Kampf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“, sagte Altmaier dem „Spiegel“, und: „Wir wollen Lösungen finden, die mit internationalen Handelsregeln vereinbar sind.“ Er habe seinen Partnern in den USA zugesichert, dass er sich in der Bundesregierung dafür einsetzen wolle, die Verteidigungsausgaben in Richtung zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Trump hatte den Zollstreit mit dieser Forderung verknüpft.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht das kritisch. „Nach allen Erfahrungen mit US-Präsident Donald Trump halte ich es für gefährlich, auf seine Drohungen genau so zu reagieren, wie er es verlangt“, sagte er: Dies könne Trump ermutigen, gleich die nächsten Forderungen auf den Tisch zu legen.

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2 Kommentare zu "Handelsstreit: China erhebt Strafzölle auf 128 US-Produkte"

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  • @ Herr Alberto Rodriguez

    Wer wie Mr. Ma mit Menschen verhandelt, die über das geistige Niveau eines 10-Jährigen verfügen, sollte sich nicht über das Ergebnis wundern.

  • Good Morning !! I've just have a question here :6 months ago Mr. Jack Ma went to the White House to attend Mr Trump meeting. Afterwards both celebrate and agreement in front of world press,which basically was the proposal of Mr Ma to open Alibaba site for USA products and services from the deepest regions of the USA.
    So, please, anybody help me to uderstand now how the US Govt., is serious i proposal punitive tariffs , for exampole, to this Alibaba company, which is supossed to help US merchants and farmers to sell their products ???
    Thanks very, very, much. I surrender !!!

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