Henry Kissinger im Interview: Die Empfehlungen des Altmeisters für Europa

Henry Kissinger im Interview
Die Empfehlungen des Altmeisters für Europa

Vor nicht allzu langer Zeit noch blickte Henry Kissinger optimistisch auf Europa. Das ist vorbei. Der frühere Außenminister spricht im Handelsblatt-Interview über seine Zweifel am Euro - und empfiehlt Alternativen.

New YorkVor einem Jahr war Henry Kissinger noch optimistisch. Er wisse zwar nicht wie, aber die Europäer würden ihre Krise schon in den Griff kriegen, lautete damals seine Prognose. Heute ist der ehemalige US-Außenminister beunruhigt über die Krise in Europa.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, wie man durch eisernes Sparen Wachstum schaffen kann“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Er fürchte, dass die Gemeinschaft auseinanderbrechen könnte, bevor der Sparprozess abgeschlossen ist.

Der Friedensnobelpreisträger zeigt sich im Gespräch offen für ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Zwar rät er der EU, weiter gemeinsam nach Wegen aus der Krise zu suchen. Allerdings dängt er Europas führende Politiker auch dazu, über Alternativen nachzudenken. „An einem gewissen Punkt muss man sich einfach fragen: Wenn es nicht als Einheit geht, kann es anders funktionieren?“, so Kissinger.

Denkbar sei eine kleine wirtschaftliche Union, in der eine geringe Anzahl von Staaten als Kerneuropa den Euro behalte. „Dieses ökonomisch homogenere Gebilde sollte Teil der größeren politischen Union sein, in der sich dann jedoch nicht mehr jeder Mitgliedsstaat mit der gleichen Geschwindigkeit vorwärts bewegen muss“, sagte Kissinger. „Ich suche nach anderen Optionen statt zuzulassen, dass Europa zurückfällt in die alte Nationalstaatlichkeit.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Korrespondentin
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