Hilton-Hotel-Verstaatlichung
Chávez: „Mensch, ist hier viel Platz“

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hat ein Hilton-Hotel in Staatsbesitz überführt. Das alles erinnert sehr an das Havanna-Hilton der 50er-Jahre.

MEXIKO-STADT. Mit den Hotels der Hilton-Gruppe ist es in Lateinamerika so eine Sache. Sie waren schon immer Lieblingsobjekte der linken Staatschefs. Zum Beispiel in Havanna. Wenige Tage nach dem Sieg der kubanischen Revolution bezog Fidel Castro am 8. Januar 1959 das damals brandneue Havanna Hilton und lenkte die Geschicke Kubas für drei Monate aus der Continental-Suite im 23. Stock, Zimmernummer 2324. Mit einem wunderbaren Blick über die Stadt und die Bucht von Havanna. Wenig später wurde das damals größte Hotel Lateinamerikas in Habana Libre umgetauft. Freies Havanna. So heißt es noch heute.

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez, der seinem Vorbild Castro in vielem nacheifert, hat jetzt auch ein Hilton-Hotel in Staatsbesitz überführt. Er nationalisierte das historische Hilton auf der Karibikinsel Margarita mit einer Ankündigung im Staatsfernsehen: „Ich habe gesagt: ‚Lasst sie uns enteignen' – und sie sind enteignet.“

Das Margarita-Hilton ist ein Riesenkasten in Strandnähe, mit 180 Meter langem Pool, 280 Zimmern, 210 Suites, Tagungsräumen und Casinos – kurz: Es erinnert sehr an das Havanna Hilton der 50er-Jahre. Das scheint auch Chávez aufgefallen zu sein. „Mensch, ist hier viel Platz“, sagte er jüngst während des Afrika-Südamerika-Gipfels, der in dem Hotel stattfand. „Kannst Du Dir vorstellen, hier zu arbeiten?“, fragte der Linksnationalist einen Mitarbeiter. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Vielleicht plant Chávez ja, seinen Dienstsitz aus der Casa Miraflores, dem Präsidentenpalast im lärmenden Caracas, auf die Isla Margarita zu verlegen. Dann regierte auch er so, wie es einst sein Freund Fidel tat.

Chávez begründete die Enteignung mit der schlechten Führung des Hotels. Der Präsident kritisierte in seinem Dekret, die Hotel-Leitung habe das Gebäude vernachlässigt. Deshalb sei die Nationalisierung im Interesse des Landes, um den Tourismus auf der Urlauber-Insel zu fördern. „Das ist keineswegs eine willkürliche Maßnahme“, wehrte sich Tourismusminister Pedro Morejón gegen Kritiker. „Wir wollen das Hotel verbessern und es für die Volksbildung öffnen und alle, die in der Tourismusindustrie arbeiten.“

Die Nationalisierung ist der letzte Schritt der Übernahme. Denn der venezolanische Staat besaß schon ein großes Aktienpaket, das er in früheren Zeiten Banken abgekauft hatte. Überhaupt ist der Staat bereits länger in dem Sektor aktiv und Eigentümer großer Hotels, die verpachtet sind, so zum Beispiel das Hotel Intercontinental am Maracaibo-See und das alte Hilton Caracas, heute Alba Caracas. Auch das Hilton der Isla Margarita wird bald anders heißen. „Ich werde ihm einen lokalen Namen geben“, kündigte Chávez an. Margarita Libre?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%