
DüsseldorfDer Vertreter der deutschen Wirtschaft ist ein überzeugter Anhänger des Euro, daran lässt er keinen Zweifel. „Die Währungsunion wird uns helfen, im weltweiten Wettbewerb um Wachstum und Arbeitsplätze wieder aufzuschließen“, sagt er. Schon jetzt habe der Euro durch den Konvergenzdruck „heilsame Auswirkungen auf Stabilität und Haushaltsdisziplin“, fügt der Mann hinzu.
Diese Sätze sind nicht neu. Sie stammen aus dem Jahr 1996 und wurden vom damaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel, seinerzeit ein erklärter Euro-Anhänger, vor Journalisten in Bonn formuliert. Inzwischen sieht Henkel das alles ein bisschen anders. In Aufsätzen, Leitartikeln und Kolumnen, unter anderem bei Handelsblatt Online, schreibt er Sätze wie diesen: „Dass der Euro die Völker Europas zusammenführt, kann nur noch jemand behaupten, der seinen Kopf in den Sand steckt und die täglich sich neu auftuenden Risse innerhalb der Euro-Zone ignoriert.“
Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.
Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.
Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.
Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.
Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.
Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.
Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.
Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.
Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.
Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.
Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.
Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.
Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.
Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.
Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.
Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.
Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.
Die Slowakei führt den Euro ein.
Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.
Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.
Was in den 15 Jahren dazwischen passiert ist? Die Euro-Krise hat aus einem überzeugten Befürworter einen der schärfsten Kritiker der Gemeinschaftswährung gemacht. Aus Sicht Henkels hat das Euro-Projekt die großen Hoffnungen, mit denen es einst gestartet ist, nicht erfüllt. Das Beispiel des früheren BDI-Präsidenten mag extrem sein, aber so wie er denken viele Deutsche.
Vor zehn Jahren stürmten sie kurz nach Mitternacht an die Bank-Automaten, um euphorisch die ersten bunten Banknoten zu ziehen. Sie genossen in den Jahren danach die unbeschwerten Auslandsurlaube ohne Fremdwährungen im Portemonnaie. Doch die Freude währte nicht all zu lang. Inzwischen wollen viele nur noch eins: raus aus der Währungsunion. Zu Recht? Anlässlich des zehnten Jahrestages der Einführung des Euro-Bargeldes ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen.
14,4 Milliarden Geldscheine im Wert von 864 Milliarden Euro und 97 Milliarden Euro-Münzen im Wert von 23 Milliarden Euro sind derzeit im Umlauf.
Der Geldschein, von dem es die meisten Exemplare gibt, ist nicht etwa der häufig gebrauchte Fünf- oder Zehn-Euro-Schein. Mit einem Anteil von 34,5 Prozent sind die 500-Euro-Scheine öfter als alle anderen gedruckt worden. Zweitgebräuchlichster Schein ist der Fünfziger mit 33 Prozent. Bei den Münzen ist es einfacher: Je höher der Wert, desto häufiger ist sie geprägt worden. Die Zwei-Euro-Münze zum Beispiel macht allein über 40 Prozent aller Euro-Münzen aus.
Anders als bei den Münzen sehen die Euro-Scheine in allen teilnehmenden Ländern gleich aus. Robert Kalina von der Österreichischen Nationalbank hat sie entworfen. Die Bilder zeigen architektonische Stile aus sieben Epochen der europäischen Kulturgeschichte: Klassik, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko, Eisenzeit und das moderne 20. Jahrhundert. Die Fenster und Tore auf der Vorderseite der Scheine symbolisieren die europäische Offenheit und Kooperation. Die Brückenbilder auf der Rückseite stehen für die Kommunikation zwischen den Europäern und zwischen Europa und dem Rest der Welt.
Am 1. Januar 2012 werden zum zehnjährigen Jubiläum des Euro-Bargelds 90 Millionen besondere Zwei-Euro-Münzen ausgegeben. Das Motiv wurde aus den fast 35.000 Beiträgen eines Online-Wettbewerbs ausgewählt. Die Euro-Länder haben schon zweimal zuvor gemeinsam Jubiläumsmünzen ausgegeben: 2007 zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge, und 2009 zum 10. Jahrestag der (bargeldlosen) Euro-Einführung.
Der Euro wird auch über die Grenzen der EU hinaus immer wichtiger. In den vergangenen Jahren hat er etwa ein Viertel der gesamten Devisenreserven ausgemacht. Außerdem ist der Euro die zweitmeist aktiv gehandelte Währung auf dem Devisenmarkt.
