Hillary Clinton
Auf Abstand zur Vergangenheit

Erst lieferte sich Hillary Clinton mit Barack Obama eine Schlammschlacht. Dann wurde sie seine Außenministerin. Nun könnte Clinton 2016 als US-Präsidentin kandidieren. Mit ihrem neuen Buch bereitet sie sich vor.
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Los AngelesEs hätte ein Buch mit Klartext werden können. Aber da ist noch diese mögliche Kandidatur für das Amt der US-Präsidentin 2016. Sie habe sich noch nicht entschieden, schreibt Hillary Rodham Clinton in ihrem neuen Buch „Hard Choices“. „Aber die Zeit für harte Entscheidungen kommt früh genug“, fügt sie hinzu. Bis dahin, so zieht es sich wie ein roter Faden durch das Buch, ist es wohl besser, sich nicht zu viele Feinde zu schaffen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel wird überschwänglich gelobt. Mit einer Ausnahme: US-Präsident Barack Obama. Hier zieht die potenzielle Präsidentschaftskandidatin schon mal ein paar Trennungslinien ein.

Wer spektakuläre Enthüllungen oder Abrechnungen mit Freund und Feind in „Entscheidungen“, so der deutsche Titel, erhofft hat, der hoffte vergebens.  In einer Art vorgezogenen Wahlkampfbroschüre zeichnet die 60-jährige in der Autobiographie von sich selbst das Bild einer versierten Außenpolitikern. Eine vielgereiste Staatsfrau, die über 100 Länder besucht hat. Sie lobt Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Entschlossenheit in der Finanzkrise, aber nicht ohne hinzuzufügen, dass man ihre Haltung teilen mag, oder nicht. Sie will eine Frau sein, die manchmal Fehler, aber noch viel mehr richtig gemacht hat. Eine Frau, ehemalige First Lady, Senatorin und Außenministerin, der man vertrauen und alles zutrauen kann. Sogar das Amt der Präsidentin.

„Niemand verliert gerne eine Debatte“

Ausdrücklich macht Clinton noch einmal klar, wie falsch sie 2002 gelegen habe, als sie als Senatorin ihre Zustimmung zum Irak-Krieg gegeben hatte. Viele Senatoren, schreibt sie, bereuen das heute, so auch sie. Sie habe gedacht, im besten Interesse zu handeln, aber in Wahrheit habe sie „schlicht und einfach falsch gelegen.“  Außerdem habe sie zu lange damit gezögert, dies klar und offen einzuräumen. In der politischen Welt werde das Eingeständnis eines Fehlers zu oft als Schwäche missinterpretiert, obwohl es eigentlich ein Zeichen von Stärke und Erwachsenwerden für „Menschen und Nationen“ sei. Ihre Irak-Vergangenheit hatte seinerzeit die Niederlage bei der Nominierung gegen den Parteigenossen Barack Obama besiegelt, da sind sich politische Beobachter sicher. Es hatte sie zu viel Rückhalt im liberalen Lager gekostet. Mit ihrem neuen Buch stellt sie klar: Das wird nicht wieder passieren – ihr könnt mich aufstellen.

Clintons Botschaft lautet: Die Welt da draußen ist komplex und ich habe das verstanden. Syrien nennt sie zum Beispiel ein „wicked problem“ , ein verzwicktes Problem, das sich Standardlösungen widersetze und für das oftmals mehr als nur eine richtige Antwort existiere. Sie habe sich für die Bewaffnung gemäßigter syrischer Rebellen ausgesprochen, aber Präsident Obama habe es klar abgelehnt. „Niemand verliert gerne eine Debatte. Auch ich nicht. Aber es war die Entscheidung des Präsidenten und ich akzeptiere seine Überlegungen und Entscheidungen.“ Ein Zitat, das sich 2016 sicher noch einmal gut verwenden lässt. Vor allem, wo Obama derzeit wegen seiner angeblichen Unentschlossenheit in der Außenpolitik unter Beschuss steht.

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Die Aussöhnung mit Obama

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