Helle Thorning-Schmidt Selfie mit „Gucci-Helle“

Helle Thorning-Schmidt kämpft bis zur letzten Minute. Denn sie will dänische Ministerpräsidentin bleiben. Dafür tourt sie auch per Bus und Bahn durchs Land. Doch die Sozialdemokratin ist in ihrem Land umstritten.
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Kopf-an-Kopf-Rennen in Dänemark

StockholmDie Anspannung war ihr ins Gesicht geschrieben: Helle Thorning-Schmidt wusste genau, dass es 24 Stunden vor Schließen der Wahllokale in Dänemark um alles ging. Beim letzten TV-Duell zwischen ihr und ihrem Herausforderer Lars Løkke Rasmussen am Mittwochabend sollten die letzten unentschlossenen Wähler überzeugt werden. Immer wieder wirkte die amtierende Ministerpräsidentin nervös und manchmal sogar ein wenig arrogant, wenn sie die Ausführungen von Løkke Rasmussen mit einem kalten Lächeln abtat. Der rechtsliberale Løkke Rasmussen, der bis vor wenigen Wochen als klarer Sieger galt, versuchte dagegen, den Staatsmann herauszustellen – seriös, überlegt und milde lächelnd. Als er dann sein Rednerpult plötzlich verließ und Thorning-Schmidt in der live übertragenen Debatte einen Brief überreichte, „mit den Wahrheiten unserer Politik“, wie er sagte, kam noch einmal so etwas wie Stimmung in der ansonsten drögen Vorstellung auf. Thorning-Schmidt nahm das Dokument entgegen – wortlos überrascht. Sie hatte am Vortag an rund eine halbe Million Dänen einen Brief verschickt, in dem sie dem politischen Gegner vorwarf, kein Geld für die Alten- und Krankenpflege reservieren zu wollen. „Das ist eine direkte Lüge“, erklärte Løkke Rasmussen, „deshalb habe ich in meinem Brief an Dich die Wahrheit unserer Politik aufgeschrieben“.

Für die Sozialdemokratin geht es um nicht weniger als ihr politisches Überlegen. Deshalb lieber nichts sagen als etwas Falsches, dachte sie sich vermutlich. Jeder fünfte Däne weiß noch nicht, wie er am Donnerstag wählen wird. Und alle Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Der von den Sozialdemokraten angeführte „rote Block“ kommt danach auf 49,5 Prozent der Stimmen, Røkke Rasmussens bürgerlicher „blauer Block“ auf 50,5 Prozent. Das wäre ein Vorsprung von nur einem Mandat.

Noch ist also alles offen, und die 48-jährige Thorning-Schmid weiß sehr wohl, dass der nur dreiwöchige Wahlkampf bis zum Schließen der Wahllokale um 20 Uhr noch weitergeht. Und deshalb wird sie weitere Rosen an vorbeieilende Passanten in Kopenhagen verteilen – so, wie sie es die vergangenen drei Wochen fast täglich gemacht hat.

„Gucci-Helle“ will's noch mal wissen
Ankrunft in Brüssel
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Mit der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt (48) hat seit 2011 zum ersten Mal eine Frau in Dänemark das Sagen.

Auf der Beerdigung
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Der Rest der Welt kennt die Blondine, seit sie bei der Beerdigung von Nelson Mandela ein Selfie mit US-Präsident Barack Obama und dem britischen Premier David Cameron knipste.

Ein Treffen in Folkemoedet 2015
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Wegen ihrer bürgerlichen Herkunft – der Vater saß in der Chefetage in einem großen Kaufhaus, die Mutter war Bürochefin – kämpfte Thorning in der Partei lange gegen den Ruf an, nicht sozialdemokratisch genug zu sein.

Styling vor dem Fernsehduell
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Ihre Vorliebe für teure Kleidung und Taschen brachte ihr den Spitznamen „Gucci-Helle“ ein.

Mit dem Ehemann zur Gala
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Trotzdem wurde sie 2005 mit nur wenigen Monaten Parlamentserfahrung zur Chefin der Sozialdemokraten gewählt.

Auf dem Weg zum Dinner mit der dänischen Queen
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Vorher hatte sie fünf Jahre für die Partei im EU-Parlament gesessen.

Treffen mit der dänischen Königin
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Ihre Amtszeit prägten einige Skandale, am Schluss blieb den Sozialdemokraten von zwei Koalitionspartnern nur noch einer übrig.

Dass es überhaupt so knapp werden würde, war zu Beginn des Jahres überhaupt nicht zu erwarten. Damals lag die Politologin, die Dänemark seit 2011 regiert, weit abgeschlagen, ein Regierungswechsel war so gut wie sicher. Doch Helle Thorning-Schmidt kann kämpfen, kann sich aus verfahrenen Situationen befreien. Das hat sie während ihrer Regierungszeit mehrfach eindrucksvoll demonstriert. Und auch jetzt gab sie nicht auf und nutzte eine Besonderheit des dänischen Wahlrechts für sich aus. Denn in Dänemark entscheidet der Regierungschef, wann genau innerhalb der vierjährigen Legislaturperiode wieder gewählt wird. Ein Blick auf die vielen Meinungsumfragen signalisierte ihr im Mai, dass der Zeitpunkt für Wahlen jetzt gekommen ist. Sie wollte kein Risiko eingehen und bis zum letzten Termin im Herbst warten, sondern entschied sich für Wahlen noch vor der langen Sommerpause. Denn angesichts einer sich erholenden dänischen Wirtschaft mit einem moderaten Wachstum und einer sinkenden Arbeitslosigkeit hatten sich auch ihre Sympathiewerte deutlich verbessert. Lagen ihre Sozialdemokraten Anfang des Jahres noch bei nur rund 17 Prozent der Stimmen, erreichen sie jetzt etwa 25 Prozent. Ein weiterer Grund für den Stimmungswandel: Nach dem Terroranschlag in Kopenhagen im Februar hatte sich Thorning-Schmidt als Landesmutter präsentieren können, als eine Regierungschefin mit Führungsqualitäten und Einfühlungsvermögen.

„Wer nach Dänemark kommt, muss arbeiten“
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