Happy Birthday: Abrechnung mit dem Euro

Happy Birthday
Abrechnung mit dem Euro

Wir bezahlen seit zehn Jahren mit Euro-Scheinen – doch die Gemeinschaftswährung ist umstritten wie nie. Viele Deutsche fürchten, dass sie am Ende die Schulden der Krisenländer bezahlen müssen. Eine kritische Bilanz.
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DüsseldorfDer Vertreter der deutschen Wirtschaft ist ein überzeugter Anhänger des Euro, daran lässt er keinen Zweifel. „Die Währungsunion wird uns helfen, im weltweiten Wettbewerb um Wachstum und Arbeitsplätze wieder aufzuschließen“, sagt er. Schon jetzt habe der Euro durch den Konvergenzdruck „heilsame Auswirkungen auf Stabilität und Haushaltsdisziplin“, fügt der Mann hinzu.

Diese Sätze sind nicht neu. Sie stammen aus dem Jahr 1996 und wurden vom damaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel, seinerzeit ein erklärter Euro-Anhänger, vor Journalisten in Bonn formuliert. Inzwischen sieht Henkel das alles ein bisschen anders. In Aufsätzen, Leitartikeln und Kolumnen, unter anderem bei Handelsblatt Online, schreibt er Sätze wie diesen: „Dass der Euro die Völker Europas zusammenführt, kann nur noch jemand behaupten, der seinen Kopf in den Sand steckt und die täglich sich neu auftuenden Risse innerhalb der Euro-Zone ignoriert.“

Was in den 15 Jahren dazwischen passiert ist? Die Euro-Krise hat aus einem überzeugten Befürworter einen der schärfsten Kritiker der Gemeinschaftswährung gemacht. Aus Sicht Henkels hat das Euro-Projekt die großen Hoffnungen, mit denen es einst gestartet ist, nicht erfüllt. Das Beispiel des früheren BDI-Präsidenten mag extrem sein, aber so wie er denken viele Deutsche.

Vor zehn Jahren stürmten sie kurz nach Mitternacht an die Bank-Automaten, um euphorisch die ersten bunten Banknoten zu ziehen. Sie genossen in den Jahren danach die unbeschwerten Auslandsurlaube ohne Fremdwährungen im Portemonnaie. Doch die Freude währte nicht all zu lang. Inzwischen wollen viele nur noch eins: raus aus der Währungsunion. Zu Recht? Anlässlich des zehnten Jahrestages der Einführung des Euro-Bargeldes ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen.

Der größte Gewinner des Euro ist die deutsche Exportwirtschaft. Ihre wichtigsten Absatzmärkte liegen in der Euro-Zone – wo nach wie vor fast die Hälfte der deutschen Ausfuhren hin gehen. Vor der Einführung der Gemeinschaftswährung hatte die harte D-Mark den deutschen Firmen schwer zu schaffen gemacht. Wann immer es an den Märkten kritisch wurde, flüchteten Investoren in deutsche Bundesanleihen und trieben damit den Wechselkurs der D-Mark in die Höhe. Durch die kontinuierliche Aufwertung der Landeswährung wurden deutsche Exportgüter im Ausland teurer und verloren damit an Attraktivität.

Dieser unerwünschte Effekt ist durch die Gemeinschaftswährung komplett verschwunden. Und nicht nur das: Deutschland verbesserte durch den vergleichsweise schwachen Euro auch seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Japan. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey profitierte die deutsche Wirtschaft  von diesem Effekt im Jahr 2010 mit rund 113 Milliarden Euro. Anders hingegen ging es der Exportwirtschaft in klassischen Weichwährungsländern wie Italien: Ihre Wettbewerbsfähigkeit verschlechterte sich.

Kommentare zu " Happy Birthday: Abrechnung mit dem Euro"

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  • @jneugebauer: Sie werden jetzt wahrscheinlich staunen, aber diese Erkenntnis, daß öffentliche Schulden nie zurückgezahlt werden müssen, habe ich schon von vielen gestandenen CDU-Politikern gehört. Und warum nicht? Weil sie jedes Mal von der Inflation gefressen werden. Ob das allerdings für uns Normalbürger so nützlich ist, halte ich für genau so zweifelhaft wie den Glauben an das Märchen vom Euro-Exportwunder: Da kassieren die Exporteure und die anderen zahlen die Schulden der Importeure, die jetzt alles, weiter auf Pump, importieren müssen, weil die deutschen Exporteure deren heimische Industrie kaputt exportiert haben. Für diesen volkswirtschaftlichen Grundkurs will ich keine Bezahlung, sie können ihn trotzdem verbreiten.

  • Das Handelsblatt scheint nicht sehr gut recherchiert zu haben: Tatsache ist, daß wir nur noch ca 40% unseres Exportvolumens in Euroländer exportieren - mit abnehmender Tendenz, weil andere Währungsräume wichtiger werden. Zweitens hat es die EZB nicht schwerer als die Fed, weil die ökonomischen Unterschiede zwischen US-Staaten mindestens genauso beträchtlich sind wie in Euroland. Der Unterschied - und das HB läßt diesen Hinweis einfach aus! - zwischen USA und Euroland ist die Haftung eines Landes für die Schulden des anderen: Die Amis halten sich an ihre Gesetze, die Euroländer dagegen nicht, und ich verstehe nicht, warum - vielleicht weiß das jemand aus diesem Forum? Viele, die anfangs den € begrüßt haben, sind verzweifelt, daß sich niemand an die Regeln halten will, die dauerhaft seine Existenz gesichert hätten.

  • Was soll denn das für eine Analyse sein, hier wieder die alten Märchen über den segensreichen Euro aufzutischen, wie, der Euro sei des Exports liebster Grund etc., lesen Sie doch mal die Bogenberger Erklärung um den Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn: Ein auf Schulden finanzierter Euro-Export mag für die Exporteure ein Segen sein, für die Volkswirtschaft und uns alle, die wir bis jetzt eiserne Lohndisziplin gewahrt haben und diese Schulden nun begleichen müssen, eben nicht. Außerdem: Export-Weltmeister ist Deutschland geworden, weil eben Produktlinie, Produktqualität und Service stimmen, wie sonst nirgendwo; warum denn nicht Griechenland, Italien, Spanien etc., die hatten doch eine Billigwährung? Sie und Ihre Gewährsträger sollten sich wenigstens mit den Grundbegriffen volkswirtschaftlicher Logik vertraut machen, sonst hören Sie auf, sich „Wirtschaftszeitung“ zu nennen. Eine Erkenntnis haben sie aber trotzdem richtig getroffen: Die Eurozone sei kein optimaler Währungsraum. Wie wahr, aber eine Binsenweisheit, die ins erste Semester Volkswirtschaftslehre gehört und deshalb schon 1997 von der Gruppe um den Währungstheoretiker Wilhelm Hankel in Ihrer Klage vor dem BverfG gegen die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung aufgelistet worden ist. Und die weitere Erkenntnis, daß sowohl die No Bail-out-Klausel als auch sämtliche Stabilitätsvereinbarungen aus dem Maastricht-Vertrag gebrochen wurden und auch weiterhin keinen Bestand haben werden, ist doch auch kein Wunder, oder? Ein griechischer Politiker wird sich doch nicht mit seinen Wählern anlegen, wenn er so Experten wie Sie in einem Land hat, daß noch einigermaßen belastbar ist und die auch noch die Richtlinien der Politik bestimmen.

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