Herzprobleme
Frankreichs Ex-Premier Barre mit 83 Jahren gestorben

Er war ein unbequemer Fachmann: Raymond Barre steuerte Frankreich als Premierminister mit wirtschaftlichem Sachverstand durch eine konjunkturell schwierige Zeit in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Am Samstag verstarb er im Alter von 83 Jahren in einem Pariser Krankenhaus.

HB PARIS. Der frühere französische Premierminister Raymond Barre ist am Samstag im Alter von 83 Jahren in Paris gestorben, wie seine Familie mitteilte. Der bürgerlich-liberale Politiker und Wirtschaftsfachmann war von 1976 bis 1981 unter Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing Regierungschef. 1988 scheiterte der langjährige Rivale von Jacques Chirac im konservativen Lager mit seiner Präsidentschaftskandidatur klar gegen Francois Mitterrand.

Barre war im April an seinem 83. Geburtstag wegen Herzproblemen in das Pariser Militärkrankenhaus Val-de-Grace eingewiesen worden. Der überzeugte Europäer arbeitete als Vizepräsident der Kommission in Brüssel von 1967 bis 1972 an den Grundlagen zur Wirtschafts- und Währungsunion mit. Der parteilose, aber der Zentrumspartei UDF nahe stehende Politiker musste sich aber immer wieder Antisemitismus-Vorwürfen erwehren.

1980 erklärte der damalige Regierungschef nach einem Attentat in Paris, der Anschlag habe Juden in ihrer Synagoge gegolten, aber „unschuldige Franzosen“ getroffen. In diesem Frühjahr kritisierte Barre in einem Rundfunkinterview, damals habe eine linke „jüdische Lobby“ eine Kampagne gegen ihn betrieben. Zudem verteidigte er den Nazi-Kollaborateur Maurice Papon. Nach Kritik jüdischer Verbände versicherte er im März: „Antisemitismus und Rassismus laufen meinen persönlichen Überzeugungen zuwider.“

Der Autor eines Standardwerks zur Wirtschaftspolitik galt als unabhängiger und unbequeme Wahrheiten offen aussprechender Politiker, der nie sonderlich populär war. Nach dem Zerwürfnis zwischen Giscard und seinem ersten Premierminister Jacques Chirac wurde er 1976 in einer konjunkturell schwierigen Zeit Regierungschef, zugleich übernahm er in Personalunion das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers. Trotz anhaltender Unpopularität hielt er unbeirrt an seiner Stabilitätspolitik fest.

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