Hinrichtungen in Saudi-Arabien

Die Klingen Arabiens

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„Die bekommen ihre gerechte Strafe“
Nach der Hinrichtung: Der Platz in Riyadh, Saudi-Arabien, vor dem Hauptquartier der Scharia-Polizei muss vom Blut der Hingerichteten gesäubert werden. Quelle: Katharina Eglau

Nach der Hinrichtung: Der Platz in Riyadh, Saudi-Arabien, vor dem Hauptquartier der Scharia-Polizei muss vom Blut der Hingerichteten gesäubert werden.

Mord, Vergewaltigung, Hochverrat, schwerer Raub, aber auch Drogenhandel und sogar Hexerei können in dem ultraorthodoxen Gottesstaat mit dem Tode bestraft werden. Eine Woche später wurde auf dem gleichen Al-Safah-Platz in Riyadh ein Saudi öffentlich enthauptet, „weil er eine große Menge an Haschisch und Amphetamine ins Land schmuggeln wollte“, wie das Innenministerium mitteilte. Für Amnesty International erfüllen saudische Strafprozesse nicht die Mindeststandards eines fairen Verfahrens. Angeklagten werden Strafverteidiger verweigert, Geständnisse durch Folter erpresst und die Beschuldigten dann einzig aufgrund dieser Geständnisse zum Tode verurteilt. Auch existiert kein allgemein codiertes Recht, entsprechend willkürlich und krass unterschiedlich fallen die Scharia-Urteile aus. „Der Einsatz der Todesstrafe in Saudi-Arabien ist so entfernt von irgendeinem Rechtsstandard, dass man es kaum glauben kann“, urteilt Said Boumedouha, Vize-Direktor des Nahost- und Nordafrika-Programms von Amnesty International.

Die Zuschauer auf dem Al-Safah-Platz haben für diese Bedenken kein Verständnis, die sie als typisch westliche Bevormundung empfinden. „Leute wissen, wo sie bei uns dran sind. Sie bekommen ihre gerechte Strafe – das dient der Sicherheit unseres Landes“, sagt ein fülliger Saudi in traditioneller Kleidung. Ein älterer Herr mit schütterem Haar, abgewetztem Trainingsanzug und goldfarbenen Brillengestell gesellt sich dazu. „Ich bin undercover hier“, kokettiert der 66-Jährige in makellosem Englisch.

Seinen Vornamen gibt er mit Aziz an und stellt sich als pensionierter Geheimdienst-General vor, der ganz in der Nähe wohne. 42 Jahre lang war er Agent, spezialisiert auf das Entschärfen von Bomben, wie er sagt, zuletzt arbeitete er als Dozent bei der Staatssicherheit. In den achtziger Jahren als junger Leutnant habe er saudische Geldkoffer eigenhändig nach Afghanistan zu Osama bin Laden und dessen Gefolgsleuten gebracht. „Ich habe alle Terroristen gekannt“, brüstet er sich. Damals im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer züchteten die Saudis die erste Generation arabischer Gotteskrieger heran. Drei Jahrzehnte später steht das superreiche Königreich nun selbst im Visier der Extremisten – und fliegt Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten Luftangriffe gegen die blutrünstigen Fanatiker des „Islamische Kalifat“.

Parallelen zwischen der offiziell lizensierten archaischen Strafpraxis der saudischen Monarchie und ihren Nachahmern vom „Islamischen Kalifat“, die bisher vier westlichen Geiseln vor laufender Kamera die Köpfe abschnitten, wollen Geheimdienstveteran Aziz und andere Umstehende nicht gelten lassen. „Was IS macht, sind Verbrechen, was wir tun, geschieht nach Recht und Gesetz des Islam“, deklamieren sie. Außerdem seien Enthauptungen humaner und weniger qualvoll als Giftspritze oder elektrischer Stuhl.

Faktisch jedoch unterscheidet sich die archaische Korandoktrin des selbsternannten Kalifen von Mosul kaum von dem, was in Freitagspredigten oder von staatlich besoldeten wahabitischen Religionsgelehrten Saudi-Arabiens zu hören ist. Die religiös-ideologischen Überzeugungen sind miteinander verwandt, beide Seiten praktizieren die gleichen barbarischen Scharia-Körperstrafen. Menschen werden ausgepeitscht, gekreuzigt, bekommen Gliedmaßen abgehakt oder mit einer Klinge den Kopf vom Rumpf geschlagen. Oppositionelle aus der 500.000-Einwohner-Stadt Raqqa, die als Zentrale des „Islamischen Staates“ in Syrien fungiert, berichten, alle zwölf Scharia-Richter seien Saudis. Die dortige Religionspolizei agiert nach saudischem Vorbild.

