Haushaltsprobleme in Saudi-Arabien Mehr Geld für die Königskinder

Eigentlich soll Saudi-Arabien gegen gewaltige Haushaltslöcher massiv ansparen. Doch der IWF warnt davor, so die Konjunktur abzuwürgen. Nun sollen mehr Petrodollars fließen – und die Saudis ihrem Staat beim Tanken helfen.
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Saudi-Arabien: Mehr Geld für die Königskinder Quelle: Reuters
Mohammed bin Salman

Saudi-Arabiens erst 32 Jahre alter Kronprinz Mohammed bin Salman will bis 2030 sein Land völlig unabhängig von der Ölpreis-Konjunktur machen.

(Foto: Reuters)

RiadSaudi-Arabiens Schicksal entscheidet sich an der Tankstelle. Das war einerseits schon immer so. Doch nun ist alles anders. Haben bisher schon die Ölpreise über die Staatseinnahmen der größten Tankstelle der Welt entschieden, so sind es jetzt die heimischen Tanken, die Geld in die Kassen des Königreichs spülen sollen: Am 1. Januar führt die größte arabische Volkswirtschaft erstmals eine Mehrwertsteuer ein – fünf Prozent mehr müssen dann auch auf Benzin gezahlt werden. Die 32,5 Millionen Saudis sollen so gegen die Flaute der Ölexporte antanken – ab Mitte des Jahres sogar die Frauen, die von da an erstmals im bisher erzkonservativen Königreich selbst Auto fahren dürfen.

Wenn Riads Finanzminister Mohammed al-Dschadaan am Montagnachmittag Saudi-Arabiens Staatsbudget für 2018 vorlegt, wird er neben den Erwartungen der Mehrwertsteuereinnahmen auch verkünden, dass der größte Petrostaat der Welt weniger sparen wird als erwartet. 2014 hatte sich im Haushalt des global größten Ölexporteurs wegen der Halbierung der Ölpreise ein gewaltiges Loch aufgetan – das Budgetdefizit erreichte 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Seitdem versucht Riad hektisch, gegen die Krise anzusparen.

Zwar hat sich der Ölpreis mittlerweile bei 60 Dollar pro Fass (159 Liter) stabilisiert, doch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner jüngsten Prognose für Saudi-Arabien errechnet, dass das Land 70 Dollar je Barrel Rohöl erlösen müsste, um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. 2017 war der Haushalt noch mit einem Budgetdefizit von 7,7 Prozent des BIP geplant (52 Milliarden Dollar). Auch weil für das laufende Jahr vom IWF ein Wirtschaftswachstum von nur 0,1 Prozent erwartet worden war. Reduziert werden konnte das gewaltige Haushaltsdefizit nur dank eines Griffs in die damals noch 547 Milliarden Dollar großen Gold- und Währungsreserven.

2018 soll das Wirtschaftswachstum laut IWF immerhin auf schwache 1,1 Prozent steigen. Das mildert den Druck aber nur etwas. Denn einerseits will Saudi-Arabien sein Haushaltsdefizit in den Griff bekommen, zugleich aber auch die von Kronprinz Mohammed bin Salman angekündigten grundlegenden Reformen seiner Vision 2030 mit massiven Investitionen untermauern. Der IWF, der sonst immer zum Sparen gegen Haushaltslöcher aufruft, mahnt zur Zurückhaltung beim Kürzen von Staatsausgaben: Denn werde zu stark gespart, würde die Konjunktur – die ohnehin wegen des relativ niedrigen Ölpreises schwächelt – ganz abgewürgt.

Saudi-Arabien will deshalb sein Ziel, bis 2020 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, um drei Jahre auf 2023 verschieben. Und so längere Zeit weniger als bisher geplant sparen. „Die inzwischen höheren Ölpreise unterstützen die Pläne der Regierung, den Zeitrahmen für einen ausgeglichenen Haushalt zu verlängern“, meint Jean-Michel Saliba, Analyst für die Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrikas (Mena) bei der Bank of America Merrill Lynch.

Für 2018 wird damit gerechnet, dass Finanzminister al-Dschadaan die Staatsausgaben von bisher geplanten 890 auf nun 928 Milliarden Rial (umgerechnet 247,5 Milliarden Dollar) und somit um etwa vier Prozent erhöhen wird. Dies gilt als Antwort auf die IWF-Warnung, nicht zu viel zu sparen.

