Heftige Kämpfe in Kobane
USA greifen weitere IS-Stellungen an

Das US-geführte Militärbündnis hat offenbar Kampfmaterial der Dschihadisten-Miliz IS zerstört. Derweil ist der türkische Staatschef Erdogan besorgt um 40 Soldaten, die in Syrien eine ganz besondere Aufgaben haben.
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BeirutNahe der umkämpften syrischen Stadt Kobane hat das US-geführte Militärbündnis erneut Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) angegriffen. Nach übereinstimmenden Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und eines Augenzeugen in Kobane richteten sich die Angriffe in der Nacht zu Samstag gegen mindestens vier Ziele im Süden und Osten der Stadt an der Grenze zur Türkei.

Laut der Beobachtungsstelle wurde dabei Kampfmaterial des IS zerstört. Berichte über Tote lagen zunächst nicht vor. Die IS-Kämpfer haben die auch Ain al-Arab genannte Stadt im syrischen Kurdengebiet umstellt. Sowohl die Beobachtungsstelle als auch der Aktivist Mohammed Ebdi in Kobane zählten am Freitag mindestens 80 Geschosse, die die IS-Kämpfer auf die Stadt feuerten.

Eine IS-Offensive zur Einnahme der Stadt sei am Abend aber von kurdischen Kämpfern und deren arabischen Verbündeten abgewehrt worden, sagte Ebdi. Am Samstagmorgen gab es erneut Anzeichen heftiger Kämpfe in Kobane.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan warnte am Samstag die Dschihadisten vor einem Angriff auf das Grabmahl von Suleiman Schah. Das Mausoleum für den Großvater von Osman I., dem Begründer des Osmanischen Reichs, liegt in Syrien, gehört aber zum türkischen Territorium und wird von 40 türkischen Soldaten bewacht.

„Wenn man unseren Soldaten auch nur ein Haar krümmt, wird die Türkei mit ihrer Armee das Notwendige tun und schlagartig wird sich alles ändern“, sagte Erdogan. Das Parlament in Ankara hatte die Regierung am Donnerstag ermächtigt, mit ihrer Armee auf syrisches und irakisches Territorium einzumarschieren.

Erdogan forderte erneut die Einrichtung einer Schutzzone für Flüchtlinge innerhalb Syriens. Insgesamt flohen mehr als 1,5 Millionen Menschen vor dem Bürgerkrieg in Syrien in die Türkei. Nach Angaben der türkischen Regierung flüchteten allein knapp 190.000 Menschen binnen weniger Tage vor dem IS-Vormarsch auf Kobane in die Türkei.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die US Regierung und ihre Verbündeten haben begonnen, einseitig Ziele in Syrien zu bombardieren – ohne entsprechendes Mandat der Vereinten Nationen!

    Washington tut sich mit barbarischen regionalen Regimen zusammen, die den "Islamischen Staat" erschufen, und greift Syrien ohne Uno Zustimmung an!

    Anders als bei anderen Feldzügen, bei denen es einzig um militärische Eroberungen ging, bemühen sich Washington dieses Mal offenbar nicht einmal mehr, den Schein zu wahren und sich die Zustimmung der Uno einzuholen.

    Moralische und rechtliche Rechtfertigungen bleiben völlig außen vor.

    Stattdessen werden wie mit der Schrotflinte zahlreiche Vorwände für die Aggression in den westlichen Propagandamedien gestreut.
    Alle Argumente sind gleichermaßen unglaubwürdig und viele widersprechen sich auch, aber vielleicht kommt man ja mit einem durch.

    Viel wurde über das Vorgehen Russlands in der Ukraine geklagt und lamentiert. "Internationale Normen" und Völkerrecht würden verletzt, hieß es in den westlichen Propagandamedien.

    Jetzt hat Washington ganz klar gegen Völkerrecht verstoßen, zu deren Einhaltung sie den Rest der Welt zwingen, indem sie mit Sanktionen, Unterjochung und der Anwendung militärischer Gewalt drohen.

    Und was sagen die westlichen Propagandamedien?

    Nichts!

    Ohne auch nur das winzigste Feigenblatt der Legalität oder Legitimität, dafür mit verbrecherischen Regimen an ihrer Seite, hat Washington die sogenannte "internationale Ordnung" wieder untergraben, die sie doch nach eigener Lesart erst erschaffen haben und über deren Einhaltung sie wachen.

    So wie Adolf Hitler bei der Eroberung Europas das vorgeschobene Argument der "Selbstverteidigung" fallen ließ, hat Obama nun bei seinem Streben nach Weltherrschaft den internationalen Konsens und die internationale "Rechtsstaatlichkeit" fallen lassen.

    Was nun folgt, ist eine sehr einseitige Auseinandersetzung zwischen dem nackten imperialen Eroberungswillen des Westens und allen, die dem Westen dabei im Weg stehen.

  • Erst einmal Respekt den Kurden, es zeigt sich wie vermutet, daß im Kampf Mann gegen Mann, die Moral der bessere Kämpfer ist. IS konnte bisher mit technsicher Überlegenheit vordringen, doch jetzt zeigt sich wer der bessere Kämpfer ist! Sowieso ein großer Teil der IS-Kämpfer, ein Haufen von internationalen Loosern, die dort ihren Frust los werden können, aber das rächt sich jetzt!
    Die Türken spielen wie vermutet ein perfides Spiel – a la Stalin – greife nicht ein, obwohl sie mit ihren Kräften, insbesondere gepanzerte, schnell die Artillerie der IS ausschalten könnten. Die agieren nach dem Motto, erst einmal ausbluten lassen – sind ja eigentlich unser Hauptproblem die Kurden – um dann die kurdische Region besser unter Kontrolle zu bekommen!

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