Harvard-Studie zu Restaurants Wie schädlich sind Mindestlöhne?

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Welche Zweifel gibt es

Zur statistischen Absicherung gibt es im Studientext die Einräumung, dass das Hauptergebnis „nur in bestimmten Spezifikationen“ statistisch signifikant sei. Statistikexperte Walter Krämer rät dazu, bei solchen Formulierungen hellhörig zu werden, denn sie deuten darauf hin, dass ziemlich viel mit den Daten herumprobiert wurde, bis brauchbare Ergebnisse im Sinne der Autoren herauskamen. Wenn das passiert, entwertet es die üblichen Kennzahlen für statistische Verlässlichkeit der Ergebnisse.

Ein Blick auf die grafische Darstellung zeigt denn auch, dass wenige Städte das Ergebnis stark beeinflussen. Nur ein Ergebnis bezeichnen die Autoren selbst als „robust“, dass nämlich eine Mindestlohnerhöhung schlecht bewerteten Restaurants mehr Probleme macht als gut bewerteten. Was den Gesamteffekt auf die Marktaustrittswahrscheinlichkeit angeht, sprechen sie dagegen nur von „suggestiver Evidenz“. Das ist die unterste Kategorie der Verlässlichkeit.

Die in der Zusammenfassung herausgestellte um 14 Prozent erhöhte Austrittswahrscheinlichkeit für Restaurants mittlerer Bewertung ist nicht ganz so dramatisch, wie sie etwa die viel gelesene Website „Zero Hedge“ der „Schock-Studie aus Harvard“ zuschrieb. Wenn die Wirkungsanalyse stimmt, dann macht etwa jedes 140. Restaurant dieser Kategorie wegen eines um einen Dollar erhöhten Mindestlohns zu. Das ist nicht nichts, aber auch nicht dramatisch. Nimmt man dagegen das nur am Ende der Studie mitgeteilte Ergebnis für alle Restaurants zum Maßstab, dann erscheint die um vier bis zehn Prozent erhöhte Austrittswahrscheinlichkeit noch bescheidener. Demnach wäre nur jedes 500. Restaurant betroffen.

Bleibt die Frage, ob die Zahl der Restaurants und Arbeitsplätze insgesamt sinkt, oder ob die frei werdenden Lokalitäten durch neue, bessere Restaurants ersetzt werden, oder schon bestehende  Restaurants mehr Leute einstellen. Diese Frage kann die Studie nicht beantworten, weil die Anzahl der Beschäftigten in den Yelp-Daten nicht enthalten ist. Der wichtigste Faktor, der in der Theorie zu steigender oder stagnierender Beschäftigung durch höhere Mindestlöhne führen kann, wird also nicht geprüft.

Was die Anzahl der Restaurants angeht, ermitteln die beiden Ökonomen einen negativen Einfluss des Mindestlohns, von dem sie allerdings einräumen, dass er statistisch nicht signifikant ist, also zufallsgetrieben sein könnte. Die Größenordnung des Effekts, den man einer Tabelle entnehmen muss, ist zudem bescheiden. Die Anzahl der Restaurants je 10.000 Einwohner sinkt von einem Durchschnitt von 45 für jeden Dollar mehr Mindestlohn um 0,1 bis 0,2, was 0,2 bis 0,4 Prozent ausmacht.

Fazit: Der wissenschaftliche Konsens in Sachen Einfluss von Mindestlohnerhöhungen auf Niedriglohnsektoren wie das Gaststättengewerbe wankt aufgrund dieser Studie nicht. Die ausgehfreudigen Kalifornier müssen nicht befürchten, ihr notorisch gesundes und fades Essen künftig selbst zubereiten zu müssen.

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56 Kommentare zu "Harvard-Studie zu Restaurants: Wie schädlich sind Mindestlöhne?"