Saudi-Arabiens erst 32 Jahre alter Kronprinz Mohammed bin Salman will bis 2030 sein Land völlig unabhängig von der Ölpreis-Konjunktur machen durch den Aufbau einer wissensbasierten, konkurrenzfähigen Wirtschaft außerhalb der Ölbranche. Zudem sollen so die vielen jungen Menschen im Land (70 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt) in Jobs gebracht werden und nun auch die bisher zumeist im Haushalt engagierten Frauen auf den Arbeitsmarkt kommen – und Teil des gesellschaftlichen Lebens werden. Dazu sollen sie ab Mitte 2018 selbst Auto fahren dürfen, seit gut zwei Jahren in vielen Bereichen der Wirtschaft arbeiten dürfen und nun auch mit Männern in Stadien und Kinos gehen können.

Wie kompliziert das Manöver Haushalt für Finanzminister al-Dschadaan ist, sagte er dem Handelsblatt am Rande des G20-Finanzministertreffens in diesem Jahr in Baden-Baden. Es gehe nicht nur darum, die Balance zwischen Sparen gegen das Haushaltsloch und Investieren in den Erfolg von Reformen zu wahren. Er muss auch die Folgen des Sparens und die Ziele der Vision 2030, die einen völlig neuen Gesellschaftsvertrag für das Königreich beinhaltet, berücksichtigen.

Privater Konsum ist rückläufig
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4 Kommentare zu "Haushaltsprobleme in Saudi-Arabien: Mehr Geld für die Königskinder"

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  • „… nun auch die bisher zumeist im Haushalt engagierten Frauen auf den Arbeitsmarkt kommen – und Teil des gesellschaftlichen Lebens werden. Dazu sollen sie ab Mitte 2018 selbst Auto fahren dürfen, seit gut zwei Jahren in vielen Bereichen der Wirtschaft arbeiten dürfen und nun auch mit Männern in Stadien und Kinos gehen können.“

    Die Rolle der Frauen in Saudi-Arabien war gestern Abend Thema des „Weltspiegels“:

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/weltspiegel-video-218.html

    Absolut empfehlenswert, da dem Zuschauer hier auf angenehm sachlich-nüchterne Art und Weise zugleich viele wertvolle Hintergrundinformationen über die dortige Gesellschaft als Ganzes vermittelt werden.

  • Haha!!!

    Der IWF und sparen :)))...

    Ein frei erfundener Witz und Realität zugleich:

    Wann kommt der IWF und sagt dass die USA Pleite sind?
    Niemals.

  • Es hat echt was von Comedy... aber fasst auch die wirtschaftspolitische Debatte bei uns schön zusammen.

    Der IWF sagt vollkommen richtig, dass man auf die Defizite achten muss. In dem Moment, in dem man an die sinnlosen Ausgaben rangeht (hier: Geld in den Hint... der Prinzen), geht der Lobby-Zeigefinger hoch (Banker, Prinzen, etc)! Der erklärt dann, dass es im Allgemeinwohl wäre, dass der Prinz weiter Geld verprassen kann (wegen der Konjunktur). Darum sollen alle Saudis jetzt mehr Steuern zahlen...

    Und das natürlich nur im Sinne der Stabilität! (gröhl) Dazu bedient man sich dann sogar ein paar linker Geldtheoretiker, die einem dann erklären dass Defizit wäre gar kein Problem und gegen die wachsende Ungleichheit (Prinz gegen tankenden Saudi) müsse etwas getan werden... hm... man muss dem Prinzen nur mehr Geld geben (drucken)... natürlich für den Gemeinnutzen....

    Ach ja... alle die meinen der Prinz könnte mal etwas kürzer treten: unmoderne, idiotische Kleingeister. Ihr versteht es einfach nicht! Ihr seid dann schuld wenn es zu Krisen kommt!!!

  • Der Satz....

    "Lag der Benzinpreis 2011 noch umgerechnet bei zwei Cents, so kostet ein Liter Kraftstoff jetzt 25 Cents und in Kürze sogar 50 Cents. Auch das vielleicht ein Grund für den schlechteren Absatz von Porsches, Audis und BMWs in Saudi-Arabien."

    In Saudi Arabien sind vor allem grosse SUV, Dodge Ram, Ford L, GMC, Toyota Landcruiser mit V8 populär. Diese verbrauchen bei unstetiger, zügiger Fahrweise gerne 30 - 35 L/100 Km. Mickrige sehr teure Autos sind auch aufgrund der grossen Familien weniger populär. Der Grund, dass die teuren Autos weniger Absatz finden ist vor allem der, dass das Geld für den Kaufpreis knapp ist.

    Ein horrender Benzinpreis von 25c/L wird vermutlich eine Verschiebung zu günstigeren koreanischen und japanischen Autos bewirken.

    Der Gedankengang der Menschen in den Staaten des Mittleren Ostens ist, dass die Herrscher das Volk über günstige Energiepreise an den Schätzen des Landes teilhaben lassen. In anderen Staaten des Nahen Ostens haben solche Benzinpreiserhöhungen zu Volksaufständen geführt. Mal schauen, ob sich die Saudis das gefallen lassen.

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