Heimliche Fotos
Upskirt-Urteil sorgt für Prinzipienstreit

Der US-Bundesstaat Massachusetts hat ein Gesetz durchgepeitscht, das Fotos oder Videoaufnahmen unter Röcke verbietet. Einige hoffen auf mehr Privatsphäre, andere beklagen eine Einschränkung ihrer freien Meinungsäußerung.
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New YorkSie sind einfallsreich: Die Videokameras werden in tiefhängenden Sporttaschen unauffällig mit sich getragen, in der Oberseite ist ein kleines Loch für das Objektiv. Drahtlose Kameras werden in leeren Coladosen auf dem Boden vor Geldautomaten, in Umkleidekabinen oder Foto-Automaten versteckt, das Objektiv nach oben gerichtet. Beliebt ist auch der schnelle Klick mit dem Smartphone auf der Rolltreppe nach oben unter den Rock der Vorderfrau. So genannte „Upskirt“-Fotos haben im Internet eine feste Stammkundschaft.

Für die Belieferung mit frischem Material sah sich auch ein Mann aus Massachusetts zuständig, bis er 2010 in einer Undercover-Aktion in der U-Bahn von Boston auf frischer Tat ertappt wurde. Er versuchte, eine Polizistin, die als Lockvogel mitfuhr, zu fotografieren. Das folgende Gerichtsverfahren zog sich quälend lange hin, in erster Instanz wurde der Spanner verurteilt, aber vergangene Woche in der Revision freigesprochen.

Die Begründung der Richter: Das existierende Gesetz verbietet Fotos von nackten oder halbnackten Menschen ohne deren Wissen oder Zustimmung. Aber es greife hier nicht. Schließlich waren die Opfer bekleidet. Der Beklagte konnte sich somit auf sein Verfassungsrecht der „Free Speech“, der freien Meinungsäußerung, berufen, das in den USA einen hohen Stellenwert genießt. Das ist wichtig für eine Demokratie, für eine freie Presse und auch Äußerungen im Internet, kann aber manchmal eben auch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

Was vergangenen Mittwoch noch legal war, ist jetzt jedoch unterbunden. Das neue Gesetz stellt „das Fotografieren, die Videoaufzeichnung oder die Überwachung“ der intimen Körperbereiche einer Person unter Strafe, auch wenn diese Bereiche „bekleidet sind oder eine vernünftig denkende Person annimmt, dass diese intimen Körperteile nicht den Blicken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten“.

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