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  • Herr Tom Schmidt - 20.04.2017, 15:01 Uhr
    Sind sie auch eine Anarchokapitalist wie die Herr Metz es beschreibt?
    Oder wie wollen sie die Zusammenleben regeln?

  • Herr Helmut Metz - 20.04.2017, 15:08 Uhr
    Interessante Bezeichnung: Etatisten und Anarchokapitalisten
    Muß ich mir merken!
    Nur das mir dem Anarcho funktioniert vielleicht in einen Land mit viel Platz & wenig Leute. Wie in den Wilde Westen!
    In einen Land wo viele Leute auf wenig Raum leben bleibt nur eine gemeinsame Ordnung übrig. Nur das ist vernünftig.
    Ein Staat ist immer der Garant für eine Rechtsordnung. Alles andere ist wie 'Mad Max' .... und das ist auch ganz ungemütlich!  

  • @ Piet Vrolijk

    Ich habe etliche Diskussionen zwischen Etatisten und Anarchokapitalisten (Null-Staatlern) mitverfolgt. Das ufert immer aus, geht oft wochenlang - und führt doch zu nichts. Es fehlt nämlich der kleinste gemeinsame Nenner.
    So werden auch Sie sich als Etatist niemals von den Argumenten der Null-Staatler überzeugen lassen. Neulich habe ich hier eines der schwerwiegendsten zitiert: der Staat ist nämlich die unnatürliche Todesursache Nummer 1:
    "Rund 270 Millionen unschuldige Menschen wurden allein in den zurückliegenden 100 Jahren von ihren eigenen Staaten, Regierungen und Politikern ermordet. Der Staat ist mit großem Abstand und unzweifelhaft die unnatürliche Todesursache Nummer 1. Ebenso ist er die Hauptursache für menschliches Leid, für Not und Elend, Diskriminierung, Krankheit und Tod, Zerstörung, Verfolgung, geistige und körperliche Folter, Vergewaltigung und Verstümmelung, Armut und Umweltverschmutzung.
    Umso erstaunlicher ist es, dass der Staat und seine Handlanger nach wie vor Mehrheitlich unterstützt, ja sogar verehrt und verteidigt werden. Weltweit und auch noch unter dem Vorwand, sie mögen für Frieden, Freiheit, Sicherheit und Umweltschutz sorgen. Mit Vernunft ist diese Situation schon lange nicht mehr zu erklären. Es gibt keine sachlichen und rationalen Argumente dafür, weiterhin am Staat festzuhalten. (...)
    Der Glaube daran ist wie der Glaube in einer Religion: Ohne jeden Bezug zur Realität, praxisfern, unbeweisbar und unlogisch."
    http://www.freiwilligfrei.info/archives/6591
    Irrationalerweise bin auch ich trotzdem noch (oder besser wieder) ein Minarchist (= Minimalstaatler), obwohl ich weiß, dass JEDER Minimalstaat früher oder später zum Maximalstaat (ja zum totalen Staat) wird. Das beste Beispiel dafür sind die Vereinigten Staaten von Amerika: als Minimalstaat in der Verfassung angelegt, sind sie heute ein Maximalstaat geworden, der die Freiheiten seiner Bürger immer stärker untergräbt.

  • @Piet Vrolijk

    Nein, die Liste gibt es eben nicht, es wird veröffentlicht immer welcher Posten wie hoch war. Das ist mit dem was ich vorgeschlagen habe, nicht vergleichbar, weil man daraus eben nicht ableiten kann, ob man seine Mittel nur sinnlos verpulvert hat oder nicht! Darum können Sie auch solche Behauptungen aufstellen, dass Geldmangel der Grund für den Brückenzustand in den USA ist. Die haben Geld, und gerade lief ein neuer Flugzeugträger vom Stapel... und wenn die noch 5 kaufen, hilft das halt keiner Brücke! Aber solange man die dinger kauft, braucht man sich auch nicht über Geldmangel beschweren!

