Hilfe bei Flüchtlingen
Deutschland lässt Italien auflaufen

Der Umbruch in der arabischen Welt hat einen gewaltigen Flüchtlingsstrom ausgelöst. Top-Anlaufstelle der Nordafrikaner ist Italien. Die Regierung in Rom hofft auf Hilfe der EU-Partner, doch Deutschland blockt ab.
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BrüsselDeutschland und Österreich haben die Forderung Italiens und anderer Mittelmeerländer nach EU-Hilfe zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs aus Nordafrika abgelehnt. Deutschland und kleinere EU-Länder wie Schweden oder Österreich hätten im vergangenen Jahr viel mehr Asylbewerber aufgenommen als Italien, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Donnerstag in Brüssel vor dem Treffen der EU-Innenminister. „Italien ist gefordert, aber noch lange nicht überfordert.“ Die österreichische Innenministerin Maria Fekter sagte, bisher seien rund 5000 Menschen aus Nordafrika auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. „Das ist eine Zahl, mit der das große Italien schon noch zu Rande kommt.“

Italien und andere Mittelmeerstaaten der EU befürchten dagegen als Folge der Kämpfe um die Macht in Libyen eine Auswanderung „biblischen Ausmaßes“ nach Europa, wie sich Italiens Außenminister Franco Frattini ausgedrückt hatte. „Wir gehen von mindestens einer Millionen Flüchtlingen aus“, sagte der italienische Innenminister Roberto Maroni. Das schätzt nach seinen Worten auch die EU-Flüchtlingsagentur Frontex. Offiziell hat die Agentur bislang selbst noch keine Zahl genannt. Auf dapd-Nachfrage lehnte eine Frontex-Sprecherin am Donnerstag jede Stellungnahme zu den Angaben Maronis ab.

Der schlug die Alarmglocke am Donnerstag auf einem EU-Innenministertreffen in Brüssel. „Wir können nicht allein gelassen werden, das ist meine Bitte“, sagte Maroni. Er warnte außerdem davor, dass die Terrororganisation Al Kaida in Libyen die Rebellen unterstütze. „Und wir tun nichts“, kritisierte er. Die EU habe kein Projekt für den Maghreb.

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  • Italien braucht sich da langfristig ohnehin keine Sorgen machen da die angeblichen "Flüchtlinge" nach D, A in die CH oder besonders nach F wollen und auch gehen werden, unabhängig von irgendwelchen Einreisevorschriften und Rückkehrhilfen. Sarkosy in F wird die Sache sicher meistern. Bei D, A und CH allerdings sollte man da besser keine grosse Hoffnungen haben es laufe ohne erheblich negative Nebenwirkungen für die Einheimischen ab. In D, A und CH wurden in der Vergangenheit zulange zuviele
    Fehler begangen und Besserung ist bis heute in dieser nicht in Sicht.

  • Wieder ein Solidaritätsfonds, der überwiegend von Deutschland finanziert wird. Hat jemand im Fernsehen die lachenden italienischen Politiker gesehen, als die Forderung nach EU-Hilfe laut wurde? Die freuen sich jetzt schon auf das Geld, das dann in irgendwelchen Bunga-Bunga-Parties versickert...

  • Es ist richtig so, dass die BRD bei den Wirtschaftsflüchtlingen aus dem Arabischen raum mauert.
    Es kann nicht sein, dass die BRD das ganze wirtschaftliche und Gesellschaftliche Problem in der Welt zu lösen hat.
    Man bezahlt seit Jahrzenten Entwicklungshilfe, gebessert hat sich in den Ländern selten etwas für die Bevölkerung.
    Also keine Flüchtlinge mehr in die BRD aufnehmen.
    Hierfür sind die ehemaligen Kolonialmächte zuständig, bei Flüchtlingsproblemen oder Hilfe zur Selbsthilfe.
    Danke

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