Hinrichtungen in den USA
Apothekerverband bremst Giftlieferung aus

Lange Zeit vollzog die US-Justiz die Todesstrafe per Giftspritze. Doch inzwischen verweigern nicht nur Pharmafirmen, sondern auch Apotheken die Lieferung. Einige US-Staaten ändern nun etwas: ihre Hinrichtungsmethoden.
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San DiegoBei der Suche nach fehlenden Giftcocktails für Hinrichtungen müssen mehrere US-Staaten einen Dämpfer hinnehmen: Der Verband amerikanischer Apotheker hat seinen Mitgliedern offiziell von der Lieferung einschlägiger Medikamente abgeraten.

Am Montag billigte dessen Vorstand in San Diego dazu eine neue Richtlinie. Rechtlich bindend ist diese zwar nicht. Doch legt die Apothekervereinigung auf diese Weise ethische Standards fest, die jenen des US-Ärzteverbands ähneln.

Strafvollzugsbehörden in den USA mussten in den vergangenen Jahren für Hinrichtungen verstärkt auf Giftcocktails zurückgreifen, die von bestimmten Apotheken eigens zu diesem Zweck hergestellt wurden. Der Grund: Herkömmliche Pharmakonzerne hatten die Lieferung solcher Medikamente unter dem Druck von Gegnern der Todesstrafe verweigert.

Allerdings haben es einigen US-Staaten inzwischen auch zunehmend schwer, sich Giftcocktails von Apothekern zu beschaffen, die sich auf die Eigenherstellung von Medikamenten verlegt haben. Denn viele von ihnen wollen sich aus Angst vor Schikanen von Gegnern der Todesstrafe nicht als Lieferanten zu erkennen geben.

Aus Mangel an den Mitteln für den tödlichen Mix wollen sich einige Staaten nun alternativen Hinrichtungsmethoden zuwenden. Tennessee hat für den Fall fehlender Giftspritzen den Einsatz des elektrischen Stuhls gebilligt. Utah will Todeskandidaten gegebenenfalls auch von Erschießungskommandos hinrichten lassen.

In Oklahoma wird derzeit ein Gesetz erwogen, das zum ersten Mal in der US-Geschichte den Einsatz von Stickstoffgas als Exekutionsmethode möglich machen könnte.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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