Hilfspaket
Banken drücken sich um Griechen-Rettung

Nur 75 Prozent der privaten Gläubiger beteiligen sich am Hilfspaket für Griechenland - deutlich weniger als erhofft. Besonders die Banken von außerhalb Europas hielten sich zurück.
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BrüsselAn dem neuen Hilfspaket für Griechenland haben sich Finanzkreisen zufolge nicht so viele private Gläubiger beteiligt, wie ursprünglich erhofft. Etwas weniger als 75 Prozent der Investoren würden mitmachen, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Welt-Bankenverband IIf sei aber noch in Gesprächen mit weiteren Gläubigern.

Zunächst hatte der IIF gehofft, dass 90 Prozent der Investoren an Bord seien. Doch insbesondere außerhalb Europas war die Begeisterung nicht so groß, wie Insider bestätigten. Das mehr als 100 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für Griechenland ist durch die geringere Quote politischen Kreisen aus der Euro-Zone zufolge nicht in Gefahr. Die Gläubigerbeteiligung sieht vor, dass das hoch verschuldete Land über die Verlängerung von Anleihe-Laufzeiten mehr Zeit für die Rückzahlung der Schulden bekommt.

Auf dem Euro-Sondergipfel im Juli hatten sich Privatgläubiger wie Banken und Versicherrungen zu einem eigenen Beitrag zur Euro-Rettung bereit erklärt. Dieser sollte ursprünglich etwa 50 Milliarden Euro bis 2014 umfassen. Zur Beteiligung erhielten die privaten Gläubiger drei Optionen: Anleihetausch, Verlängerung auslaufender Anleihen oder Rückkauf von Altschulden.

Nach neuen Berechnungen der Grünen fällt der Anteil der Privatgläubiger jedoch weit geringer aus als erwartet. Danach müssten die Institute statt eines Forderungsverzichts von 21 Prozent letztlich nur einen Wertverlust von 8,3 Prozent schultern. Das seien bis zu 21 Milliarden Euro weniger als vereinbart, bestätigte der Finanzexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick.

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  • Die Gläubiger der griechischen Staatsanleihen (Banken, Versicherungen, Kleinanleger und auch die EZB) tragen das Risiko des Ausfalls. Je höher die Wahrscheinlichkeit des Verlustes steigt, desto mehr werden sie sich alle bemühen, das Risiko auf andere abzuwälzen oder drohende Verluste durch Zusatzerträge auszugleichen. Und genau das will auch der Bankenverband IIF erreichen.

    Die Regierungen der Euroländer hatten im Juli 2011 auf ihrem Gipfeltreffen nochmals erklärt, daß die Euroländer und damit ihre Bürger in jedem Fall und ohne effektive Vorleistungen anderer die Gewähr für die griechischen Staatsverpflichtungen übernehmen. Auflagen und Beteiligungen sind lediglich als Erwartungen und Hoffnungen formuliert, also weder eingetreten noch gesichert.

    Damit wurde von den Gläubigern Griechenlands jeglicher Druck genommen, tatsächlich Konsequenzen eines Verlustes zu tragen. Somit können sie weiterhin so verfahren, wie es für selbst am besten läuft.

  • Griechenland Rettung = Banken Rettung. Too Big to fail hat den Kapitalismus erstickt. Wer wird die Finanz Fascisten stoppen? Island hat es vorgemacht: Das Volk und der Druck der Strasse. Wer sonst? Politiker ?? Ein ekelhaftes Theater geht hier vor um die Zombie Banken weiter künstlich am Leben zu halten

  • Schnell ein paar Schritte, die die Regelung des griechischen Schuldenproblems vorantreiben würden:

    Schritt 1: die EU fordert Griechenland auf, von seinen Gläubigern zu verlangen, dass sie einen Lenkungsausschuss formieren, mit dem man verhandeln kann. Nur so können die Gläubiger in der Pflicht gehalten werden (was Pflicht ist!!!).

    Schritt 2: Griechenland holt sich einen Top-Experten (z. B. William R. Rhodes), der es beraten soll, welche Umschuldungsvorschläge Griechenland seinen Gläubigern machen soll (sie müssen realistisch sein!).

    Schritt 3: Griechenland verhandelt mit dem Lenkungsausschuss. In dieser Phase dürfen Regierungen keine aktive Rolle spielen (sie können aber im Hintergrund die Fäden ziehen). Ein möglicher Vorschlag wäre, 50% der Schulden auf 30 Jahre zu prolongieren mit dem Großteil der Zinsen endfällig.

    Schritt 4: die EU formiert einen Verhandlungsausschuss und nennt die Mitglieder. Wenn dann jemand, der diesem Ausschuss nicht angehört, dummes Zeug verkündet, dann macht das die Märkte nicht nervös. Der Ausschuss darf nur mit einer Stimme reden (am besten so wenig wie möglich). Wenn geredet wird, dann müssen sämtliche Aussagen vorher im Ausschuss abgestimmt werden mit besonderem Augenmerk auf eine vorsichtige Formulierung.

    Schritt 5: wenn Griechenland mit seinen Gläubigern ein grundsätzliches Ergebnis verhandelt haben, dann gehen beide zum EU-Verhandlungsausschuss und verhandeln mit diesem über die staatliche Beteiligung. Vorschlag: die Steuerzahler finanzieren Haushaltsdefizit (inkl. Zinsen), nicht aber die Rückzahlung von Schulden an die Gläubiger (die müssen von den Gläubigern umgeschuldet werden). Außerdem finanzieren die Steuerzahler keine Kapitalflucht (mehr).

    Und dann kann man mit diesem Ergebnis an die Öffentlichkeit treten und die Märkte werden sich beruhigen.

    http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/anleitung-zur-griechenland-verhandlung.html

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