Hausgemachte Probleme überschatten US-Folgen
Gewitterwolken über Spanien

Gewitterwolken über der iberischen Halbinsel: Nach Ansicht einzelner Analysten wird Spanien zu den Hauptleidtragenden der internationalen Finanzkrise gehören. Dabei zeigte sich das spanische Finanzsystem bisher wenig anfällig. Doch das Land leidet unter einer Reihe hausgemachter Probleme – und die werden durch die Kreditklemme noch verstärkt.

MADRID. Über Spanien brauen sich nach Ansicht einzelner Analysten Gewitterwolken zusammen. Die Iberer, so heißt es, werden zu den Hauptleidtragenden der internationalen Finanzkrise gehören. Dabei haben spanische Banken kaum in zweitklassige US-Hypothekenkredite investiert, und ihre Kreditausfallraten gehören zu den niedrigsten in Europa. Auch den schwachen Dollar und eine US-Rezession muss Spanien nicht groß fürchten, weil mehr als zwei Drittel der Exporte in EU-Länder gehen.

Victorio Valle, Direktor der spanischen Sparkassenstiftung Funcas, spricht von „drei Krisen“, die die spanische Wirtschaft niederdrücken: Ebenso wie die USA und Großbritannien kämpft das Land mit einer Immobilienkrise. Weil das Zinsniveau wegen der internationalen Liquiditätsknappheit hoch ist, werden die ohnehin stark verschuldeten spanischen Haushalte zusätzlich belastet. Dies wiederum macht sich bei der Nachfrage nach Wohnungen bemerkbar: So verzeichnet das nationale Statistikinstitut für Januar 27 Prozent weniger Wohnungsverkäufe als im Vorjahresmonat. Der fallenden Nachfrage steht ein gigantisches Immobilien-Angebot gegenüber, das weiter wachsen wird, obwohl viele neue Bauprojekte inzwischen gestoppt werden. Hochverschuldete Immobilienfirmen bleiben auf ihren Wohnungen sitzen und bekommen plötzlich kein Geld mehr in die Kasse, um ihre Kredite zu bedienen.

Anders als in anderen von der internationalen Finanzkrise betroffenen Ländern komme bei den Iberern noch eine „Krise des Wachstumsmodells“ hinzu, sagt Valle. Bisher sei das Wachstum aus wenigen Quellen gespeist worden, etwa der Bauwirtschaft oder dem privaten Konsum. Die knappen Finanzen der überschuldeten Haushalte machen sich aber nicht nur bei der Wohnungsnachfrage, sondern auch beim Konsum bemerkbar. Der Einzelhandel meldet seit drei Monaten sinkende Umsätze, im Februar lag das Minus zum Vorjahr bei 2,7 Prozent.

Einige Analysten hätten die sinkende Nachfrage zwar als Korrektur vergangener Exzesse begrüßt, erläutert Sparkassen-Ökonom Valle. Aber: „Vielleicht haben die Umstände die Korrektur weiter geführt als wünschenswert wäre.“

Denn leistungsstarke Ersatzmotoren für die Wirtschaft sind nicht in Sicht. Zwar gelang es der Regierung in Madrid bereits, durch Investitionen in Technologie, Infrastruktur und Bildung das Produktivitätswachstum zu steigern, doch stehen die Spanier im internationalen Vergleich noch schlecht da. Im vergangenen Jahr hofften die spanischen Wirtschaftsstrategen noch, dass die Nachfrage aus dem Ausland die Schwäche des heimischen Konsums ausgleichen könnten. Doch die internationale Situation und auch die Preissteigerungen machen diese Hoffnung zunichte. Die Inflation in Spanien liegt etwa einen Prozentpunkt über dem EU-Durchschnitt, was die spanischen Produkte teurer macht.

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