Hinrichtungstermin
Iraks Premier will Saddam zügig hängen lassen

Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein könnte schon in den nächsten Tagen hingerichtet werden. Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki sieht keinen Grund für einen Aufschub des Termins – trotz mehrerer islamischer Feiertage. Saddam selbst übergab seiner Familie bereits letzte Botschaften.

HB BAGDAD. Erstmals nach der von einem Berufungsgericht bestätigten Todesstrafe für Saddam Hussein hat sich Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki zum Hinrichtungstermin geäußert: Es werde keine Verzögerung bei der Vollstreckung des Urteils geben, sagte er einem Berater zufolge. Auch werde es keine Überprüfung des Todesurteils geben.

"Der Respekt vor den Menschenrechten" gebiete eine Hinrichtung Saddams, sagte Maliki. Wer die Hinrichtung des Ex-Diktators ablehne, würde "die Seelen der irakischen Märtyrer beleidigen", fügte er hinzu.

Das irakische Berufungsgericht hatte am Dienstag verfügt, dass Saddam Hussein binnen 30 Tagen gehenkt werden müsse. In US-Regierungskreisen hatte es geheißen, Saddam könne bereits am Samstag gehenkt werden. Ein irakisches Regierungsmitglied erklärte allerdings daraufhin, mehrere Feiertage könnten die Exekution verzögern. Sie fallen mit dem Pilgerzug nach Mekka - der Hadsch - zusammen und dauern von Freitag bis zum 7. Januar. Im Irak sind Hinrichtungen an religiösen Feiertagen verboten.

Die Vereinten Nationen warnten vor einer übereilten Vollstreckung des Todesurteils: Der Irak und die internationale Gemeinschaft hätten ein Interesse sicherzustellen, dass die Todesstrafe nach einem glaubwürdigen und unparteiischen Verfahren verhängt worden sei, erklärte Uno-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour. "Das trifft besonders in einem so außergewöhnlichen Fall wie diesem zu", fügte sie hinzu.

Die umfangreiche und komplexe Bestätigung des Todesurteils durch das Berufungsgericht müsse genau erörtert und die Zweifel an der Fairness des Prozesses müssten ausgeräumt werden, forderte Arbour. Zudem habe Saddam nach internationalen Vereinbarungen, die der Irak anerkannt habe, das Recht auf ein Gnadengesuch.

Angesichts seiner drohenden Hinrichtung übermittelte Saddam nach Angaben eines seiner Anwälte seiner Familie letzte Botschaften. Ein Treffen mit seinen Halbbrüdern Sabawi und Watban Ibrahim Hassan al-Tikriti, die sich beide in US-Haft befinden, habe in seiner Zelle in einem Bagdader Gefängnis stattgefunden. Wachmänner des Gefängnisses hätten ihm dies berichtet. Demnach sei Saddam guter Dinge und bereit, als Märtyrer zu sterben.

Obwohl er keine Einzelheiten wisse, spüre Saddam, dass etwas im Zusammenhang mit dem Urteil geschehe, sagte Anwalt Badie Aref. Auch weil die Wachen ihm kürzlich ein Radio wieder entwendet hätten, dass er vor einigen Monaten bekommen habe. Den beiden Halbbrüdern habe er Briefe mitgegeben.

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