Happy End mit Schönheitsfehlern

Super-Mario rettet den Euro

Krawall in Madrid, Streik in Athen und fallende Kurse in Frankfurt geben den Kassandras Aufwind. Doch sie irren: EZB und ESM sorgen für Sicherheit, die Krisenländer kommen bei den Reformen voran. Und der Euro überlebt.
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Die existenzielle Krise der Euro-Zone ist vorbei.

Die existenzielle Krise der Euro-Zone ist vorbei.

DüsseldorfDer September sollte der Monat der Entscheidungen werden, lautete die kühne Ansage vieler Experten. Vor einigen Wochen klang das noch wie eine Drohung. Im Juli stiegen die Zinsen für spanische Anleihen auf immer neue Höchststände - weit über ein Niveau, das auf Dauer tragbar wäre. Spanien drohte im Teufelskreis aus steigenden Zinsen, einer schweren Rezession und immer neuen Schulden zu versinken. Und mit ihm stand auch Italien auf der Kippe - ein Land das mit fast zwei Billionen Euro verschuldet ist. Eine Entwicklung, die eigentlich nur zum Auseinanderbrechen der Euro-Zone führen konnte. Doch das Gegenteil trat ein.

Inzwischen ist klar: Der September war tatsächlich der Monat der Weichenstellungen. Die Entscheidung der EZB, notfalls unbegrenzt Anleihen der Krisenländer zu kaufen, wird in die Geschichte eingehen. Ebenso das richtungsweisende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm ESM. Beides hat seine Wirkung nicht verfehlt: Es ist ruhiger geworden in der Euro-Zone. Die Brandherde wurden natürlich nicht auf einen Schlag gelöscht. Gerade heute sind die Zinsen für spanische Staatsanleihen wieder kräftig gestiegen. Griechenland ringt um weitere Milliardenhilfen, Portugals Regierung muss Lohnkürzungen zurücknehmen und Spanien weigert sich, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Das klingt erst mal so, als habe sich nichts geändert.

Doch es gibt einen großen Unterschied: Der grundsätzliche Zweifel am Erhalt des Euro ist ausgeräumt. Dieser Stimmungswandel geht auf EZB-Chef Mario Draghi zurück. Mit seiner Ankündigung, notfalls unbegrenzt Anleihen der Krisenländer zu kaufen, hat er klar gemacht, dass der Euro auf jeden Fall überlebt.

Das spiegelt sich auch in den Zinsen spanischer Staatsanleihen. Sie liegen noch immer deutlich unter dem Niveau Ende Juli. Damals musste der spanische Staat für Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren 6,7 Prozent zahlen - heute sind es noch etwa 3 Prozent. Was für ein Unterschied!

Man mag die Stirn darüber runzeln, dass Spanien zögert, ein Rettungsprogramm anzunehmen. Es zeigt aber, dass Ministerpräsident Rajoy seit Draghis Ankündigung nicht mehr so stark unter Druck steht.

Draghi hat eine neue Phase für die Euro-Zone eingeläutet: Jetzt geht es nicht mehr um den kurzfristigen Erhalt des Euro, sondern um die langfristige Ausgestaltung der Währungsunion.

„Die Brandmauer steht“
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78 Kommentare zu "Happy End mit Schönheitsfehlern: Super-Mario rettet den Euro"

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  • In der Haut von Jan Mallien möchte ich nicht stecken. Vollkommenen Unsinn schreiben viele, aber so einen grotesken Mist, der sich drei Tage nach Abfassung nur noch liest wie eine Satire, reduzieren die künftigen Karrierechancen erheblich.


