Herabstufung droht
Druck auf US-Kongress steigt

Die Dringlichkeit eines Deals im US-Haushaltschaos ist am späten Abend weiter gestiegen. Die Ratingagentur Fitch drohte mit einer Herabstufung. Im Senat soll es noch in den nächsten Stunden zu einer Einigung kommen.
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WashingtonEs hätte alles so schön sein können. Da raufen sich die beiden führenden Senatoren der zerstrittenen Parteien zusammen, verhandeln einen ganzen Tag lang, um eine Katastrophe von ihrem Land abzuwenden. Nach wochenlangem Stellungskrieg um den US-Staatshaushalt und die drohende Zahlungsunfähigkeit hatte sich am Montag erstmals ein tragfähiger Kompromiss abgezeichnet. Hätte, wäre, wenn – am Dienstag übernahmen erst einmal wieder die Hardliner die Macht.

Am späten Abend gab es dafür die Quittung: Die Ratingagentur Fitch verlieh Sorgen von Wirtschaftsführern weltweit Ausdruck: Das „politische Spiel mit dem Feuer und die geringere finanzielle Flexibilität“ habe die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit erhöht.
Die Agentur bescheinigt den USA zwar immer noch die Top-Kreditwürdigkeit, änderte aber den Ausblick auf „negativ“.

Die Verhandlungen verliefen derweil wie eine Achterbahnfahrt. Die Nummer zwei der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Eric Cantor, verabschiedete sich am Abend mit den Worten: „Keine Abstimmung heute Abend, bis morgen.“

Kurz darauf nahm der Senat die Verhandlungen wieder auf. Innerhalb der nächsten Stunden könnten die Spitzen der Demokraten und der Republikaner sich eine Einigung vorstellen, sagte ein Senatsmitarbeiter.
Das Abkommen sehe eine leichte Anhebung der Schuldengrenze vor, so dass die Regierung zumindest bis zum 7. Februar ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen könne, und dass die seit dem 1. Oktober geschlossenen Bundesbehörden bald wieder öffneten.

Der Senat hatte die Gespräche zuvor ausgesetzt, da die Republikaner im Repräsentantenhaus ihre Ablehnung signalisierten.
Die Zeit drängt, denn bereits am Donnerstag dürfte nach Angaben des Finanzministeriums das Schuldenlimit erreicht sein. Sollten die USA zahlungsunfähig werden, drohen verheerende Folgen für die globale Konjunktur.

Deal or no deal? Groß war am Dienstag die Verwirrung im Land und an den Börsen. Die Nachrichtensender überschlugen sich mit Meldungen von vermeintlichen Durchbrüchen, während Kommentatoren keine Prognosen wagen wollten. Die europäischen Aktienindizes schlossen mit einem kräftigen Plus, während die US-Börsen über den Tag verloren. „Die Investoren halten ein bisschen den Atem an und warten auf die kolportieren Neuigkeiten über einen Deal“, sagte der Investment-Stratege William Stone von PNC Wealth der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Dabei ist den allermeisten in Washington klar, was auf dem Spiel steht. Peinlich genug ist bereits die Tatsache, dass seit nunmehr 15 Tagen die halbe Verwaltung geschlossen ist („Government Shutdown“), weil sich die Parteien nicht auf einen Haushalt einigen konnten. Schlimmeres aber droht ab Donnerstag: Dann werden die USA das vom Parlament genehmigte Schuldenlimit von 16,7 Billionen Dollar erreicht haben.

Sollte die Grenze nicht rechtzeitig erhöht werden, darf Finanzminister Jack Lew ab Donnerstag nur noch ausgeben, was er einnimmt – und das reicht hinten und vorne nicht. Schon in ein bis zwei Wochen droht deshalb der technische Zahlungsausfall auf ausgegebene Staatsanleihen – ein Horrorszenario. Experten warnen vor Marktturbulenzen, einer weltweiten Finanzkrise und einer Rezession (hier lesen Sie was passiert, sollten die USA zahlungsunfähig werden). Die Uhr läuft ab.

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„Die Rechnungen der Nation bezahlen“

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  • Vielleicht weil sie nicht intellelektuell sind?

  • Fitch, Standard & Poor’s und Moody’s
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    Fitch stellt das „Triple-A“ der USA unter Beobachtung.
    Standard & Poor’s hat die USA schon 2011 auf AA herabgestuft.
    Moody’s hat das „Triple-A“ erst im Juli wieder von negativ auf stabil gesetzt.

    Jedes europäische Land hätte in diesem Falle schon längst ein B- oder C-Rating.
    Aber bei den USA trauen sie sich das nicht!

  • Ist mal wieder dasselbe Schauspiel (.. und täglich grüßt das Murmeltier..!): Werden die Schuldenobergrenze im letzten Moment erhöhen .... und dasselbe wieder als Spielchen in ein paar Monaten.
    Werden eben neue Dollars gedruckt, solange noch Papier dafür da ist.
    Gewinner wird Goldman sein mit seinen Wetten, und auch andere Banken.
    Zeche bezahlen dann weltweit die Normalbürger - wie immer!

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