Hilfe in Syriens Nachbarstaaten
Mehr Geld und Jobs sollen Flüchtlinge aufhalten

Rund neun Milliarden Dollar sollen zusammenkommen: Bei einer Geberkonferenz in London wollen die Vereinten Nationen Hilfsmittel für ihr Flüchtlingshilfswerk und die syrischen Nachbarstaaten einsammeln.

LondonDas fehlende Geld für syrische Flüchtlinge in den Nachbarstaaten ist einer der Gründe für den Massenexodus nach Europa. Nur 3,3 Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro) konnten die Vereinten Nationen vergangenes Jahr einsammeln. Als die Lebensmittelrationen gekürzt wurden, machten sich zehntausende Menschen aus Hunger auf den Weg.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) richtet gemeinsam mit ihrem britischen Kollegen David Cameron am Donnerstag in London eine Geberkonferenz aus: 7,73 Milliarden Dollar für das UN-Flüchtlingshilfswerk und 1,23 Milliarden Dollar direkt für die betroffenen Länder Jordanien, Libanon, Türkei, Irak und Ägypten sollen zusammenkommen.

„Das ist nicht nur im Interesse Syriens und seiner Nachbarn“, mahnte Cameron insbesondere die Geberländer aus der EU. „Es ist im Interesse der Europäer. Denn je mehr wir den Menschen helfen, in der Region zu bleiben, je weniger müssen nach Europa kommen.“

Die genauen Beiträge der mehr als 70 Delegationen werden erst am Donnerstag verkündet. Aber klar ist: Sie müssen mehr als doppelt so viel zahlen wie 2015. Die Hilfsorganisation Oxfam hat schon vor dem finalen Geschacher Vorbilder und Buhmänner ausgemacht: Spendabel zeigten sich Länder wie Deutschland, Großbritannien und Schweden. Als knauserig wurden Frankreich, Russland und Saudi-Arabien angeprangert.

Die Geberkonferenz soll sich aber nicht im Spendensammeln erschöpfen: Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf dem Versuch, die Flüchtlinge außerhalb Syriens in Arbeit zu bringen. Dafür brauche es „konkrete Aktionen“, forderte Co-Gastgeber Cameron.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte kürzlich: „Langfristig müssen Bildung und Arbeit zur Eindämmung des Flüchtlingszuzugs nach Europa beitragen.“ Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gab das Ziel vor, in der Türkei, im Libanon und in Jordanien 500.000 Jobs zu schaffen.

Jordaniens König Abdullah II. wird auch nach London kommen, und er hat eine Alarmglocke mit im Gepäck. „Zum ersten Mal können wir nicht so weitermachen“, sagte er vorab mit Blick auf die zunehmenden Spannungen zwischen einheimischer Bevölkerung und Flüchtlingen. Und fügte mit Blick auf den Zielkontinent Europa hinzu: „Früher oder später könnte der Damm brechen.“

Von den 4,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlingen, welche die UNO außerhalb Syriens registriert hat, leben 630.000 in Jordanien. Die dortigen Behörden gehen von einer Zahl von mehr als einer Million in ihrem Land aus – bei einer Gesamtbevölkerung von nur 9,5 Millionen Menschen. Ohne mehr Hilfe von der internationalen Gemeinschaft bleibe seinem Land keine Alternative zu „schmerzhaften Maßnahmen“, die noch mehr Flüchtlinge nach Europa treiben würden, warnte Planungsminister Imad al-Fachuri.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%