Heftige Explosion erschüttert Bagdad
Saddam-Vize soll Anschläge organisieren

Einer der von den US-Truppen meistgesuchten Iraker soll hinter den Anschlägen im Zweistromland stecken. Der frühere irakische Vizepräsident, General Isset Ibrahim el Duri, organisiert nach Informationen des Nachrichtensenders CNN Anschläge im Irak. Dies hätten Befragungen irakischer Gefangener ergeben, berichtete CNN unter Berufung auf Informationen aus dem Pentagon.

HB BAGDAD. Am Donnerstagabend erschütterte eine heftige Explosion die irakischen Hauptstadt Bagdad . Nach Angaben von Augenzeugen wurden mindestens ein Zivilist getötet und mehrere Menschen verletzt. Die Feuerwehr bemühte sich, einen Großbrand zu löschen, der nach der Explosion in der Innenstadt ausgebrochen war. Über dem Explosionsort kreisten US-Kampfhubschrauber; in dem Viertel waren Schüsse zu hören.

Isset Ibrahim el Duri ist auf der amerikanischen Liste der meistgesuchten Iraker die Nummer 6. Der Vize-Chef des Revolutionären Kommandorats und Kommandeur der irakischen Nordarmee stammt wie Saddam aus Tikrit und gilt als dessen enger Vertrauter. Er soll sich aber zur Zeit nicht an dem selben Ort wie Saddam versteckt halten.

Aus dem Untergrund kondolierte Isset Ibrahim el Duri im Juli Saddam Hussein zum Tod seiner beiden erschossenen Söhne Udai und Kusai. Er werde nicht eher ruhen, bis diese gerächt seien, versicherte Isset Ibrahim el Duri, der Saddams größter Bewunderer, treuer Erfüllungsgehilfe und Ja-Sager in Personalunion gewesen ist. „Selbst Deine Fehler sind richtig“, sagte er einmal in aller Öffentlichkeit zu seinem Präsidenten.

Als Stellvertreter des irakischen Machthabers im Revolutionären Kommandorat und der Baath-Partei gehörte er zum innersten Führungszirkel im Vorkriegs-Irak. Der 61-jährige steht aus gutem Grund an sechster Stelle auf der US-Liste der meistgesuchten Iraker: Wenn es zur Sache ging und politische Gegner mit brutaler Gewalt ausgeschaltet wurden, zog auch Isset Ibrahim bei Hinrichtungen die Pistole.

Nach den jüngsten Selbstmordanschlägen haben US-Truppen am Donnerstag in Tikrit mehrere Häuser durchsucht und Verdächtige verhaftet. Diese hätten offenbar versucht, „ein neues terroristisches Netz“ zu errichten, teilte Oberstleutnant Steve Russell mit. Tikrit liegt rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad; die Geburtsstadt des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein gilt als Hochburg der Aufstandsbewegung gegen die amerikanischen Besatzungstruppen.

Offenbar wollen die USA jetzt im Irak neue Prioritäten setzen. Einige Einheiten in Irak seien bereits von bisherigen Aufgaben abgezogen worden, um den Kampf gegen die Aufstandsbewegung zu verstärken, teilte Pentagon-Sprecher Lawrence Di Rita am Mittwoch in Washington mit. Außerdem wird in Washington darüber diskutiert, ob ein Teil der 1 400 Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter, die bisher erfolglos nach Massenvernichtungswaffen in Irak suchen, sich der Fahndung nach den Verantwortlichen der Anschläge anschließen sollten.

Das US-Militär räumte unterdessen ein, dass sich die Zahl der Angriffe auf die ausländischen Soldaten im Irak erhöht hat. In den vergangenen 24 Stunden hätten die Koalitionstruppen 32 Angriffe auf ihre Soldaten gezählt, hieß es. Auch in den vergangenen sieben Tagen habe es durchschnittlich 33 Angriffe pro Tag gegeben. Noch vor einer Woche waren es am Tag 20-25 Attacken gewesen.

Nach dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen sind mittlerweile mehr US-Soldaten getötet worden als im Irak-Krieg selbst. Wie das Pentagon mitteilte, stieg die Zahl der bei Kampfhandlungen getöteten US-Soldaten seit Anfang Mai auf 117. Im Krieg waren bei Kämpfen 114 US-Soldaten getötet worden.

Unterdessen ist der US-Kongress nach wochenlangen Debatten in der Frage der Irak-Hilfe auf den Kurs des Weißen Hauses eingeschwenkt. Wie die „Washington Post“ am Donnerstag berichtete, stimmten führende Senatoren in einem Ausschuss dafür, dem Irak eine Aufbauhilfe in Höhe von 18,4 Milliarden Dollar zu gewähren, die nicht zurückgezahlt werden muss. Der Senat hatte ursprünglich die Hälfte des Geldes als Darlehen gewähren wollen. Das Weiße Haus hatte sich jedoch entschieden gegen Darlehen ausgesprochen, da es befürchtet, dies könne im Ausland einen schlechten Eindruck machen und andere Länder davon abhalten, Hilfe zu gewähren. Präsident George W. Bush hatte sogar gegen das von ihm eingebrachte Hilfspaket mit einem Veto gedroht, sollte die Hälfte des Geldes nur als Darlehen gewährt werden.

Am Donnerstag ging der Exodus internationaler Hilfsorganisationen aus Bagdad weiter. Die Vereinten Nationen kündigten an, bis auf weiteres alle Mitarbeiter aus der irakischen Hauptstadt abzuziehen. Die UN-Vertreter seien zu Gesprächen über die Zukunft ihres Einsatzes abberufen worden, teilte UN-Sprecherin Marie Okabe in New York mit. Das Internationale Rote Kreuz erklärte am Donnerstag, es werde in Kürze entschieden, wie viele der 30 ausländischen Mitarbeiter das Land verlassen.

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