Haushaltsdefizit
Griechenlands Schuldenberg größer als bisher bekannt

Die Defizitquote Griechenlands könnte nach Berechnungen von Eurostat steigen. IWF und EZB bringen längere Tilgungsfristen für Hilfskredite ins Gespräch. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sieht dennoch keine Gefahr für seine Sparziele.
  • 5

ATHEN. Griechenland ist noch höher verschuldet als bisher offiziell bekannt und muss das Haushaltsdefizit für 2009 erneut nach oben korrigieren. Seit Montag prüfen Experten der EU-Statistikbehörde Eurostat in Athen die Bücher. Erneut gibt es Zweifel an der Zuverlässigkeit der von den Griechen vorgelegten Defizitdaten. "Greek statistics" ist inzwischen in Brüssel ein geflügeltes Wort für geschönte Zahlen. Schon ein halbes Dutzend Mal hat Athen die Angaben zum Haushaltsdefizit 2009 korrigieren müssen: von 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf zuletzt 13,8 Prozent.

Aber auch das ist offenbar noch nicht die ganze Wahrheit. Eurostat überprüft jetzt, ob die Defizite der griechischen Staatsbetriebe korrekt verbucht wurden. Nach Informationen aus dem Ministerium könnte die Defizitquote dadurch auf 15,1 Prozent steigen. Eine Korrektur steht auch bei der Staatsverschuldung an: Die Brüsseler Prüfer wollen durchleuchten, ob die damalige konservative Regierung in den Jahren 2005 bis 2008 mit außerbörslichen Termingeschäften (Swaps) Schuldenkosmetik betrieben hat. In Athener Finanzkreisen erwartet man eine Korrektur der Schuldenquote für 2009 von 115 auf 127 Prozent.

Finanzminister Papakonstantinou sagte, er könne die genannten Zahlen "weder bestätigen noch dementieren" und warte jetzt auf die Ergebnisse der Eurostat-Prüfung. Die Finanzplanung 2010 und 2011 werde jedoch durch eine etwaige Revision "nicht aus dem Gleis geworfen". Eine höhere Staatsverschuldung könnte aber die Kreditwürdigkeit des Landes weiter belasten. Schon jetzt ist Griechenland der am höchsten verschuldete Staat der Euro-Zone. Daraus resultieren die im Vergleich zu anderen Euro-Schuldenstaaten deutlich höheren Risikoprämien für griechische Staatsanleihen.

Vor diesem Hintergrund haben jetzt der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, und Lorenzo Bini Smaghi, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), verlängerte Tilgungspläne für die den Griechen gewährten Hilfskredite ins Spiel gebracht. Nach der im Mai zwischen Athen, dem IWF, der EZB und der EU getroffenen Vereinbarung soll Griechenland 2013 mit der Tilgung der auf fünf Jahre gewährten Kredite beginnen. Daraus ergibt sich für die Jahre 2014 und 2015 ein Refinanzierungsbedarf von insgesamt 147 Mrd. Euro, was fast zwei Drittel des aktuellen BIP entspricht. Eine Streckung der Tilgungen könnte diese Spitzen ausgleichen.

Konkrete Pläne für eine Laufzeitverlängerung der Hilfskredite gebe es aber zurzeit nicht, sagte eine IWF-Sprecherin in Washington. Die Bundesregierung sprach sich gegen verlängerte Rückzahlungsfristen aus. Ein solcher Schritt sei "voreilig", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Agentur Bloomberg.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Haushaltsdefizit: Griechenlands Schuldenberg größer als bisher bekannt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • - Mit Lug und Trug die EU-Mitgliedschaft erschwindelt
    - Jahrelang VORSÄTZLiCH (!) falsche Zahlen geliefert
    - EU zum Rechtsbruch ("no-bail-out") genötigt ..
    aber ab jetzt werden wir ehrlich und liefern korrekte Zahlen ...
    Was muß noch passieren, bis unsere Spitzenpolitiker und Spitzenbeamten kapieren, was da auf Kosten der Deutschen Steuerzahler läuft?

  • "Neutraler beobachter" kein anlass ist klein um auf die TR zu hacken? ein schelm der sich was denkt!
    Die schulden lage ist vielfältiger als nur um ein grund zu nennen" Greek statistisc" ist zwar wesentlich, andererseits sind die "chronischen haushalts defizite" und systematischen "steuer betrug" auch nicht zu übersehen,das die GR ihre schulden mit gegenwärtigen gesamt wirtschafts kraft, jemals zurück zahlen können ist ein sehr grosse frage zeichen, woran in den oberen etagen sowieso keiner mehr glaubt.
    Es gilt nur noch system soweit zu schützen damit es nicht zu einem kettenreaktion kommt, das alles auf kosten des EU steuerzahler.

  • Leider wird uns der Hauptgrund der Griechenlandkrise verchwiegen - bedrohung Griechenlands durch die Türkei:

    Die Türken bestehen darauf den gesamten balkan zurückzuerhalten. Sie rüsten auf und haben bereits eine eigene grössere U-boot-Flotte als Grossbritannien oder Frankreich.
    Die Griechen sind davon überzeugt, dass die Türkei sie einnehmen will und sind zur Selbstverteidigungspolitik übergegangen. ihre U-boot-Flotte ist fast so gross wie die türkische. Der Hauptgrund ihrer miserablen Finanzlage sind die Massenankäufe von Kriegsschiffen , Panzern und Jagdflugzeugen.
    Die bRD, Frankreich und Grossbritannien beliefern beide Seiten!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%