  • Haushaltsdefizite ausgewählter PIGs (2009 - 2011, %BSP):
    ==========================================

    Griechenland: 15,3 - 10,4 - 9,7

    Irland: 14,0 - 31,2 - 13,0

    Italien: 5,4 - 4,5 - 3,8

    Portugal: 10,2 - 9,8 - 4,2

    Spanien: 11,1 - 9,2 - 8,5

  • ITALIEN BRAUCHT KEINE EXTRAHILFE
    ==============================

    „Italien kann seine Probleme selbst lösen“

    Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Vittorio Grilli zu Besuch bei Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

    Bundesbankpräsident Weidmann und Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Grilli haben sich am Mittwoch zu einem eineinhalbstündigen Gedankenaustausch in der Zentrale der Bundesbank in Frankfurt getroffen. Im Zentrum des Gespräches standen die Reformbemühungen Italiens sowie die kommenden Herausforderungen für die europäische Währungsunion. Bei der anschließenden Presseerklärung sagte Weidmann, er sei überzeugt, „"dass Italien stark genug ist, seine Probleme selbst zu lösen"“. Mit Blick auf die Fortschritte Italiens bei dem in Angriff genommenen Sparkurs und angesichts der soliden Fundamentaldaten des Landes zeigte er sich zuversichtlich, dass Italien keine Unterstützung seiner europäischen Partner in Anspruch nehmen müsse. „"Italien braucht keine Extrahilfe"“, sagte Grilli. Er bekräftigte zudem, der Reformprozess würde ohne Abstriche fortgesetzt: „"Italien steht zu seinen Zusagen."“ Das Land werde versuchen, Deutschlands positiver wirtschaftlicher Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren zu folgen, erklärte der Minister.

    Beide Gesprächspartner bekräftigten die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit Deutschlands und Italiens als Schwergewichte Europas und lobten den gemeinsamen offenen und fruchtbaren Dialog.

    ...

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Standardartikel/Presse/Fokusthemen/2012_09_26_weidmann_grilli.html

  • Zitat:"Doch sie irren: EZB und ESM sorgen für Sicherheit, die Krisenländer kommen bei den Reformen voran. Und der Euro überlebt."

    Hahahaha. Das ist doch nur ein frommer Wunsch, dass die Krisenländer mit den Reformen vorankommen und die Gründe heißen EZB und ESM. Fremdgeld statt Reformen. Und wird eine kleine Reform durchgesetzt, dann wird in den Krisenländern das böse Deutschland dafür verantwortlich gemacht. Der Hass auf Deutsche steigt stetig an.

    Sorry, aber der Artikel ist nichts weiter als Propaganda. "Was nicht sein kann, was nicht sein darf"-Gejaule. Mehr nicht.

    Die Schuldenberge dieser Länder steigen immer weiter an und das nach zwei Jahren Euro-Retterei!

    Sie werden versuchen das Problem mit Inflation zu lösen und eine spürbare Inflation des Euros wird das letzte Kapitel dieser mittlerweile illegalen Fehlkonstruktion sein.

  • einfach un-glaub-lich ! :) :) :)

  • @berndengesser, danke für die hilfreiche Unterstützung meines Wissens bzgl. der deutschen Geschichte vor 1900. Mittelstufe ist halt schon etwas länger her. Danach wurde halt bis zum Erbrechen das 3. Reich abgehandelt.
    Nur den Schuldreflex konnten sie meiner Generation nicht mehr implementieren.
    Thema Europa vs. deutsche Geschichte:
    1. Über allem war den Menschen sowohl die gleiche - sprich deutsche, Sprache zu Eigen, als auch eine ähnliche Sozialisierung. Das führt schon Ihren dünne Argumentationsversuch ad absurdum.
    2. Der deutsche Raum ist Kulturhistorisch gewachsen und kein unausgegorener, mit Gesetzesbrüchen aufoktroyierter Konstrukt.
    Als Süddeutscher, mittlerweile seit Jahren in der Schweiz tätig, ist mir die Ostschweizerische Mentalität auch näher als das Kölsche. Trotzdem unterscheiden uns in diesem Sprachraum nur bereichernde Details und kein ich nehm alles und tu nix, oder nur nach meinen Vorstellungen und nur zu meinem Vorteil. Ok, wenn man mal von den Politikern absieht. Seit langen Jahren bin ich als Freelancer im Ausland unterwegs, da weiß man einfach mehr. Will sagen, der Italiener, Rumäne, Grieche, Rumäne, etc. ist anders. Wertungsfrei anders. Also kann dieser Draghische Euromanenansatz einfach nicht funktionieren. Europa=Klasse / Euro, in heutiger Ausprägung ein schöner Traum und für einge wenige der Selbstbedienungsladen.
    Geplärr? Diese Pseudoelite sollte mal froh sein, dass meine Generation mittlerweile ruhig geworden ist. Die Zimmermänner, Sträusse und Kohls konnten noch ein Lied davon singen was passiert wenn man die Bevölkerung für dumm erklärt, quasi als Stimmvieh aus zwei Beinen abtun will. Ich vermute, dass Sie wirklich über eine fundierte Halbbildung verfügen - leider stehen Sie bei diesem Thema auf der falschen Hälfte des Halbwissens. Wäre nur ein kleiner Schritt auf die richtige Seite ;-) Einfach mal unvoreingenommen die Fakten anschauen und mit Ihren Lebenserfahrungen vergleichen.

