International
Heftige Ausschreitungen vor G-8-Gipfel

Kurz vor Beginn des G-8-Gipfels in Schottland ist es zu den ersten Krawallen gekommen. Vermummte Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten erließen vorübergehend sogar ein Demonstrationsverbot.

HB GLENEAGLES. Die Ausschreitungen begannen bereits in der Nacht, als mehrere hundert G-8-Gegner versuchten, bis zum Schauplatz des Politikertreffens, dem Luxushotel Gleneagles, vorzudringen. Die Polizei hielt sie zurück und nahm bis zu 70 Leute fest.

Am Morgen brachten die G8-Gegner, die von der Polizei der linksautonomen Szene zugerechnet wurden, den Verkehr auf vielen wichtigen Straßen im Raum Edinburgh zum Erliegen. Sie bildeten Menschenketten über Straßen, errichteten Barrikaden, setzten sich auf Gleise und legten sich vor Busse. Vermummte Randalierer demolierten mit Steinen und Eisenstangen Autos und Geschäfte und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei.

Einigen der G-8-Gegnern gelang es sogar, bis zum dem acht Kilometer langen Sicherheitszaun vorzudringen, den die Polizei um das Gelände von Gleneagles errichtet hatte. Busse mit anreisenden Journalisten benötigten vier Stunden bis zum Gipfelort, weil sie immer wieder von Demonstranten aufgehalten wurden. Augenzeugen sprachen von anscheinend gut geplanten Aktionen. Wenn die Polizei die eine Straße freigeräumt hatte, errichtete einer der kleinen Trupps schon wieder ein Hindernis an anderer Stelle.

Der Chef der schottischen Regionalregierung, Jack McConnell, sprach von „Gangstertum“. Unter den Demonstranten befinde sich ein harter Kern von Krawallmachern unter anderem aus Spanien, Italien, Deutschland und England, sagte er.

Auch Bob Geldof, der Initiator der Live-8-Konzerte vom vergangenen Samstag, verurteilte die Zusammenstöße. Er hatte für diesen Mittwoch zu einer Demonstration von einer Million Menschen in der schottischen Hauptstadt Edinburgh aufgerufen, doch es kamen bloß etwa 300 Leute.

Am Nachmittag marschierten etwa 4000 Globalisierungskritiker durch das Dorf Auchterarder in der Nähe von Gleneagles. Einer der Teilnehmer, der Unterhausabgeordnete George Galloway, sagte, die „wahren Kriminellen“ säßen auf der anderen Seite des Sicherheitszaunes.

Die Demonstranten kritisierten das Vorgehen der Polizei. Britische Polizisten hätten nicht so viel Erfahrung mit Demonstrationen wie etwa die deutsche Polizei, sagte Philipp Hersel, Sprecher von Attac, einer Organisation von Globalisierungskritikern: „Normale britische Polizisten sind es nicht gewohnt, Demonstranten wegzutragen.“ Das führe leicht zu „Überreaktionen“.

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