Hilfsprogramm verlängert
Der griechische Patient

  • 16

Die Finanzmärkte zeigten sofort, was sie von dieser Idee halten

Doch die Finanzmärkte zeigten sofort, was sie von dieser Idee halten: nämlich gar nichts. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe, die noch im August bei 5,5 Prozent lag, schoss auf nahezu neun Prozent. Aktuell liegt sie bei sieben Prozent. Damit ist Griechenland immer noch praktisch vom Markt ausgeschlossen. Pläne, noch vor Ende dieses Jahres mit einer dritten Bond-Auktion an den Finanzmarkt zu gehen, musste die Regierung bereits aufgeben. Auch von seiner Absicht, das IWF-Programm vorzeitig zu beenden, hat sich Samaras inzwischen stillschweigend verabschiedet.

Stattdessen beratschlagt die Athener Regierung mit dem Fonds und der EU über Stützungsmaßnahmen. Im Gespräch ist die Einrichtung einer Kreditlinie von rund zehn Milliarden Euro. Auf diesen Dispokredit, der zunächst für ein Jahr gewährt werden soll, könnte Griechenland zurückgreifen, wenn eine Refinanzierung am Markt nicht möglich ist. Die Hoffnung ist, dass dieses Sicherheitsnetz die Renditen der griechischen Bonds drückt und dem Land wieder einem Marktzugang eröffnet. Neues Geld brauchen die öffentlichen Gläubiger dafür nicht in die Hand zu nehmen. Aus dem zweiten Griechenland-Rettungspaket stehen noch gut elf Milliarden Euro zur Verfügung, die für die Rekapitalisierung der griechischen Banken vorgesehen waren, aber nicht benötigt wurden. Diese Mittel sollen umgewidmet werden.

Dafür ist allerdings die Zustimmung der Parlamente einiger EU-Länder erforderlich, auch die des Bundestages. Nicht nur deshalb drängt jetzt die Zeit. Voraussetzung für die Einrichtung der Kreditlinie ist ein erfolgreicher Abschluss der Troika-Verhandlungen. Doch die sind immer noch festgefahren. Die Troika misstraut dem gerade verabschiedeten Haushaltsplan und erwartet für 2015 eine Finanzlücke von 2,5 Milliarden Euro. Sie fordert zum Ausgleich Steuerhöhungen sowie Ausgabenkürzungen. Die Athener Regierung sträubt sich gegen Steuererhöhungen. Sie sagt: Es gibt keinen Fehlbetrag, die Rechnung geht auf. Prekär: Wenn kein Kompromiss gefunden werden kann, drohen nicht ausgezahlte Kreditraten von mehr als 16 Milliarden Euro zu verfallen, darunter auch die gut elf Milliarden, die für die Kreditlinie vorgesehen sind.

Um die Gelder zu retten und den Zeitdruck aus den Troika-Verhandlungen zu nehmen, hat die Eurozone der Verlängerung des laufenden Anpassungsprogramms zugestimmt. Griechenland wird damit die letzte Tranche von 1,8 Milliarden Euro aus dem Hilfsprogramm nicht mehr in diesem Jahr erhalten. Für Samaras ist diese Entwicklung eine politische Schlappe.

Seite 1:

Der griechische Patient

Seite 2:

Die Finanzmärkte zeigten sofort, was sie von dieser Idee halten

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hilfsprogramm verlängert: Der griechische Patient"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Geschönte Zahlen in Griechenland
    -------------
    Es sei der erste ausgeglichenen Etat seit Jahrzehnten, jubeln die Griechen. Die Troika der EU geht von anderen Zahlen aus.

    Griechenland hat sich auch mit gefälschten Zahlen in den Euro Gemogelt. Damals mit Hilfe von Goldman Sachs.
    Jetzt jubelt Samaras. Die Eurokraten beraten aber schon über ein weiteres "Hilfspaket" für Griechenland.
    Griechenland ist und wird auch immer ein Fass ohne Boden sein. Auch noch 2050.

    Wir schreiben das Jahr 2050 ©
    Griechenland erhält "alternativlos" das 200. "Rettungspaket".
    Alle Griechen werden nach ihrem Schulbesuch sofort "verbeamtet" und in Pension geschickt.
    Als Pension gibt es dann 5.000€ netto (Steuern kennen die Griechen ja nicht) mit einer jährlichen Zuwachsrate von 10%.
    Die Deutschen arbeiten dann bis 85 und erhalten nur noch eine Mindestrente von 200€, zahlen 50% Steuern und neue Abgaben wurden "erfunden". (z.B. der "Griechensoli").
    Schöne neue Welt, bisher gab/gibt es das nur in "Endzeit-Filmen".

    "Im besten Fall sind lediglich die Milliarden weg, die Deutschland für die übrigen Euro-Länder und die mögliche Stützung des eigenen Bankensystems zur Verfügung stellen muss. Im schlimmsten Fall droht eine umfassende Euro-Krise, die auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde."

  • @ herrn lukas schmidt

    genauso ist es !!!!!! aber den politis das zu sagen wäre sinnlos. sie hören, was das volk sagt, und das sagt nix oder grummelt am stammtisch oder bei den freunden. denn wer in diesem land hat schon ahnung von wirtschaft?!
    nicht umsonst wird ja verzweifelt angemahnt, an den schulen das fach wirtschaft zu etablieren oder zumindest auf aktuelle themen auszuweiten. nix passiert. und an alle pessimisten...nippon hat 250 % des bip schulden und lebt noch wunderbar.

  • Die BRD hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir solche Problem in der EWU haben. Sie ist Schuld, dass es Ländern wir Griechenland oder Spanien so schlecht geht.
    Dadurch dass in BRD die Reallöhne seit vielen Jahren nicht gestiegen sind, ist BRD wettbewerbsfähiger gegenüber ihren EU Partnern geworden. Mit der Folge, dass z.B. in Griechenland Produkte teurerer geworden sind und die Griechen ihre Produkte nicht mehr kaufen. Mit der Folge, dass die Binnennachfrage sinkt, mit der Folge eines Konjunkturabschwungs.
    Die idiotischen Kürzungen im Mindestlohnsektor oder Sozialausgaben tragen dann noch verstärkt dazu bei dass dem Land noch schlechter geht als zuvor. Die BRD verlangt diese Kürzungen von Griechenland die paradoxerweise die Lage noch verschlimmern. Eben diese BRD die einmal selbst in der Situation war und zwar nach dem ersten Weltkrieg als man von BRD etwas verlangt hat, dass Unmöglich war. Stichwort: Maiseilvertrag ,Reparationszahlungen

    In einem Wettbewerb gibt es immer zwangsläufig Verlierer und Gewinner. Nur diesmal sitzen alle im selben Boot. Was dazu führt dass der Gewinner Deutschland durch Zahlungen der Kredite zu einem Verlierer wird. Des einen Überschüsse sind des anderen die Schulden.

    Und noch was: Der Grund, dass wir deflationäre Tendenzen haben ist wiedermal Deutschland. Wären in BRD die Reallöhne gestiegen, hätten wir kein Problem mit der Deflation. Die EZB müsste keine Staatsanleihen kaufen um die Inflation auf 2% zu bekommen und die Südstaaten wären Wettbewerbsfähiger und bräuchten keine Kredite von BRD.

    Fazit: Die BRD ist der Elefant im Porzellanladen. Und der muss weg. Mit weg meine ich, dass in BRD die Reallöhne steigen müsse und das Problem wäre gelöst. Einfache VWL.
    Aber sagen Sie das mal den Politikern der CDU oder SPD :))

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%