„Wir hätten allen IS-Leuten die Köpfe abschlagen sollen“
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22 Kommentare zu "Hinrichtungen in Saudi-Arabien: Die Klingen Arabiens"

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  • Ich finde, der Bericht gibt die Situation recht gut wider. Leider ist bei vielen Relativierern die Unwissenheit groß. Auch ich gehörte zu den Menschen, die der beschriebenen religiösen Ideologie aus Unkenntnis einen Vertrauensvorschuss gab. Nach dem ich fast ein Jahr beruflich in der Region zu tun hatte und mich näher mit deren Historie beschäftigte, bin ich zur Überzeugung gelangt, dass wir es hier mit der größten Gefahr für eine freie und aufgeklärten Welt zu tun haben.
    Leider exportieren die reichen Golfstaaten ihre Gesinnung mit viel Geld in den Rest der Welt.

  • Ich sehe nicht, dass das Judentum per se mich als Nicht-Juden diskriminieren, zwangsbekehren oder sogar umbringen möchte.
    Auch in den Fundamenten der Religion, der Tora bzw. dem Pentateuch, finde ich das nicht.
    Sehr wohl finde ich aber dagegen zumindest Intoleranz im Wahhabismus Saudi Arabiens.

  • Mein Kommentar bezieht sich auf den Kommentator "Metz".

  • Ihrer sagenhaften Unwissenheit kann abgeholfen werden:

    Israel Shahak, Jüdische Geschichte, Jüdische Religion - Der Einfluß von 3000 Jahren

    Man mag uns unwissend halten wollen, aber ob wir es geschehen lassen, liegt an uns selbst.

  • worüber regen wir uns auf? geld regiert nunmal die welt. solange die saudis uns die high tech waffen für teures geld abkaufen erfährt diese brutale praxis lediglich halbgare kritik. das geschäft geht eben vor. das wissen auch die saudis. mit der relation zu china verhält es sich ähnlich. zu aller erst kommt das geschäft. die menschenrechte sind, wenn überhaupt nur lästiges beiwerk.

  • Der Artikel und viele der diesmal überraschend differenziert formulierten Kommentare machen mir eines wieder ganz klar: Diese Welt läßt sich leider nicht (mehr) in schwarz und weiß trennen, was so schön einfach wäre. Sondern unsere Welt ist eine fürchterlich dunkelgraue Suppe in der die Guten von den Bösen nicht mehr zu unterscheiden sind. Weder im Orient noch im Okzident.

  • Ein guter Artikel, der vielleicht auch ein wenig die Entstehung islamistischen Terrors erklärt. Die Todesstrafe gibt es in Saudi Arabien auch für Hochverrat wie im Artikel beschrieben wurde. Was ist denn Hochverrat? Da kann man ja viele Dinge rein packen und hat so eine Möglichkeit, sich unliebsamer Zeitgenossen zu entledigen. Und wie viele Unschuldige wurden bereits hingerichtet? Die meisten Hingerichteten haben vermutlich Angehörige. Die liegt der Gedanke an Rache dann nicht weit. Und da westliche Länder das Regime in Saudi Arabien unterstützen, kann es selbstverständlich schnell passieren, ins Visier derjenigen zu gelangen, die Rache üben wollen.

  • Der Nationalsozialismus ist ein Ismus oder eine Ideologie, die bereits auf Intoleranz aufbaut.
    Die oben genannten Religionen bauen aber nicht schon auf einer Intoleranz gegenüber Andersdenkenden / -gläubigen auf (Jesus Christus z.B. hätte die Inquisitoren mit Sicherheit verachtet) - die Intoleranz ist die Folge fanatischer Verblendung eines (kleineren oder größeren) Teils der Religionsgemeinschaft.

  • Nein, diese Löschung verstehe ich wirklich nicht! )o:)
    Was war DARAN unsachlich?
    Hat da jemand bei Ihnen ein Problem mit der Wahrheit? )o:)

  • Mit Ihrem Kommentar bin ich Grunde genommen sehr einverstanden. Ich bekomme nur ein paar Falten auf die Stirn, wenn ich folgendes lese: "Nicht der Islam per se ist "böse", wie westliche Scharfmacher jetzt die Menschen aufwiegeln wollen, noch ist das Christentum "böse" wegen der früheren Kreuzzüge und Inquisitionen, noch das Judentum wegen dem Alleinanspruch auf das Heilige Land, noch der Hinduismus wegen seinem ungerechten Kastensystem usw.
    "Böse" ist immer nur die Intoleranz religiöser Fanatiker gegenüber Andersdenkenden."
    Was sagen Sie, wenn ich Ihren oben aufgeführten Analogismus weiterführe und sage:
    Nicht der Nationalsozialismus ist böse. "Böse" ist immer nur die Intoleranz der Nationalsozialisten gegenüber "Andersdenkenden."
    Kann ich denn den Islam vom Islamisten/Moslem trennen? Den Christen vom Christentum usw.??

    Ansonsten kann ich Ihren Anmerkungen nur voll zustimmen.

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