Heute wählt Frankreich
Die Republik verliert ihre Kinder

Frankreichs Wähler entscheiden heute über einen neuen Präsidenten - zwischen einem gemäßigten Rechten und einem gemäßigten Linken. Doch das ist nur ein Trugbild: Das Land radikalisiert sich. Der Frust ist zu groß.
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ParisDas erste, was auffällt, ist ihr ungebrochenes Interesse an Politik. Sie erwarten zwar von ihren Politikern mittlerweile ebenso wenig eine wirkliche Lösung ihrer Probleme wie die Deutschen. Aber sie sind deshalb nicht abgebrüht, desinteressiert, zynisch geworden, sondern in der übergroßen Mehrzahl echte Polit-Freaks geblieben.

Mehrere hunderttausend Menschen haben an den Großveranstaltungen der verschiedenen Kandidaten teilgenommen, haben teils lange Anreisen, Fahrten in überfüllten Metros und stundenlange Wartezeiten in Kauf genommen, um einen persönlichen Eindruck von einem der anfangs zehn Kandidaten zu erhalten. Millionen von Fernsehzuschauern und Radiohörern haben sich die unzähligen Sendungen mit Parteivertretern und Experten angeschaut und angehört. Egal ob Cafés, Restaurants, öffentliche Verkehrsmittel: ständig wurde über die Wahl diskutiert.

Man mag sich von dem einen oder anderen oder gar fast allen Politikern abwenden, aber politischen Diskussionen und der Möglichkeit, sie durch Wahlen zu beeinflussen, kehrt man nicht den Rücken.  Die krasseste Fehlleistung der Wahlforscher war, dass sie für den ersten Wahlgang einen Rekordwert von mehr als einem Viertel bei der Wahlenthaltung vorhergesagt haben – stattdessen blieb nur jeder Fünfte fern.

Kommentare zu " Heute wählt Frankreich: Die Republik verliert ihre Kinder"

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  • Frankreich hat Ihre kinder wieder gefunden,die "Resistance" FN hat gewonnen 18% im ersten Durchgang,die Linksmarionette wird in 2 Jahren wegsein,dann wird der FN die Zügel wieder in die hand nehmen,und Frankreich wir sich wieder befreien,....von der Immigration uns Sozialschmarotzer.Und hoffentlich auch von der EU.

  • Politiker in Europa sollten sich mit Schumpeter befassen, um die aktuelle Problematik zu verstehen ( http://en.wikipedia.org/wiki/Creative_destruction ). Das "End Game" (z.B. HBR-Artikel von Michael Porter) ist unausweichlich für sterbende Branche bzw. überholte Geschäftsmodelle und Technologien. Ebenso ist dessen Regulierung seitens des Staats obsolet (Überlegen sie sich mal wieviele Gesetze/Verordnungen für "Gestorbenes" überlebt und unpassenderweise auf das Nachfolgende/Neue versucht wird angewandt wird, ohne Sinn und Verstand, z.B. Chemie vs. Nanotechnologie, neuartige Schiffe zur Installation von Offshore-Windräder, usw.). Politiker dieser Tage halten sich zu sehr an Sterbenden fest, treffen dann zur ihrer Überraschung auf die Mutation/Reinkarnation/Substitut/etc., und glauben die Rahmenbedingungen wären dieselben.
    Es ist ja schön wenn Firmen, von klein bis groß, sich wandeln um im Wettbewerb zu bestehen, nur verliert derjenige Standort wo dessen Politiker noch Häkchen für überholte Vorschriften/Gesetze verlangen und durch Unwissenheit mit Subventionen Parasiten päppeln.

    Kapitalismus (a) ist wie Keynes (b): Man kann es nicht halb/einseitig machen, weil in extremen Einkommsunterschieden (a) oder extremen Staatsschulden (b) endet. Europa macht beides "halb", sinb. F und D.

  • Eigentlich hat F dasselbe Problem wie D: Zu viel Bürokratie für Unternehmensgründungen, zu viel Lobby zu Gunsten etablierter Großkonzerne, zu viel abhängig Beschäftigte, die sich weder trauen (und v.a. für die es garnicht möglich ist) sich dem zu entziehen.

    Sie sage es "Die Mesnchen sind es überall in Europa leid, dass die Politiker nur für Bankster, Superreiche und Großindustrielle Politik machen."

    ==> Man muss diese auch mal pleite gehen lassen, da ansonsten die Einkommensverteilung immer schiefer wird (Ohne Ausfälle aufgrund Retteritis/TBTF/etc). Sowas tut kurzfristig weh (z.B. wenn tausende Mitarbeiter auf der Straße landen), aber langfristig hält es die Schere zwischen Arm/Reich in Schacht.

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