Haushaltssanierung
Athen verlängert die Frist für Schuldenrückkauf

Griechenland will noch noch weitere Anleihen von Investoren annehmen können - und verlängert die Frist für den Rückkauf der Schulden. Dabei sagte Ministerpräsident Antonis Samaras, der Rückkauf laufe sehr gut.
  • 37

Athen/MünchenGriechenland hat sein Schuldenrückkaufprogramm bis Dienstag verlängert, um noch weitere Anleihen von Investoren annehmen zu können. Das teilte die Schuldenagentur des Landes am Montag mit. Ursprünglich sollte die Andienungsfrist für Anleihen bereits am Freitag auslaufen.

Noch am Samstag hatte ein Regierungsvertreter erklärt, dem Land seien zu den gebotenen Rückkaufpreisen von rund 30 bis rund 40 Cent je Euro Anleihen-Nennwert Staatspapiere in der groben Größenordnung von rund 30 Milliarden Euro angeboten worden. Die griechische Zeitung "Ta Nea" berichtete dagegen, der Regierung seien bis Ende vergangener Woche doch nur Anleihen im Umfang von 26 bis 27 Milliarden Euro angeboten worden. Da dies unter der angestrebten Marke von 30 Milliarden Euro liegt, will die Regierung die Bücher nun noch einmal öffnen, um die fehlenden drei bis vier Milliarden Euro auch noch einzuspielen.

Griechenland will mit gut zehn Milliarden Euro Anleihen im Umfang von rund 30 Milliarden Euro zurückkaufen. Damit würde das Land auf Basis der gebotenen niedrigeren Rückkaufkurse seinen Schuldenberg um knapp 20 Milliarden Euro verringern.

Mit dem Schuldenrückkauf und einem neuen Steuergesetz, das am Dienstag verabschiedet werden soll, will Griechenland die Voraussetzung für die Freigabe einer neuen Tranche der Hilfsgelder schaffen. Griechenland hofft auf weitere 34 Milliarden Euro.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2012

in Mrd. Euro


Der Schuldenrückkauf läuft laut Ministerpräsident Antonis Samaras sehr gut. Er werde am Montag oder Dienstag das abschließende Ergebnis der groß angelegten Aktion zur Verringerung der griechischen Staatsschulden erhalten, sagte er laut einem Bericht des staatlichen Fernsehsenders NET am Sonntag bei einem Besuch in München. Samaras war mit seinem Finanzminister Yannis Stournaras nach Bayern gereist und hatte dort Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) getroffen. Das Abendessen zwischen Samaras und Seehofer fand vor dem Hintergrund massiver Angriffe aus der CSU im vergangenen Sommer auf Griechenland statt. Die Christsozialen hatten einen Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone gefordert, Bayerns Finanzminister Markus Söder forderte, an Athen ein Exempel zu statuieren. Im Bundestag trug die CSU allerdings stets die Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit, Griechenland in der Eurozone zu halten.

Nun sagte Seehofer, er wolle den Blick nur in die Zukunft richten. Griechenland habe eine Reihe von Reformen konkret angepackt. "Deshalb haben wir jetzt eine Situation, wo wir gut zusammenarbeiten können. Die Gegenwart passt durch die Maßnahmen und die Zukunft ist jetzt gut eingeleitet."

Beide Länder vereinbarten eine stärkere Zusammenarbeit. Auf Ministerebene und zusammen mit der privaten Wirtschaft sollten die bayerisch-griechischen Netzwerke gestärkt werden, kündigte Seehofer an. Er wird außerdem im Mai oder Juni Griechenland bereisen, Samaras lud ihn zu diesem Besuch ein. Auch Samaras wollte nicht weiter auf die Angriffe aus der CSU eingehen: "Das Einzige, worauf ich blicken möchte, ist das Morgen."

Seehofer legte vor dem Gespräch viel Wert auf die Feststellung, dass die Beziehungen Bayerns zu Griechenland traditionell gut seien. Er empfing seinen Gast mit allen Ehren des bayerischen Protokolls. Livrierte Kellner trugen das Vier-Gänge-Menü für das Abendessen auf, das von einer Ochsenschwanzsuppe über Zander zu bayerischer Hofente reichte. Zur Nachspeise gab es handgezogenen Apfelstrudel mit Eis von griechischem Joghurt - auch der Küchenchef tat alles für ein friedliches Miteinander von Bayern und Griechen.

 


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Haushaltssanierung: Athen verlängert die Frist für Schuldenrückkauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ein toller Erfolg dieser Rueckkauf - Aktion. Griechenland hat ca.300 Mrd.Euro an Schulden, davon wurden ca.30 Mrd Euro zurueck gekauft, bleiben dann aber immer noch ca. 270 Mrd Euro an Schulden offen.Man tut grade so als sei das Schuldenproblem geloest, alle sind hoch erfreut.
    Wieso wendt man diese Prinzip nicht bei Deutschen Pleite Firmen an, wo es doch so hoch gelobt wird von den Eu-Finanzministern.

  • ...der Rückkauf läuft sehr gut.
    Schlichtweg gelogen. Sie haben ihr Ziel nicht erreicht und verlängern.
    Immer hübsch bei der Wahrheit bleiben.

  • Der Rückkauf laufe sehr gut...hahahahaha...leider wohl nur mit griechischen Banken. Da wird auch eine Verlängerung der Rückkauffrist nichts ändern....wer ist auch so blöd und verkauft billiger als er muss?
    Man kann das Ganze auch als Insolvenzverschleppung in ganz großem Stil bezeichnen. Und eigentlich ist es schon ein Verbrechen, daß so etwas zugelassen und unterstützt wird.
    Jeder Unternehmer in Deutschland käme für dergleichen hinter schwedische Gardinen und im Falle Griechenland werden auf einmal kriminelle Sachverhalte legalisiert. Schönes EUROPA, das einem da vorgegaukelt wird, wo Recht und Gesetz so verbogen werden, wie es den EURO-Pfuschern gerade am besten passt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%