Herausforderin Marina Silva
Von der Kautschukzapferin zur Präsidentin?

Marina Silva hat angekündigt, die erste „schwarze“ Präsidentin Brasiliens werden zu wollen. Schon jetzt hat die frühere Umweltaktivistin und Kautschukzapferin die Parteienlandschaft des Landes aufgemischt. Ein Porträt.
  • 2

BrasíliaSie wuchs in ärmsten Verhältnissen im Amazonasgebiet auf, war Kautschukzapferin und Haushaltsgehilfin, wandelte sich später zur Gewerkschafts- und Umweltaktivistin, machte dann Karriere in der Politik - und könnte jetzt sogar Staatschefin werden. Marina Silva, die Kandidatin der Sozialisten in Brasilien, hat nach den Umfragen gute Chancen, die erste Runde der Präsidentschaftswahlen am Sonntag zu überstehen. Dann würde es in der Stichwahl am 16. Oktober zu ihrem direkten Duell mit Amtsinhaberin Dilma Rousseff kommen.

Auch falls es letztlich nicht für den Sprung ins höchste Staatsamt reichen sollte – die brasilianische Parteienlandschaft hat die zierliche 56-Jährige mit dem großen Charisma und beeindruckenden Lebensweg schon jetzt aufgemischt. Silva hat angekündigt, die erste „schwarze“ Präsidentin des größten lateinamerikanischen Landes werden zu wollen, und damit ganz bewusst ihre afrobrasilianische Identität hervorgehoben – 51 Prozent der Brasilianer sind Schwarze oder Mulatten, aber einen Präsidenten hat diese Bevölkerungsgruppe noch nie gestellt.

Zugleich ist die frühere Umweltministerin eine langjährige Streiterin für den Schutz des Regenwaldes und seiner Menschen – ein Engagement, das seine Wurzeln in ihrer Kindheit hat. Sie wuchs in einer Großfamilie in einem kleinen Dorf des Amazonasstaats Acre auf, drei ihrer zehn Geschwister starben bereits als Kinder. Sie selber erkrankte zahlreiche Male an gefährlichen Infektionen – Malaria, Hepatitis, Leishmaniose – und musste bereits als Elfjährige täglich 14 Kilometer zu Fuß zurücklegen, um ihre Familie als Kautschukzapferin zu unterstützen.

Seite 1:

Von der Kautschukzapferin zur Präsidentin?

Seite 2:

Vertreterin einer „neuen Politik“

Kommentare zu " Herausforderin Marina Silva: Von der Kautschukzapferin zur Präsidentin?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "51 Prozent der Brasilianer sind Schwarze oder Mulatten, aber einen Präsidenten hat diese Bevölkerungsgruppe noch nie gestellt."

    Wird also langsam Zeit, erstens, weil jemand, der es (wie auch Lula) unter diesen Umständen so weit gebracht hat zwangsläufig sowohl stark als auch clever sein muss, zweitens - ohne jetzt Dilmas Politik in Grund und Boden verdammen zu wollen (die verschwände ja auch nicht gleich ganz aus der Politik) – weil breiter Konsens herrscht, dass sich in der Politik dringend etwas ändern muss (und Marina ist, was Korruption und sonstige politische Mauscheleien angeht unbelastet, umgänglich, deshalb glaubwürdig und nährt schon deshalb die Hoffnung auf einen echten „Neustart“) und, drittens, aber nicht zuletzt, ist gerade der o.g. Anteil der brasilianischen Population sehr häufig aus eigener Anschauung bestens mit der ganzen Palette brasilien-spezifischer Probleme vertraut und denkt deshalb meist pragmatisch und lösungsorientiert..

  • "51 Prozent der Brasilianer sind Schwarze oder Mulatten, aber einen Präsidenten hat diese Bevölkerungsgruppe noch nie gestellt."

    Wird also langsam Zeit, erstens, weil jemand, der es (wie auch Lula) unter diesen Umständen so weit gebracht hat zwangsläufig sowohl stark als auch clever sein muss, zweitens - ohne jetzt Dilmas Politik in Grund und Boden verdammen zu wollen (die verschwände ja auch nicht gleich ganz aus der Politik) – weil breiter Konsens herrscht, dass sich in der Politik dringend etwas ändern muss (und Marina ist, was Korruption und sonstige politische Mauscheleien angeht unbelastet, dennoch umgänglich, deshalb glaubwürdig und nährt schon deshalb die Hoffnung auf einen echten „Neustart“) und, nicht drittens, aber nicht zuletzt, ist drittens gerade der o.g. Anteil der brasilianischen Population sehr häufig aus eigener Anschauung bestens mit der ganzen Palette brasilien-spezifischer Probleme vertraut und denkt deshalb meist pragmatisch und lösungsorientiert..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%