  • Von welchem Planten stammt der Autor dieses Artikels? Bestimmt nicht mal in unserem Sonnensystem ! Sind Sie eng mit Mario Draghi verwandt vielleicht ??

  • In gewisser Weise ähnelt die Überschrift altbekannten
    Durchhalteparolen - noch nicht so lange her, dass gewaltige
    Panzerarmeen durch das Reich rollten, um die eingeschlossene
    Hauptstadt freizukämpfen. Die Kapitulation kam dann schneller als gedacht.

    Super-Mario rettet den Euro - - Endsieg 2012/2013

  • @berndengesser
    Interessanter Hinweis mit den Anfängen der DMark, vielen Dank.
    Nur, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.
    Damals musste man nicht das ganze Geld in rauhen Mengen (5,6 Bio € bis dato) an die Banken verfüttern. Die Staaten waren noch nicht vom Finanzmarkt erpressbar. Das allein sollte schon als gravierender Unterschied genügen.
    Die Deutschen haben damals an Rechten enorm hinzugewonnen, die Demokratie war gestärkt, heute hingegen muss sich die Politik einen Rüffel nach dem anderen von Karlsruhe abholen. Ohne Vertragsbruch scheint die EU-Politik gar nicht mehr denkbar.
    Die Deutschen wollten (als Souverän) diese Einigkeit.
    Das Land war total kaputt, es konnte also nur aufwärts gehen, usw.
    Heute müssen bereits 32 Mio. Deutsche mit weniger als 400 € auskommen, das ist fast allen Bürgern gleichgültig und die Aussichten auf Besserung sind nicht vorhanden, oder habe ich da etwas übersehen?

    Wenn Sie allerdings Gegenargumente als "Geplärre" diffamieren und nichts als einen schiefen Vergleich aufbringen können, so spricht das nicht gerade für den Euro.

  • Interessant heute auch eine Info auf querschuesse.de

    Es gibt mehr als nur vage Anzeichen, dafür, dass die vermeldeten aktuellen BIP-Zahlen Spaniens zu hoch sind. Das kann gezielte Manipulation sein, muss es aber nicht.
    Woran das liegt lässt sich im Moment schlicht nicht sagen. Das wäre aber sicher ein hübscher Rechercheauftrag für einen Journalisten.

    Wie dem auch Sei. Vieles deutet daraufhin, dass die ganzen schönen Jubelmeldungen über sinkende Lohnstückkosten usw. bald die (statistische) Grundlage entzogen wird.

    Unabhängig davon: um die Leistungsbilanzdefizite nachhaltig auszubügeln, reicht bloße Importreduktion nicht aus. Und mit Ausrüstunginvestitionen zwischen m-5 und -10 Prozent erwirtschaftet man bei Waren- und Dienstleistungen dauerhaft keinen Überschuss um die riesigen Nettoauslandsschulden zu bedienen.

    Die ganzen "Rettungseuropäer" sind makroökonomische Vollpfosten und sie werden diesen Winter die Quittung für Ihre verfehlte Politik bekommen -wird aber leider mit

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