Harte Kritik
Juncker knöpft sich deutsche Politiker vor

Euro-Gruppen-Chef Juncker den Umgang deutscher Politiker mit Griechenland hart kritisiert. Diese seien mit ihren Populismus nur auf Punkte in der Innenpolitik aus. Horst Seehofer und seine CSU keilen postwendend zurück.
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BerlinJean-Claude Juncker hat Teile der deutschen Politik Juncker scharf angegriffen. Er frage sich, warum Deutschland die Euro-Zone „wie eine Filiale“ behandele, sagte der luxemburgische Regierungschef der „Süddeutschen Zeitung“.

Danach gefragt, wie viel Zeit Griechenland noch für Reformanstrengungen bleibe, sagte Juncker: „Ich wundere mich immer wieder, dass man vor allem in der Bundesrepublik stets mahnt, wir müssen den Troika-Bericht abwarten. Aber schon bevor er da ist, erklärt man was drin steht.“ Der Populismus bei der Griechenland-Frage sei in Deutschland besonders ausgeprägt und die Politiker dabei nur auf Punkte für die Innenpolitik aus. „Wieso eigentlich erlaubt sich Deutschland den Luxus, andauernd Innenpolitik in Sachen Eurofragen zu machen? Warum behandelt Deutschland die Euro-Zone wie eine Filiale?“

Juncker betonte, ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone gehöre nicht zu seiner „Arbeitshypothese“. Zuletzt hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erklärt, für ihn habe ein Austritt Athens „längst seinen Schrecken verloren“. Weitere Politiker der Regierungskoalition hatten sich ähnlich geäußert.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat die Äußerungen Juncker heftig attackiert. Seehofer sagte am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München, das Verhalten von Juncker sei „grenzwertig“. So trage dessen Warnung vor einem Zerfall der Euro-Zone „ganz gewiss nicht zur Beruhigung der internationalen Finanzmärkte bei“.CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt stellte sogar in Frage, dass Juncker der richtige Mann auf dem Posten des Eurogruppenchefs ist. Seehofer sagte dazu: „Der Generalsekretär hat immer recht.“

Im Hinblick auf die Krise hat Juncker Entscheidungen über Euro-Rettungsmaßnahmen für die nächsten Tage angekündigt. „Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen“, sagte Juncker. „Die Welt redet darüber, ob es die Euro-Zone in einigen Monaten noch gibt.“ Die Euro-Länder müssten jetzt „mit allen verfügbaren Mitteln“ ihre feste Entschlossenheit zeigen, die Finanzstabilität der Währungsgemeinschaft zu garantieren: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“

Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise trifft US-Finanzminister Timothy Geithner heute mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zusammen. Das kurzfristig anberaumte Treffen findet auf Schäubles Urlaubsinsel Sylt statt. Anschließend reist Geithner nach Frankfurt am Main weiter, wo er mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zusammentrifft.

Unterdessen hat auch der britische Ex-Premierminister Tony Blair Deutschland zur Rettung des Euro aufgerufen. Die Euro-Krise sei anders als frühere Krisen, schrieb Blair in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung von Montag. „Sie ist für uns eine neue Erfahrung, am ehesten noch vergleichbar mit der Situation in den 1930er-Jahren. Sämtliche Alternativen sind unschön. Aber die beste dieser Alternativen für Europa, und insbesondere für Deutschland, besteht darin, den Euro zu retten.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Ich kann dem nur zustimmen.
    Dieser bloßgestellte Lügenbold hat es nötig uns zu kritisieren... Er hat doch nur die Rettung seiner Banken im Sinn. Aber wie heißt es so schön: Getroffene Hunde bellen(und so laut wie er bellt...)
    Damit wir nicht noch mehr über den Tisch gezogen werden:
    www.stop-esm.org
    Bitte eintragen und Link weiterleiten an Freunde, Bekannte, Kollegen etc. und nicht vergessen die email innerhalb von 24Std. zu bestätigen.

  • Nicht vergessen 71% der Deutschen bürger ;)

  • hallo Koscho, da ist eine falsche Zahl hereingerutscht. 1,9 Billonen pro Kopf, das müsste schon ein grosser Kopf sein, sozusagen ein Schwellkopf.

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