Hillary Clinton auf Asienbesuch
Peking und Washington ringen um Einfluss in Asien

Die Neuausrichtung der US-Außenpolitik lässt China um seinen Einfluss in Asien fürchten. US-Außenministerin Hillary Clinton hat in den vergangenen Tagen Japan, Indonesien und Südkorea besucht und für einen gemeinsamen Pakt beim Kampf gegen den Klimawandel geworben. Trotz aller gemeinsamen Interessen sieht Peking die neue Asien-Offensive der USA eher mit gemischten Gefühlen.

PEKING. Die erste Auslandsreise von Washingtons Chefdiplomatin Hillary Clinton zeige bereits, dass zwischen den Supermächten ein neuer Wettbewerb um mehr Macht in der Region begonnen habe. "Die Frage ist nun: Wer findet mehr Partner in der Region?", sagt Shi Yinhong, Professor für internationale Politik an der Pekinger Renmin Universität. "China muss seine Diplomatie in Asien künftig besser umsetzen."

Die US-Außenministerin hatte in den vergangenen Tagen Japan, Indonesien und Südkorea besucht und wird am Freitag in China erwartet. In Jakarta traf Clinton am Donnerstag den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono und forderte einen gemeinsamen Pakt gegen den Klimawandel. Das Thema dürfte auch in Peking eine wichtige Rolle spielen, sind Beobachter überzeugt. Neben den Vereinigten Staaten gehört China zu den größten Verursachern von Treibhausgasen.

"Ich bin überzeugt, dass der Klimawandel ein so wichtiges Thema wird, dass dies die Beziehungen beider Länder in diesem Jahrhundert neu ordnet", sagt Wu Jianmin, politischer Berater in Peking. Anders als sein Vorgänger George W. Bush will US-Präsident Barack Obama sein Land zu einer treibenden Kraft im Kampf gegen die Erderwärmung machen. So sollen die Treibhausgasemissionen der USA bis 2020 auf das Niveau von 1990 sinken.

US-Außenministerin Clinton versuchte bereits vor ihrer Ankunft in Peking, chinesische Befürchtungen vor zunehmender Rivalität zu entkräften. Die Volksrepublik sei keineswegs der Gegner Amerikas, sondern beide Staaten könnten "voneinander profitieren" und sich gegenseitig helfen. Diese neue Beziehung, für die bereits der Begriff "Chimerica" geprägt wurde, soll sich auch bei der Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise bewähren. Denn trotz aller Streitfragen wie der Yuan-Bewertung oder der Protektionismus-Debatte haben beide Mächte angesichts des weltweiten Abschwungs vor allem ein Ziel: die heimische Konjunktur zu beleben.

Der Einbruch ihrer Exportwirtschaft hat den Chinesen gezeigt, wie stark das Land von den US-Konsumenten abhängt. Umgekehrt heißt der größte Gläubiger des Rekordschuldners USA noch immer China. Und Peking hat angekündigt, seine Handelsüberschüsse weiter in US-Schatzbriefen anzulegen. Dies wird aber "zwangsläufig in einen Handelskrieg" münden, warnt Michael Pettis, Finanzprofessor an der Peking Universität.

Gemeinsame Interessen haben Washington und Peking auch in der Außen- und Sicherheitspolitik - etwa wenn die selbst erklärte Atommacht Nordkorea die Stabilität in der Region bedroht. So verschärfte das kommunistische Regime in Pjöngjang am Donnerstag vor Clintons Besuch in Seoul seine Drohungen gegen den südlichen Nachbarn. Die Streitkräfte seien zu einer "uneingeschränkten Konfrontation" gegen Südkorea bereit, warnte ein Sprecher der Volksarmee laut der Nachrichtenagentur KCNA. Clinton hatte Nordkorea bereits auf ihrer Station in Tokio vor einem neuen Raketentest gewarnt.

Die Administration in Peking sieht Amerikas neue Asien-Offensive trotz aller gemeinsamen Interessen aber mit eher gemischten Gefühlen. Einerseits sei man natürlich geehrt, dass die US-Außenministerin ihre erste Reise nicht wie üblich nach Europa mache, heißt es. Andererseits sei aber zu viel Umbruch in den Beziehungen nicht erstrebenswert. Kontinuität lautet das Stichwort zum Verhältnis in Peking: "Die Beziehungen dürften im Grundsatz stabil weitergehen", glaubt Zhu Feng, Direktor des Zentrums für Internationale und Strategische Studien an der Peking Universität. "Wir erwarten keine und wir setzen auch nicht auf Veränderungen."

Clinton hatte vor wenigen Tagen erklärt, sie strebe "Harmonie und Balance" an. Solche Worte hört man in Peking mit Erleichterung, denn dort hat man noch einen Auftritt Clintons aus dem Jahr 1995 in unguter Erinnerung. Damals löste die "First Lady" mit einer eindringlichen Rede zu den Menschenrechten in Peking einen mittelschweren Schock aus. Zwar will US-Präsident Obama den Menschenrechten mehr Aufmerksamkeit widmen als sein Vorgänger. Doch Clinton werde das Thema bei ihren Gesprächen mit Chinas Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao wohl aussparen, ist Professor Shi überzeugt: "Die Meinungsverschiedenheiten wird man sich für später aufheben."

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