Hilfsprogramm
Nordkorea räumt drohende Hungersnot ein

Die Lage von Millionen hungernder Menschen in Nordkorea hat sich nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) dramatisch verschlechtert. Auch die Regierung in Pjöngjang gesteht erstmals eine Notsituation.

HB PEKING/SEOUL. „Wir verlieren gerade den Kampf gegen den Hunger“, sagte WFP-Asiendirektor Tony Banbury nach der Rückkehr von einem einwöchigen Nordkorea-Besuch in Peking. „Die Situation ist sehr ernst, die Menschen brauchen sofort unsere Hilfe.“

Die Regierung in Pjöngjang habe erstmals selbst eingeräumt, dass eine Million Tonnen Getreide fehlten. Die Uno-Organisation sei ausdrücklich gebeten worden, ihr Hilfsprogramm auszuweiten.

Die Lebensmittelspenden an Nordkorea gingen in Folge des Atomstreits stark zurück. Nordkorea hatte im Februar im Atomstreit überraschend eingelenkt. Pjöngjang signalisierte erstmals Bereitschaft, seinen größten Atomreaktor bis Mitte April zu schließen. Dafür soll das völlig verarmte Land Wirtschafts- und Lebensmittelhilfen erhalten. Die Sechs-Parteien-Gespräche zur Umsetzung des Kompromisses waren in der vergangenen Wochen jedoch vorerst gescheitert.

Zwischen einem Drittel und der Hälfte der 23 Millionen Nordkoreaner muss nach WFP-Angaben täglich darum kämpfen, Essen auf den Tisch zu bringen. Besonders bedrohlich sei die Lage für Kinder und schwangere Frauen, die vitamin- und mineralstoffreiche Nahrung bräuchten. Ein Drittel der Kinder ist nach Erhebungen von WFP chronisch unterernährt. „Noch hat die Situation nicht das Ausmaß der Hungersnot Mitte der 90er Jahre erreicht, aber wir bewegen uns in die falsche Richtung und unsere Bemühungen werden zunichte gemacht“, sagte Banbury.

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Ursache für die Lebensmittelknappheit sei auch die fehlende Infrastruktur in der Landwirtschaft. Ein großer Teil der Ernte sei zusätzlich im vergangenen Sommer durch Überschwemmungen vernichtet worden, so dass sich Nordkorea auf eine Hungerperiode zu bewege.

Inzwischen hat Südkorea wieder erste Hilfsgüter für nordkoreanische Überschwemmungsopfer an das Nachbarland geschickt. Am Mittwoch sei zunächst ein Schiff mit 60 000 Decken in Richtung Nordkorea ausgelaufen, teilte eine Sprecherin der Rot-Kreuzverbandes in Seoul mit. In den nächsten Wochen sollen außerdem 10 500 Tonnen Reis, Lastwagen, Zement und Baumaterialien geliefert werden.

Nordkorea hatte nach den Überschwemmungen im Juli Südkorea gebeten, Nahrungsmittel sowie Materialien zur Behebung der Unwetterschäden zu liefern. Die Soforthilfe hatte Südkorea jedoch nach dem nordkoreanischen Nuklearwaffentest im vergangenen Oktober ausgesetzt.

Nord- und Südkorea befinden sich formal noch im Krieg. In den 90er Jahren starben in Nordkorea bis zu 2,5 Millionen Menschen bei mehreren Hungerkatastrophen. Das entsprach etwa zehn Prozent der Bevölkerung.

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