Hausdurchsuchung bei Grasser
Finanzminister soll Steuern hinterzogen haben

Der ehemalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser steht unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung. Rund 60 Steuerfahnder haben das Anwesen des Politikers nach Hinweisen durchsucht.
  • 0

WienSchleuste Österreichs oberster Budgetwächter in seiner Amtszeit selbst Millionen am Finanzamt vorbei? Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gab es am Donnerstag umfangreiche Hausdurchsuchungen. Rund 60 Steuerfahnder und Beamte des Bundeskriminalamtes kamen zu Firmen und Anwesen Grassers in Tirol, Kärnten und Wien, berichteten österreichische Medien und die Staatsanwaltschaft. Der einstige Strahlemann der früheren rechtskonservativen FPÖ-ÖVP-Regierung ist nach Angaben seines Anwalts momentan im Ausland.

Gerüchte und Enthüllungen über dubiose Geschäfte Grassers gibt es in Österreich seit Jahren. Als ehemaliger politischer Ziehsohn des Rechtspopulisten Jörg Haider war er von 2000 bis 2007 Finanzminister Österreichs. Trotz zahlreicher Ermittlungen - auch wegen Untreue und Amtsmissbrauchs - ist gegen den glamourösen Ehemann von Kristallerbin Fiona Swarovski (amtlich Fiona Pacifico Griffini-Grasser) bisher keine Anklage erhoben worden. Ende Januar zeigte sich Grasser selbst wegen Steuerhinterziehung an - da ging es aber nur um rund 18.000 Euro.

Nach den neuen Vorwürfen soll er in seiner Zeit als Minister Millionen an Honorarzahlungen am Finanzamt vorbei in Steuerparadiese wie Liechtenstein oder Zypern umgeleitet haben. Nach Informationen der Stadtzeitung „Falter“ soll Grasser über eine komplizierte Stiftungskonstruktion Einnahmen in der Höhe von mehr als vier Millionen Euro verheimlicht haben. Für Beobachter des Falles ist aber die eigentliche Frage, woher Grasser als Finanzminister überhaupt angebliche Millionenhonorare bekam.

Grassers Anwalt Manfred Ainedter betonte am Donnerstag erneut die Unschuld seines Mandanten. Er habe stets alle Unterlagen offengelegt, die Razzien seien ebenso überraschend wie unangebracht, sagte Ainedter der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hausdurchsuchung bei Grasser: Finanzminister soll Steuern hinterzogen haben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%