Harte Kritik an Südafrika
Streit zum Abschluss der Aids-Konferenz

Die internationale Aids-Konferenz in Toronto ist mit schweren Vorwürfen gegen Südafrika zu Ende gegangen. Die Regierung des Landes reagierte empört auf die heftige Kritik an ihrer Politik.

HB TORONTO. Vertreter der Vereinten Nationen (UN) und Aids-Experten nutzten ihre Abschlussreden am Freitag für eine umfassende Kritik am Vorgehen Südafrikas gegen die Immunschwächekrankheit. Das Handeln der Regierung unter Präsident Thabo Mbeki sei nach wie vor von Ignoranz und Fahrlässigkeit geprägt, sagte der UN-Sonderbeauftragte für Aids, Stephen Lewis. Die südafrikanische Regierung wies die Kritik zurück.

Mbeki und sein Stab haben lange Zeit bestritten, dass die Krankheit vom HI-Virus verursacht wird, und die Verteilung von Aids-Medikamenten abgelehnt. Mehr als zehn Prozent der Südafrikaner haben sich mit dem Virus angesteckt. Die Krankheit kann nicht geheilt, durch Medikamente aber unter Kontrolle gebracht werden.

„Südafrika ist das einzige Land in Afrika und das einzige unter all den Ländern, die ich in den vergangenen fünf Jahren besucht habe, dessen Regierung sich nach wie vor begriffsstutzig, zögerlich und fahrlässig verhält“, sagte Lewis. „Es ist das einzige Land in Afrika, dessen Regierung weiterhin Theorien vertritt, die eher zu einem wahnsinnigen Außenseiter passen als zu einem betroffenen und Anteil nehmenden Staat.“ Die südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang hat den Bürgern des Landes Knoblauch, Rote Bete und Zitronen als Mittel gegen Aids empfohlen.

Auch der Direktor des Aids-Zentrums der McGill-Universität im kanadischen Montreal, der die Konferenz organisiert hatte, schloss sich der Kritik an: „Die Welt hat viel zu lange zugeschaut, wie sich die Situation in Südafrika verschlechtert hat und dort tausende Menschen an HIV gestorben sind“, sagte Mark Wainberg in seiner Abschlussrede.

Die südafrikanische Gesundheitsministerin Tshabalala-Mismang machte die Nichtregierungsorganisation Treatment Action Campaign (TAC) für die Kritik an der Aids-Politik ihres Landes verantwortlich. „Ich glaube, die TAC war einfach eine Schande“, sagte die Ministerin am Sonntag. Ihr Sprecher Sibani Mngadi hatte zuvor auf Leistungen seines Landes im Kampf gegen die Krankheit verwiesen. So seien Mill. von Kondomen kostenlos verteilt worden. Auch erhielten mehr als 175 000 gratis Medikamente.

Der Geschäftsführende Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Anders Nordström, forderte eine Aufstockung des medizinischen Personals in Entwicklungsländern. Ohne genug medizinische Einrichtungen und geschultes Personal würden auch weiterhin Mill. Menschen an der Immunschwächekrankheit sterben, sagte er. Nach WHO-Schätzung sind weltweit in den nächsten fünf Jahren 5,6 Mrd. Euro nötig, um den Nachholbedarf an medizinischen Fachkräften zur Behandlung von HIV-Infizierten und Aids-Kranken aufzuholen. Das seien 47 Cent pro Patient.

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