Harsche Kritik an Merkel
George Soros sieht Europa in „großer Krise“

Während sich die EU mit der Griechenland-Rettung abkämpft, rückt Europa immer dichter an den Abgrund, meint Investoren-Legende George Soros. Und er gibt Angela Merkel eine große Mitschuld an dem, was dem Euro noch droht.
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Wien/AthenDie Euro-Krise könnte sich in Europa zu einer neuen Finanzkrise entwickeln. Diese Warnung hat US-Milliardär George Soros am Sonntag in Wien ausgesprochen. "Europa befindet sich in einer großen Krise", sagte er auf einer Diskussionsveranstaltung in der österreichischen Hauptstadt. Fundamental entwickle sich die EU in eine falsche Richtung. "Die Politiker wollen Zeit kaufen, aber die Zeit arbeitet gegen sie", meinte der US-Milliardär ungarischer Abstimmung.

In der Vergangenheit habe sich die EU bewährt. In den Gründungsjahren der Union hätten "weitsichtige Politiker" die richtigen Schritte für eine europäische Integration eingeleitet. Heute jedoch stehe die EU vor einem Scheideweg: Wolle sie wirklich den Weg der Integration fortsetzen oder beginne eine Fokussierung zurück zu den Nationalstaaten?

Soros bezeichnete den Euro als "unvollständige Währung". Mit der Gemeinschaftswährung seien lediglich ökonomische Schritte zur europäischen Integration eingeleitet worden. Bis heute fehlten die politischen Fundamente des Euro wie ein gemeinsames Finanzministerium oder eine einheitliche Fiskalpolitik.

Deshalb habe der Euro seit seiner Einführung nicht das erreicht, was er eigentlich bewirken sollte: eine stärkere europäische Integration. Die Gemeinschaftswährung habe viel mehr dafür gesorgt, dass sich die Euro-Mitgliedsländer ökonomisch sehr unterschiedlich entwickelt hätten. In Ländern wie Spanien etwa habe es einen künstlichen Boom in der Immobilienbranche gegeben, diese Blase sei jetzt geplatzt. Deutschland hingegen habe seine Wettbewerbsfähigkeit mit Hilfe des Euro gestärkt.

Soros hielt den europäischen Politikern vor, dass sie derzeit nur den Status quo verteidigen wollten. "Es fehlt ein klarer Plan B", beklagte Soros, Gründer der gemeinnützigen Stiftung Open Society. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich für den Weg der europäischen Des-Integration entschieden. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise habe sie durchgesetzt, dass jedes Land einen eigenen Ausweg aus der Finanzkrise suchen müsse. Die Kanzlerin verfolge also keinen gemeinschaftlichen Ansatz.

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  • Ein Ende mit Schrecken ist in jedem Fall besser.
    Der "moral hazard" hierzulande ist ebenso unerträglich; die Merkel wird nicht wieder Kanzlerin, wenn hier ganz konkret für die Idiotie der Griechen das Streichkonzert beginnt. Direkt nach der grotesken "Steuerentlastung".

  • @ Alex - Stimmt fast alles was Sie sagen, aber: ein gesunder Euro waere ein voellig unbuerokratischer, kein bail-out, kein Aufkauf von Staatspapieren durch Zentralbanken und ansonsten 100% Glaeubigerhaftung. So war der Euro mal geplant.

  • Zitat:"Erstens haben die USA selbst zu grosse Probleme um zu helfen"

    Dann soll sich der Penner damit auch beschäftigen!

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