Hergang der Katastrophe noch unklar
Mindestens 150 Tote und mehr als 600 Verletzte in russischem Geiseldrama

Bei der Erstürmung der besetzten Schule im südrussischen Beslan sind viele der Geiseln ums Leben gekommen. Laut Krankenhausmitarbeitern wurden fast 650 Menschen in Hospitäler eingeliefert. Die Kämpfe dauern an.

HB BERLIN. Bei der Geiselnahme und der Erstürmung der Schule im südrussischen Beslan sind nach Medienberichten viele der Geiseln getötet worden. Ein Reporter des britischen Fernsehsenders ITV berichtet, in der Turnhalle der Schule lägen mindestens 100 Leichen. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Mitarbeiter des Kremls, wonach die Zahl der Opfer möglicherweise bei deutlich über 150 liege. Laut Interfax kamen die meisten Menschen ums Leben, als die Entführer das Dach der Turnhalle sprengten. Sie seien von den Trümmern erschlagen worden. Nach Aussage eines Zeugen sprengte sich zudem ein Terrorist in der Halle selber in die Luft.

Etwa 95 Tote seien inzwischen identifiziert worden, gab der Chef des regionalen russischen Sicherheitsdienstes bekannt. Einige Geiseln befänden sich noch in der Gewalt von Extremisten, denen die Flucht von dem Gelände gelungen sei.

Die drei Geiselnehmer, die sich in den Keller der Schule geflüchtet hatten, sind laut einem Bericht des Fernsehsenders Channel One festgenommen worden. Sie hätten versucht, mit Zivilkleidern getarnt das Gelände zu verlassen. Mittlerweile scheinen sich keine Terroristen mehr auf dem Schulgelände aufzuhalten. Darauf deuteten die Berichte von Reportern vor Ort hin, wonach seit einiger Zeit dort keine Kämpfe mehr zu hören sind.

Von den vermutlich rund 40 Geiselnehmern wurden 20 bei der Erstürmung getötet. Bei zehn von ihnen handele es sich um arabische Söldner, sagte ein Kreml-Mitarbeiter. Damit könnte Präsident Putin bestätigt werden, der in den letzten Tagen von einer Verbindung zwischen tschetschenischen Rebellen und Terroristen des Al-Qaida-Netzwerks gesprochen.

Am Freitagmorgen waren bei einen Fluchtversuch mindestens fünf Kinder getötet worden. Die Geiselnehmer hatten auf sie geschossen. Während der Geiselnahme waren in den vergangenen zwei Tagen etwa zwölf bis 20 Menschen getötet worden.

Die Zahl der Verletzten ist womöglich höher als bisher angenommen. Krankenhausmitarbeiter sagten laut Itar-Tass, es seien 646 Menschen eingeliefert worden, darunter 227 Kinder. Dagegen sagte ein Sprecher der Regierung, man gehe momentan von 409 Verletzten aus, darunter 219 Kinder. Viele von ihnen seien in kritischem Zustand.

Unklar war der Verbleib vieler Väter. Augenzeugen berichteten, die Geiselnehmer hätten sie von Müttern und Kindern getrennt. Während der Besetzung sollen bis zu 20 Männer erschossen worden sein.

Spekulationen gab es am Freitagabend darüber, wie es zu der Katastrophe kam. Verschiedene Augenzeugen berichten, russische Einsatzkräfte seien nach Absprache mit den Geiselnehmern in den Hof der Schule gefahren, um Leichen abzutransportieren. Dabei hätten mehrere Geiseln versucht zu fliehen.

Als die Geiselnehmer auf diese schossen, erwiderten die Einsatzkräfte das Feuer. Während des Schusswechsels wurde das Dach der Turnhalle gesprengt, woraufhin sich offenbar die Einsatzleitung spontan zur Stürmung entschloss. Der Zugriff der russischen Kräfte sei nicht geplant gewesen, hieß es. «Diese Variante war in unseren Planungen keine Option, da in der Schule so viele Kinder waren», sagte ein Mitarbeiter des Krisenstabs.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax teilten sich die Geiselnehmer nach der Erstürmung des Gebäudes in drei Gruppen auf und flohen in die Stadt. Sie sollen weiterhin Geiseln bei sich haben. Ein Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB sagte vor Journalisten, in der Stadt werde immer noch mit einigen der geflohenen Entführern gekämpft.

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