Happyend in Riga?

Tsipras – Griechenlands neuer Merkelist

Einst schimpfte Alexis Tsipras auf die deutsche Kanzlerin – als Premier sucht er die Nähe zu Angela Merkel. Auch heute auf dem EU-Gipfel in Riga. Begleitet wird seine Reise jedoch von schrillen Misstönen aus Athen.
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Treffen sich zuletzt häufiger: Kanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Premier Alexis Tsipras. Quelle: dpa
Staatsbesuch

Treffen sich zuletzt häufiger: Kanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Premier Alexis Tsipras.

(Foto: dpa)

AthenAls griechischer Oppositionsführer dämonisierte Alexis Tsipras die deutsche Kanzlerin als „gefährlichste Politikerin Europas“; seinen Vorgänger Antonis Samaras verspottete er als „Merkelisten“, der Weisungen aus Berlin entgegennehme. Aber als Ministerpräsident scheint Alexis Tsipras eine immer größere Anhänglichkeit zu Angela Merkel zu entwickeln. Mitunter telefoniert man mehrfach pro Woche miteinander.

Politische oder gar persönliche Zuneigung ist es wohl nicht, sondern eher die Erkenntnis, dass gegen die Kanzlerin nichts läuft in Europa. Jedenfalls sucht Tsipras Merkels Nähe. So auch an diesem Donnerstag: am Rande des EU-Gipfels in Riga will sich Tsipras mit ihr zu einem Tête-à-Tête treffen.

Für Tsipras steht in Riga viel auf dem Spiel. Dort könnte sich entscheiden, ob es in den zähen Verhandlungen mit den Gläubigern, die sich nun schon über drei Monate dahinschleppen, doch noch zu einem Happyend kommt. Tsipras weiß: Geld wird er aus der lettischen Hauptstadt nicht mitbringen. Über weitere Kredite müssen die Euro-Finanzminister entscheiden.

Aber er hofft auf ein Signal des Europäischen Rats, eine Weichenstellung, die zu einem positiven Abschluss der Verhandlungen führen könnte. Den Boden dafür will er am Rande des Gipfels in Einzelgesprächen mit Angela Merkel und Francois Hollande bereiten. Geht alles gut, könnten die Finanzminister der Eurogruppe am Montag zu einem Sondertreffen zusammenkommen. Damit käme Athen der Freigabe bisher zurückgehaltener Kreditraten einen großen Schritt näher.

Ob es so läuft, ist nicht sicher. Denn begleitet wird die Tsipras-Reise von schrillen Misstönen aus Athen. Der Fraktionschef des regierenden Linksbündnisses Syriza, Nikos Filis, drohte am Mittwoch an, Griechenland werde im kommenden Monat seine Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) einstellen. Tags zuvor hatte bereits Finanzminister Yanis Varoufakis erklärt, wenn das Geld zur Neige gehe, werde die Regierung mit Vorrang Renten und Gehälter bezahlen. Der Schuldendienst müsse dann zurückgestellt werden: „Ich ziehe es vor, gegenüber dem IWF pleite zu gehen als gegenüber den Rentnern.“ Das ist Populismus in Vollendung, zugleich aber ein Spiel mit dem Feuer: Denn versäumt Athen tatsächlich seine nächste Zahlung an den IWF, wäre das der erste Schritt auf dem wahrscheinlich unumkehrbaren Weg in den Staatsbankrott.

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22 Kommentare zu "Happyend in Riga?: Tsipras – Griechenlands neuer Merkelist"

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  • Ich verstehe nicht, wieso man die Griechen unbedingt im Euro halten will. Natürlich macht deren Regierung keinerlei Konzessionen - warum auch. Frau Merkel verfügt mal soeben, dass unser Solidaritätszuschlag künftig nach Griechenland zu fließen hat, wegen der "europäischen Solidarität" (die Grünen sagten schon beim 1. Rettungspaket 2010, dass Griechenland dauerhaft mindestens 5% ihres BSP als Zuschuss benötigen, weil sie nicht zum Sparen geboren seien...). Die Portugiesen, Iren und Spanier fühlen sich nach all den schmerzhaften Reformen von ihren Regierungen komplett an der Nase herumgeführt und werden künftig stramm links wählen. Die Deutschen blicken auf ihre marode Infrastruktur, die Schuldenbremse, die Energiewende und wundern sich. Kein Wunder, dass der NSA Merkel überwacht! Wenn dann weitere Länder das griechische Modell attraktiv finden: Wie hoch müssen bei uns die Steuersätze steigen, damit wir uns neben dem Milliardengrab Energiewende diese alternativlose Europolitik leisten können? Klartext: Wenn Frau Merkel - unter welchem Vorwand auch immer - eine weitere Dauerzahllast pro GR kreiiert und so endlich zugibt, dass sie unbedingt eine Schulden-Union will (genauso wie Brüssel), sind für mich pro-Euro-Parteien unwählbar. Wir dachten, die Linken scherzten nach der Wahl, als sie lt Medien flapsig sagten: "egal, was gesagt und gedruckt werden wird; die Deutschen zahlen." Frau Merkel, sie wurden gewählt, um für das Wohl Deutschlands Sorge zu tragen - vergessen?

