Helfer Saddams
„Dr. Keim“ und „Frau Milzbrand“ kommen frei

Zweieinhalb Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins sind hochrangige Funktionäre seines Regimes wieder freigelassen worden. Darunter sind offenbar auch zwei berüchtigte Wissenschaftlerinnen.

HB BAGDAD. Rechtsanwalt Badia Aref sagte am Montag, seine Mandantin Rihab Taha, in den Medien als „Doktor Keim“ bekannt geworden, stehe auf einer Liste freizulassender Häftlinge. Das gelte zudem für Huda Ammash alias „Frau Milzbrand“. Auch eine Freilassung des früheren Vizeministerpräsidenten Tarek Asis werde erwogen. Taha und Ammash waren im Mai 2003 kurz nach dem Sturz Saddams verhaftet worden. Laut Anwälten ist Ammash an Krebs erkrankt. Gegen sie und Taha läge nichts vor. Ob die beiden Frauen bereits aus dem US-Gefängnis am Flughafen von Bagdad freigekommen sind, ließ er offen. Dort ist auch Saddam interniert, dem derzeit der Prozess gemacht wird.

Ein US-Militärsprecher erklärte, bereits am Samstag seien acht hochrangige Personen aus dem Führungszirkel der gestürzten irakischen Regierung freigekommen. Sie gehörten zu 27 prominenten Gefangenen, gegen die keine Anklage vorliege. Aref sprach von 26 Häftlingen. Darunter sei auch der ehemalige Geheimdienstchef Ibrahim al-Ani.

Ammash war die einzige Frau, die auf der US-Fahndungsliste der 55 meistgesuchten Mitglieder von Saddams Führungsriege stand. Tahas Name fand sich hingegen nicht auf der Fahndungsliste. Sie galt der US-Regierung jedoch als Leiterin des irakischen Bio-Waffenprogramms. Sie hat zugegeben, biowaffentaugliches Material hergestellt zu haben. Jedoch seien die Bestände lange vor der US-geführten Invasion im Irak zerstört worden.

Die Berichte über die Freilassung der prominenten Gefangenen kommen nur wenige Tage nach einer Rede von US-Präsident George W. Bush, in der er offen eingestand, dass er vor dem Einmarsch in den Irak unzutreffende Geheimdienstinformationen über ein angebliches Waffenprogramm Saddams erhalten habe.

Zudem war am Donnerstag das erster reguläre Parlament Iraks gewählt worden, wobei erstmals auch die von Saddam geförderten Sunniten in großer Zahl beteiligt hatten. Die Freilassung könnte nach Ansicht Arefs daher eine Konzessionsentscheidung sein, um die Spannungen im Irak zu verringern, der von einem hauptsächlich von Sunniten getragenen Aufstand erschüttert wird.

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