Hinrichtung ausgesetzt
Chinas prominenteste Mörderin entgeht der Todesstrafe

Das Verfahren gegen Gu Kalai - die Frau des gestürzten chinesischen Polit-Stars Bo Xilai - hat viele Fragen aufgeworfen. Jetzt hat ein chinesisches Gericht Gu Kailai wegen Mordes verurteilt. Dem Henker entgeht sie aber.
  • 0

Hefei/PekingChinas prominenteste Mörderin erhält eine Sonderbehandlung. Ein Gericht in der zentralchinesischen Stadt Hefei hat zwar ein Todesurteil gegen die Politikergattin Gu Kailai verkündet, die Hinrichtung jedoch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. In China ist es sonst durchaus üblich, Verurteilte direkt vom Gerichtssaal aus dem Henker vorzuführen.

Die Gerichtsentscheidung gilt als Kompromiss zwischen den Erwartungen der Öffentlichkeit und dem besonderen Schutz, den hochrangige Mitglieder der Kommunistischen Partei im chinesischen Rechtssystem genießen.

Dementsprechend löste das Urteil in China eine Kontroverse über die Ungleichbehandlung vor dem Gesetz aus. „Ein vorsätzlicher, gestandener Mord, und jetzt eine Aussetzung der Strafe – das entspricht nicht dem, worauf einfache Bürger hoffen dürfen“, schreibt ein anonymer Blogger mit Nutzernamen „Glanz der Menschlichkeit“. Er sieht darin ein Beispiel dafür, dass „die fetten Bonzen immer noch deutliche besser behandelt werden als das normale Volk.“

Gu hatte gestanden, im vergangenen November den britischen Geschäftsmann Neil Heywood in dessen Hotelzimmer persönlich vergiftet zu haben. Als Motiv gab sie an, dass Heywood ihren heute 24-jährigen Sohn nach einem undurchsichtigen Immobiliengeschäft bedroht habe. Auf Mord steht in China generell die Todesstrafe. Gu muss nun voraussichtlich für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Der Fall hatte in China eine besonders hohe politische Brisanz, weil Gu die Gattin des Spitzenpolitikers Bo Xilai ist. Bo war Mitglied des allmächtigen Politbüros und zudem Regierungschef der Reformprovinz Chongqing. Der charismatische Aufsteiger galt als Kandidat für höchste Regierungsämter und hatte sich selbst bereits als möglichen Präsidenten ins Spiel gebracht. Er war zudem das Sprachrohr einer wirtschaftspolitisch links ausgerichteten Gruppe innerhalb der Partei.

Seite 1:

Chinas prominenteste Mörderin entgeht der Todesstrafe

Seite 2:

"Urteil ausgefallen wie erwartet"

Seite 3:

Jetzt folgt der nächste Akt des Dramas

Kommentare zu " Hinrichtung ausgesetzt: Chinas prominenteste Mörderin entgeht der Todesstrafe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%