Hans-Olaf Henkel
„Das Rütteln am Euro ist zum Tabu erklärt worden“

Hans-Olaf Henkel will die Politik davon überzeugen, wie verhängnisvoll die aktuelle Euro-Strategie ist. Der Kritiker über eine mögliche Entschuldung Griechenlands und das sture Festhalten am Einheits-Euro.
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Handelsblatt: Herr Henkel, Sie haben jahrzehntelang die Politik hart kritisiert, jetzt überlegen Sie mit 71 Jahren, selber Politiker zu werden. Woher der Sinneswandel?

Hans-Olaf Henkel: Ihre Frage enthält zwei Unterstellungen, die ich korrigieren muss. Erstens, habe ich die jeweiligen Regierungen nicht nur kritisiert, sondern immer auch durchdachte Vorschläge gemacht, so auch jetzt zum Euro.

Und zweitens?

Habe ich viele Aufforderungen erhalten, eine Partei zu gründen, bisher aber einen solchen Schritt nicht geplant. Ich will aber weiter alles tun, um die politische Klasse davon zu überzeugen, dass es eine Alternative zur gegenwärtigen Euro-Politik gibt. Das versuche ich durch Kolumnen, Bücher, Vorlesungen an der Uni Mannheim, öffentliche Auftritte und sehr viele Vier-Augen-Gespräche mit Entscheidungsträgern.

In der öffentlichen Debatte spielt Ihre These von einer Aufspaltung der Euro-Zone aber so gut wie keine Rolle.

Stimmt, mir ist aufgefallen, dass inzwischen fast alle Ökonomen einschließlich der Wirtschaftsredaktionen sowohl meiner Diagnose als auch meiner Prognose aus meinem Buch "Rettet unser Geld" zustimmen, sich aber einer Diskussion über alternative Therapien verweigern. Alle wollen am Euro festhalten. Warum, verstehe ich nicht.

Wie wollen Sie Don Quijote zum Erfolg verhelfen?

Wenn alle Rezepte nicht anschlagen, bleibt am Schluss nur die Therapie übrig, die man anfangs vermeiden wollte. Kurzfristig will ich mithelfen, dass die Mitgliederbefragung in der FDP zugunsten des Vorschlags von Herrn Schäffler ausgeht. Das böte eine realistische Möglichkeit für einen Kurswechsel der Regierung. Wenn das nicht klappt, dann würde ich einer europafreundlichen, aber Euro-kritischen Partei zur Seite stehen.

Die Partei gibt es aber noch nicht. Wer soll sie gründen?

Nun, es gibt ein paar Abweichler im Bundestag, die klar erkennen, welchen verhängnisvollen Weg die Bundesregierung seit Mai 2010 eingeschlagen hat. Ob das nun Herr Bosbach, Herr Schäffler oder andere sind - Europafeindlichkeit kann man ihnen nicht nachsagen, auch mir nicht.

Und die würden bei einer neuen Partei mitmachen?

Das glaube ich nicht. Eher kann ich mir vorstellen, dass einige Abgeordnete aus der FDP-Fraktion austreten und im Bundestag den Nukleus einer neuen, liberalen, europafreundlichen, aber Euro-kritischen Partei bilden. So lässt sich schneller Bewegung in die politische Landschaft bringen als über den mühseligen Weg einer Neugründung.

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  • einfältig, Gelaber, albern, dämlich, Rechtsradikale, Dummschwätzer, naiv, Suff, Stammtisch, sind das Ihre Argumente? Dann gebe ich Ihnen mein Gegenargument: Sie sind so blöde, dass Sie die Schweine beißen.

  • einfältig, Gelaber, albern, dämlich, Rechtsradikale, Dummschwätzer, naiv, Suff, Stammtisch, sind das Ihre Argumente? Dann gebe ich Ihnen mein Gegenargument: Sie sind so blöde, dass Sie die Schweine beißen.

  • War gestern in der UdK und hab mir seine Argumente angehört, sie waren überzeugend.Leider waren untern den Zuhören zu 90 % die Generation 55 + vertreten.Schön wäre es, wenn unsere Medien den kritischen Argumenten mehr Platz einräumen würden.

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