Heiße Wahlkampf-Phase hat begonnen
Italien steht vor spannendem Zweikampf

In etwas mehr als drei Monaten werden die Italiener entscheiden, ob Silvio Berlusconi das Land weiter regieren soll oder nicht.

MAILAND. „Sind Sie an Informationen interessiert?”, fragt der korrekt gescheitelte junge Mann mitten im Gewühle des Wochenmarkts. In der Hand hält er Flyer der Partei Forza Italia mit der italienischen Fahne auf saftig blauem Hintergrund; das Gesicht des Premiers Silvio Berlusconi strahlt dem Leser entgegen. Es ist Wahlkampf in Italien. Berlusconi und sein Herausforderer Romano Prodi rüsten sich für den Urnengang am 9. April. Noch etwas mehr als drei Monate, dann werden die Italiener entscheiden, ob Berlusconis Mitte-rechts-Bündnis „Haus der Freiheiten“ das Land weiter führen soll – oder ob ein vom früheren EU-Kommissionschef und Ex-Premier Prodi geführtes Bündnis aus Sozialdemokraten, Kommunisten und Moderaten den Wechsel bringt.

In fast allen Umfragen liegt der Linkskatholik Prodi mit deutlichem Abstand vorne. Vor allem die Schwäche der italienischen Wirtschaft macht dem Regierungsbündnis zu schaffen. Immer mehr Unternehmensführer, die lange zu Berlusconis Anhängern zählten, wenden sich von dem Premier ab. Offiziell geht der Wahlkampf erst im Januar in die heiße Phase. Doch schon jetzt hat vor allem Berlusconis Forza Italia die Straßen im ganzen Land mit Plakaten gepflastert: „Italien heute: Stark in Europa, respektiert in der Welt“, heißt es da. Oder: „Steuern – wir haben sie wirklich gesenkt“.

In seinem Wahlkampf kann der Medienprofi und reichste Mann Italiens nicht nur auf große finanzielle Ressourcen bauen, sondern auch auf das Fernsehen, das er fast komplett kontrolliert. Berlusconi gehören die drei größten privaten TV-Sender des Landes, und als Regierungschef kontrolliert er de facto auch das Staatsfernsehen Rai.

Wie sehr Berlusconi das Fernsehen dominiert, stellte er erst am Freitag vor Weihnachten unter Beweis: Am 23. Dezember übertrug Rai Uno statt der viel beachteten Mittagsnachrichten eine Pressekonferenz des Premiers, allen Protesten der Redaktion zum Trotz. Mit zweieinhalb Stunden überzog der Regierungschef die vorgesehene Sendezeit von einer Stunde klar – und nutzte das Forum für seinen Wahlkampf. „Wir werden den gesamten Januar dafür verwenden, den Italienern zu kommunizieren, was wir getan haben. Und die kommenden zwei Monate werden ganz auf die Zukunft gerichtet sein: Auf das, was wir machen werden, und das, was passieren könnte, sollte unglücklicherweise die Linke gewinnen.“

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