Heute entscheidet das EU-Parlament über die Richtlinie zum Schutz vor optischer Strahlung
Sonnencreme für den Polier

Sonnenbaden wird künftig europaweit streng reglementiert – zumindest während der Arbeitszeit: Nur noch ordentlich eingecremte und mit geprüfter Sonnenbrille sowie Hut ausgestattete Arbeitnehmer dürfen beispielsweise auf Baustellen bei starkem Sonnenschein die Schaufel schwingen. Heute entscheidet das EU-Parlament über die Richtlinie zum Schutz vor optischer Strahlung.

DÜSSELDORF. Zur optischen Strahlung gehört auch das natürliche Sonnenlicht mit seinen UV-Strahlen, denn zu viel Sonne kann Haut und Augen schädigen. Davor sollen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter durch das Ergreifen entsprechender Maßnahmen bewahren. Das EU-Parlament will bei den Vorschlägen der Kommission sogar noch nachbessern und einen detaillierten Leitfaden vorschreiben – böse Zungen befürchten jetzt die Einführung des lichtundurchlässigen Blaumanns.

Die Lobbyisten von Bau und Gartenbau klettern denn auch auf die Barrikaden. Sie wollen das Sonnenlicht in letzter Minute aus der Richtlinie herausbekommen. Die Regelung lege deutsche Baustellen lahm, regt sich etwa Frank Dupré, der Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, über die Sonnencreme-Richtlinie aus Brüssel auf. Inakzeptable Konsequenzen für den unternehmerischen Alltag befürchtet Werner Küsters, Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau.

Stelle man sich die Forderungen in der Praxis vor, so Dupré, müssten am Bau Zeiten für das regelmäßige Eincremen der Bauarbeiter eingeplant werden. Der Bauwirtschaft drohten wohl möglich „italienische Verhältnisse“, wenn alle Arbeiternehmer von 12 bis 15 Uhr Siesta halten. Baustellen müssten mit Zeltplanen und Sonnensegeln abgeschirmt werden, um die Arbeiter vor allzu großer UV-Strahlenbelastung zu schützen. „Die Richtlinie gefährdet Betriebe und Arbeitsplätze in der deutschen Bauwirtschaft ganz erheblich“, schimpft Dupré.

Völlig unpraktikabel sei auch die vorgesehene „individuelle Gefährdungsermittlung“, meinen Dupré und Küsters. „Wie soll ein Fliesenlegermeister oder Zimmermann beurteilen, ob seine Gesellen eine empfindliche Haut haben oder wegen der Einnahme von Medikamenten sensibel auf Sonnenlicht reagieren?“, fragt Dupré. Außerdem sei es schwierig zu beurteilen, ob sich der Arbeitnehmer seinen Sonnenbrand bei der Arbeit oder in der Freizeit beim Besuch des Strandbads zugezogen habe, meint Küsters. Er kritisiert zusätzliche Anforderungen für Arbeitgeber und wachsenden bürokratischen Aufwand.

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