  • Warum in alles in der Welt der BVB?
    Kümmert euch endlich mal um die richtigen Ansprewchpartner aus Poilitik und um die Abzocker in den teuren Nadelstreifen!

  • Wann gib t es endlich eine breit angelegte öffentliche Diskussion über die völlig inakzeptable Regelung bei der Altersversorgung von Pensionen vs. Renten!
    Da herrscht dann Schweigen im Walde.
    Warum kriegen die einen 71,75% von der letzten Bruttogehaltshöhe, während man die anderen nach 45 Arbeitsjahren mit einem Durchschnittsbrutto von 43 bis 41 % abspeist.
    WEHRT EUCH!!!

  • @Piet Vrolijk

    Wenn Sie Zahlen zitieren, sollten Sie auch bemerken, was diese angeblich aussagen. Solange Sie das nicht machen, ist vollkommen irrelevant wie alt die Zahlen sind.

    Die Aussage, dass jeder Staatsausgaben automatisch dem Bürger nutzt, bleibt eine Fiktion. Sie bringen dafür keine Argumente. Oder machen wir es doch so: Geben Sie doch mir Ihr Geld, ich verspreche Ihnen (nach Abzug einer kleinen Verwaltungsgebühr) werde ich es zum Wohle der Gesellschaft ausgeben. Machen Sie das jetzt oder nicht? Wenn Sie mir nicht trauen, dann jemand anderen? Erfüllt das dann nicht automatisch den Nutzen, den Sie haben wollten? Wenn nicht, warum nicht?

  • Herr Tom Schmidt - 20.04.2017, 14:48 Uhr
    Die Liste gibt es schon. Die Liste heißt bei ihnen 'Bundeshaushalt'. Oder 'Landeshaushalt'.
    In den Niederlande heißt es 'Begroting'. Und wir machen den bekannt an den 'Prinsjesdag' mit eine Thronrede. Das ist dann noch ein bißchen romatisch!

  • @ Piet Vrolijk

    Das Thema mit dem angeblichen Geldmangel wäre doch ganz einfach: jede Partei macht eine List mit den Listen der Staatsaufgaben, nach Wichtigkeit geordnet. Dann schreibt man daneben wieviel Geld man für die Aufgabe ausgegeben hat und zuwieviel % die Aufgabe erreicht ist. Dann sehen wir am Ende der Liste sofort, was bei der jeweiligen Partei das Unwichtigste war und wofür Geld ausgegeben wurde. Damit ist jede Diskussion von wegen Geldmangel des Staates von vorne herein beendet!

    Deutschland ist eine der reichsten Volkswirtschaften der Erde, die Staatsquote liegt bei 50%, wenn da nicht die Staatsaufgaben erfüllt werden können, dann bei niemand! Das Thema Geldmangel beim Staat ist eine Fake-Nachricht!

  • Herr Helmut Metz - 20.04.2017, 14:35 Uhr
    Lieber Herr Metz, Sie sollten einmal die Bücher von Adam Smith 'Wealth of Nations" lesen ... aber alle Bücher. Und alle Kapitel.
    Ohne Staat kann es gar keine geordnete Wirtschaft geben, denn der Staat legt mit seine Gesetze überhaupt erst den Rahmen für die Wirtschaft und deren Geschäfte fest.
    Und der Staat garantiert auch die Eigentum durch seine Verfassung und seine Schutz. Ohne eine Staat und ohne eine Ordnung kommt einfach eine böse Mensch und nimmt ihnen die Eigentu weg. Deshalb haben wir auch keine Wilde Westen mehr!
    Und seid wann leistet der Staat keine Werte? Ist die Sicherheit von die Polizei keine Wert? Ist die Brandschutz von die Feuerwehr keine Wert? Ist die Kindergarten, die Schule, die Universität keine Wert?
    Der Staat leistet ganz viele Dienste. Und dafür zahlt die Bürger die Steuer und Abgaben.

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