Hilfsorganisation beklagt Hinhaltetaktik der Regierung
Flüchtlingsschiff „Cap Anamur“ droht Verschrottung

Dem Flüchtlingsschiff „Cap Anamur“ der gleichnamigen deutschen Hilfsorganisation droht im Extremfall die Verschrottung. Dem italienischen Gesetz zufolge können Schiffe, mit denen illegale Einwanderer ins Land gebracht worden sind, konfisziert und anschließend verschrottet werden.

Hb ROM/KÖLN. Die italienischen Behörden hatten die Cap Anamur nach ihrem Anlegen im sizilianischen Hafen Porto Empedocle am Montag beschlagnahmt. Drei Cap-Anamur-Mitarbeiter befinden sich seitdem in Haft, unter ihnen auch der Leiter der Organisation, Elias Bierdel.

Dessen Hilfsorganisation hat unterdessen das Vorgehen der italienischen Behörden gegen drei festgenommene Mitarbeiter als „Hinhaltetaktik“ bezeichnet. „Wir können das nicht mehr gut heißen“, sagte „Cap Anamur“-Sprecher Bernd Göken in Köln. Zuvor war ein Haftprüfungstermin im Fall von Organisations-Chef Elias Bierdel und zwei Schiffsoffizieren auf Freitag verschoben worden. „Wir haben keinen Kontakt zu Herrn Bierdel“, sagte Göken.

Allerdings habe ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit den drei Männern sprechen dürfen. „Er berichtete uns, dass es Herrn Bierdel sowie den beiden anderen Männern den Umständen entsprechend gut geht“, sagte Göken. Bierdel sei „sehr enttäuscht“, dass er in Italien festgehalten werde. „Als die italienischen Behörden die Erlaubnis erteilten, dass das Schiff einlaufen darf, haben sie nur davon gesprochen, dass es eine Befragung gibt. Von einer mehrtägigen Festnahme war nicht die Rede“, sagte Göken. Für diesen Donnerstag planen Grüne und die linksgerichtete Gewerkschaft CGIL eine Großdemonstration im italienischen Agrigent, bei der die Freilassung der drei Inhaftierten gefordert werden soll.

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