Der größte Gewinner des Euro ist die deutsche Exportwirtschaft. Ihre wichtigsten Absatzmärkte liegen in der Euro-Zone – wo nach wie vor fast die Hälfte der deutschen Ausfuhren hin gehen. Vor der Einführung der Gemeinschaftswährung hatte die harte D-Mark den deutschen Firmen schwer zu schaffen gemacht. Wann immer es an den Märkten kritisch wurde, flüchteten Investoren in deutsche Bundesanleihen und trieben damit den Wechselkurs der D-Mark in die Höhe. Durch die kontinuierliche Aufwertung der Landeswährung wurden deutsche Exportgüter im Ausland teurer und verloren damit an Attraktivität.
Dieser unerwünschte Effekt ist durch die Gemeinschaftswährung komplett verschwunden. Und nicht nur das: Deutschland verbesserte durch den vergleichsweise schwachen Euro auch seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Japan. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey profitierte die deutsche Wirtschaft von diesem Effekt im Jahr 2010 mit rund 113 Milliarden Euro. Anders hingegen ging es der Exportwirtschaft in klassischen Weichwährungsländern wie Italien: Ihre Wettbewerbsfähigkeit verschlechterte sich.
@jneugebauer: Sie werden jetzt wahrscheinlich staunen, aber diese Erkenntnis, daß öffentliche Schulden nie zurückgezahlt werden müssen, habe ich schon von vielen gestandenen CDU-Politikern gehört. Und warum nicht? Weil sie jedes Mal von der Inflation gefressen werden. Ob das allerdings für uns Normalbürger so nützlich ist, halte ich für genau so zweifelhaft wie den Glauben an das Märchen vom Euro-Exportwunder: Da kassieren die Exporteure und die anderen zahlen die Schulden der Importeure, die jetzt alles, weiter auf Pump, importieren müssen, weil die deutschen Exporteure deren heimische Industrie kaputt exportiert haben. Für diesen volkswirtschaftlichen Grundkurs will ich keine Bezahlung, sie können ihn trotzdem verbreiten.
Das Handelsblatt scheint nicht sehr gut recherchiert zu haben: Tatsache ist, daß wir nur noch ca 40% unseres Exportvolumens in Euroländer exportieren - mit abnehmender Tendenz, weil andere Währungsräume wichtiger werden. Zweitens hat es die EZB nicht schwerer als die Fed, weil die ökonomischen Unterschiede zwischen US-Staaten mindestens genauso beträchtlich sind wie in Euroland. Der Unterschied - und das HB läßt diesen Hinweis einfach aus! - zwischen USA und Euroland ist die Haftung eines Landes für die Schulden des anderen: Die Amis halten sich an ihre Gesetze, die Euroländer dagegen nicht, und ich verstehe nicht, warum - vielleicht weiß das jemand aus diesem Forum? Viele, die anfangs den € begrüßt haben, sind verzweifelt, daß sich niemand an die Regeln halten will, die dauerhaft seine Existenz gesichert hätten.
Was soll denn das für eine Analyse sein, hier wieder die alten Märchen über den segensreichen Euro aufzutischen, wie, der Euro sei des Exports liebster Grund etc., lesen Sie doch mal die Bogenberger Erklärung um den Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn: Ein auf Schulden finanzierter Euro-Export mag für die Exporteure ein Segen sein, für die Volkswirtschaft und uns alle, die wir bis jetzt eiserne Lohndisziplin gewahrt haben und diese Schulden nun begleichen müssen, eben nicht. Außerdem: Export-Weltmeister ist Deutschland geworden, weil eben Produktlinie, Produktqualität und Service stimmen, wie sonst nirgendwo; warum denn nicht Griechenland, Italien, Spanien etc., die hatten doch eine Billigwährung? Sie und Ihre Gewährsträger sollten sich wenigstens mit den Grundbegriffen volkswirtschaftlicher Logik vertraut machen, sonst hören Sie auf, sich „Wirtschaftszeitung“ zu nennen. Eine Erkenntnis haben sie aber trotzdem richtig getroffen: Die Eurozone sei kein optimaler Währungsraum. Wie wahr, aber eine Binsenweisheit, die ins erste Semester Volkswirtschaftslehre gehört und deshalb schon 1997 von der Gruppe um den Währungstheoretiker Wilhelm Hankel in Ihrer Klage vor dem BverfG gegen die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung aufgelistet worden ist. Und die weitere Erkenntnis, daß sowohl die No Bail-out-Klausel als auch sämtliche Stabilitätsvereinbarungen aus dem Maastricht-Vertrag gebrochen wurden und auch weiterhin keinen Bestand haben werden, ist doch auch kein Wunder, oder? Ein griechischer Politiker wird sich doch nicht mit seinen Wählern anlegen, wenn er so Experten wie Sie in einem Land hat, daß noch einigermaßen belastbar ist und die auch noch die Richtlinien der Politik bestimmen.
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