  • Und was kostet den deutschen Steuerzahler wieder dieser verlogene neue Friede-Freude-Eiertanz zwischen dem Heuchler Tsipras und unserer gottgleichen Kanzlerin?

  • Ja ich lese es immmer wieder: Griechenland ist auf einem guten Weg. Die Administration den Finanzministers hat sogar ein weiteres Wahlversprechen "kraftvoll" wahgemacht: von rund 3000 mutmaßlichen Steuerbetrügern auf der IWF-CD hat man in Athen schon etwa 50 (in Worten Fünfzig) bearbeitet.
    Was dabei herausgekommen ist? Bisher habe ich da keinerlei informationen im blätterwald gelesen.

  • Die Deutsche Steuerkuh funktiuoniert, noch-
    Hoffentlich mekt Michl bald dass er auch mal etwas massiver werden muss.
    Wenn Griechenland ein weiteres Hilfspaket bekommt, Schäuble seine Supersteuer-
    software einführft und die Bargeldabschafftung zur Debatte steht, sollte Michl mal
    über einen Steuerstreik nachdenken. Oder, noch besser, wie er an Pumpguns kommt.

  • Was soll man da noch sagen?

    Merkel und Schäuble haben doch schon vorgebaut und den ESM geschaffen. Die doofen Abgeordneten im Bundestag - und das waren immerhin mehr als 80 % - haben gar "alternativlos" zugestimmt.

    Griechenland hofft jetzt endlich an die Mittel des ESM zu kommen.

    Merkel und Schäuble hatten in den Vertrag schreiben lassen, dass die Mitgliedsstaaten innerhalb von 7 Tagen jeden angeforderten Betrag anzuschaffen haben, der ESM keine Rechenschaft ablegen muss und dass die Strafverfolgung gegen ihre Akteure im Voraus ausgeschlossen ist.

    Das ist Kriminalität vom Feinsten!

    Um auch die richtige Drohkulisse aufzubauen, soll der griechische Finanzminister die Gespräche mit den EU-Finanzministern aufgezeichnet haben. Er will diese Aufzeichnungen nicht verwenden. Es sei denn zu seiner eigen Verteidigung. Er kann den Nachweis führen, dass er die Wahrheit sagt oder schreibt. Sollte er angegriffen werden, dann wird er zwar die Kollegen nicht verpfeifen aber die Richtigkeit seiner Angaben belegen. Das macht seine Gegner mehr als schwach.

    Ich erwarte, dass jetzt die Kasse des ESM geöffnet wird.

    Es liegt an uns Bürgern unsere Politiker in die Verantwortung zu ziehen und die Rechtsgrundlage für deren Bestrafung zu schaffen. Derzeit gibt dies die Gesetzeslage noch nicht her, aber den Vorsatz nachzuweisen, sollte nicht allzu kompliziert werden.

  • Von Herrn Varoufakis waren bisher noch keine sachlichen oder gar überzeugende Argumente zu vernehmen. Daß dieser Mann mit der offensichtlichen Diskrepanz zwischen seiner Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnemung durch Dritte ( von seinen Syriza - Fans in Griechenland einmal abgesehen ) augenscheinlich Probleme hat, ist für alle Beteiligten klar.

  • … und Wa(r)shington hat auch noch ein Wörtchen mitzureden ;–)

  • Herr never mind21.05.2015, 14:09 Uhr
    das ganze Thema Griechenland ist einfach zum k....n ! Denkt eigentlich jemand an die Menschen die unter dieser Situation leiden ?
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Aber sicher doch! Die Menschen dort in Korruptistan leideten seit Jahrzehnten daran, von ihren verstorbenen Angehörigen Renten zu beziehen. Auch wurde Blindengeld an Menschen gezahlt, die alles waren, nur nicht blind (dafür jedoch sehr gerissen). Und schließlich ist dem griechischen Nationalcharakter völlig fremd und zuzumuten, kontinuierlich Steuern zu zahlen. Nein, die stolzen Griechen zahlen keine Steuern - und die anderen Europäer, die das "freiwillig" machen, sind aus griechischer Sicht einfach Idioten!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • das ganze Thema Griechenland ist einfach zum k....n ! Denkt eigentlich jemand an die Menschen die unter dieser Situation leiden ?

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