Hindu-Partei auf Platz zwei
Indiens Kongresspartei behauptet sich knapp

Die regierende Kongresspartei hat sich bei den Parlamentswahlen in Indien laut Prognosen als stärkste Kraft behauptet. Ihr Vorsprung vor der hindu-nationalen Bharatiya Janata Partei (BJP) beträgt den Umfragen zufolge aber nur wenige Sitze. Das lässt schwierige Regierungsbildung erwarten. Die endgültigen Ergebnisse gibt es am Samstag.

NEU DELHI. Das offizielle Endergebnis der Wahl wird am Samstag erwartet. In der Vergangenheit hatten die Prognosen unmittelbar nach Schließung der Wahllokale zum Teil deutlich daneben gelegen.

Als sicher gilt, dass keine der von den beiden großen Parteien angeführten Koalitionen die absolute Mehrheit von mindestens 272 Abgeordneten im Parlament erreicht hat. Beobachter erwarten deshalb schwierige Koalitionsverhandlungen, an deren Ende womöglich eine instabile Minderheitsregierung stehen könnte.

Laut der Ergebnisprognose des Fernsehsenders Star News und des Meinungsforschungsinstituts Nielsen kommt die Kongresspartei mit ihrem 76-jährigen Spitzenkandidaten und derzeitigen Premier Manmohan Singh auf 155 Sitze. Einschließlich ihrer Koalitionspartner in der "Vereinten Fortschrittsallianz" (UPA) sind es 199 Sitze. Die BJP, angeführt von dem 81-jährigen Lal Krishna Advani, erreicht 153 Sitze. Zusammen mit ihren Verbündeten in der "Nationalen Demokratischen Allianz" (NDA) werden ihr 196 Sitze vorausgesagt.

CNN-IBN geben der Kongresspartei zwischen 145 und 160 sowie der UPA 185 bis 205 Sitze. Die Herausforderin BJP käme nach dieser Prognose auf 135 bis 150 Abgeordnete, die von ihr angeführte NDA soll zwischen 165 und 185 Sitze im Parlament in Neu-Delhi erreichen. Auch die Umfragen fünf weiterer Fernsehstationen sehen die Kongresspartei vorn. Die "Dritte Front", ein loses Bündnis kleinerer Regionalparteien und der Kommunisten, soll auf 100 bis 120 Mandate kommen.

Sollten sich die Hochrechnungen am kommenden Samstag bewahrheiten, dann wäre der Kongress die erste Partei in Indien seit 1971, die nach einer vollen Legislaturperiode an der Regierung erneut die Wahlen gewinnt. Als stärkste Partei würde sie von Indiens Staatspräsidentin Devisingh Patil mit der Regierungsbildung beauftragt.

Die Suche nach einer Regierungsmehrheit in Indiens stark fragmentierter Parteienlandschaft könnte freilich noch komplizierter werden als nach der Wahl 2004. Damals hatte die von der Kongresspartei angeführte UPA 217 Sitze errungen, ihr Vorsprung vor der NDA war deutlich größer als diesmal prognostiziert. Trotzdem musste sich Parteichefin Sonia Gandhi mit einer von den Kommunisten unterstützten Minderheitsregierung begnügen. Sie blockierten zentrale wirtschaftspolitische Reformvorhaben von Ministerpräsident Singh.

Auch diesmal könnte die Kongresspartei am Ende wieder auf die Kommunisten angewiesen sein, fürchtet Amit Mitra, Generalsekretär des Verbands der Indischen Industrie- und Handelskammern (Ficci).

In Erwartung einer schwierigen Regierungsbildung gaben die Kurse indischer Unternehmen unmittelbar nach Bekanntwerden der Wahlprognosen nach. An der Wall Street erlitten sie die höchsten Verluste seit zwei Monaten, die Börse in Bombay urteilte etwas milder. Dort verlor der Leitindex Sensex 1,1 Prozent.

Indien steht vor einem Berg ungelöster Probleme, die eine schwache Regierung kaum bewältigen kann. Die Wirtschaft lahmt, die Industrieproduktion ist so stark geschrumpft wie seit 16 Jahren nicht mehr. Trotz des Booms der vergangenen Jahre leben noch immer 40 Prozent in bitterster Armut von weniger als einem Euro am Tag. Das Schulsystem ist völlig unzulänglich, die marode Infrastruktur hemmt das Wachstum, blutige Terroranschläge fordern die Staatsmacht heraus.

Ob die neue Regierung diese Aufgaben meistern kann, werde sich vor allem an der Besetzung wichtiger Ministerien entscheiden, sagte Ficci-Generalsekretär Mitra dem Handelsblatt. Weil es voraussichtlich keinen klaren Wahlsieger gibt, haben die kleinen, nach Regional- und Religionszugehörigkeit orientierten Parteien im Koalitionspoker große Verhandlungsmacht. In der Vergangenheit hatten sie diese oftmals genutzt, um auf Kosten des Gesamtstaates die eigene Klientel zu bedienen.

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