Heikle Asienreise
Keine Spur von „Obamania“

Die erste Fernostreise von US-Präsident Barack Obamas scheint unter keinem günstigen Stern zu stehen. Wegen der Trauerfeierlichkeiten nach dem Blutbad in Fort Hood wurde sie um einen Tag verschoben. Japans Regierung hat mit Verständnis reagiert. Aber auch dem Weißen Haus ist klar, dass sich solche kurzfristigen Planänderungen niemals positiv auf die Atmosphäre auswirken. Dabei erwarten Obama auf allen Stationen seiner an diesem Donnerstag beginnenden neuntägigen Reise ohnehin heikle Themen.
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HB WASHINGTON. Auch ist die Begeisterung über den ersten schwarzen Präsidenten der USA in Japan, Singapur, China und Korea längst nicht so groß wie in Europa. Von „Obamania“ keine Spur.

Das Weiße Haus erwartet von der Reise „in die stärkste Wachstumsregion der Welt“ auch keine konkreten Ergebnisse, wie etwa die Aufhebung von Exporthindernissen für US-Autos in Südkorea oder besseren Zugang für US-Waren in China. Viele Asienexperten in den USA sind skeptisch, ob der innenpolitisch unter Druck stehende Obama etwas gegen den Eindruck tun kann, dass die USA in Asien seit einem Jahrzehnt an Einfluss verlieren, Chinas Macht dagegen wächst. Dies geben selbst Obama-Berater in Hintergrundgesprächen zu.

Dabei soll der Trip „den Führungsanspruch der USA in der pazifischen Region unterstreichen“, sagte der Redenschreiber Obamas, Ben Rhodes. Niemand sei dazu besser geeignet als Obama, der erste US- Präsident mit „wahrhaft pazifischer Orientierung“ - schließlich sei er in Hawaii und Indonesien aufgewachsen. Obama hat die Region jedoch bisher vernachlässigt: In seinen ersten zehn Amtsmonaten war er zwar viermal in Europa, aber - abgesehen von der Türkei und dem Irak - kein einziges Mal in Asien.

Im Zentrum der Reise Obamas steht der Besuch in China, dem größten Kreditgeber der USA. Peking habe ein gewichtiges Wort bei allen brisanten internationalen Themen mitzureden, wie der Erholung der Weltwirtschaft, dem Klimaschutz, den Nuklearbestrebungen Nordkoreas und des Irans sowie der Stabilisierung Afghanistans und Pakistans, betonte der Ostasienexperte des Weißen Hauses, Jeffrey Bader. „Bei keinem dieser Themen können wir ohne die Zusammenarbeit mit China erfolgreich sein.“ Allerdings blieben auch weiterhin Differenzen, schließlich „sind wir in mancher Hinsicht auch Konkurrenten“.

Obama will in China zwar auch über die strittige Währungsfrage sprechen, denn Washington hält den chinesischen Yuan für massiv unterbewertet. Außerdem werde der Präsident die Themen Menschenrechte und Tibet ansprechen, hieß es. Aber das Weiße Haus macht sich keine Illusionen, dass Obama bei seinen Gesprächen mit Präsident Hu Jintao etwas erreichen könnte. Das Treffen mit jungen Chinesen in Shanghai werde zumindest die Popularität Obamas in China etwas erhöhen, hoffen seine Berater.

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