Hintergrund
Die Kandidaten für eine Nachfolge Jassir Arafats

Der verstorbene Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hat keinen Nachfolger ernannt. Viele Palästinenser und Israelis befürchten, dass nun nach dem Ableben des von Palästinensern innig verehrten 75-Jährigen ein erbitterter und gewaltsamer Machtkampf in der Region entbrennen könnte.

HB DÜSSELDORF. Folgende Personen werden als Nachfolge-Kandidaten gehandelt:

Ahmed Korei:
Der palästinensische Ministerpräsident Korei ist ein alter Weggefährte Arafats. Der 66-Jährige war eine der Schlüsselfiguren in den geheimen Verhandlungen mit Israel, die letztlich zu der Unterzeichnung der Friedensverträge von Oslo im Jahr 1993 führten. Korei, auch bekannt als Abu Ala, gilt als einer der gebildetsten palästinensischen Politiker. Im Gegensatz zu Arafat mangelt es ihm jedoch an Charisma und Rückhalt in der Bevölkerung. Als Ministerpräsident hat er mehrmals mit seinem Rücktritt gedroht, weil Arafat ihn nicht mit mehr Macht ausgestattet hat. Korei ließ sich jedoch jedes Mal zum Bleiben überreden.

Mahmud Abbas:
Der 69-Jährige ist hinter Arafat die Nummer zwei der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Er gilt als einer der Architekten der Friedensverträge von Oslo, die den Palästinensern erstmals eine Teilautonomie einräumten. Im Jahr 2003 hatte er vier Monate lang das Amt des palästinensischen Ministerpräsidenten inne, trat nach einem verlorenen Machtkampf mit Arafat jedoch zurück. Abbas hat es stets vermieden, im Rampenlicht zu stehen - im Gegensatz zu Arafat, der es oft förmlich suchte. Abbas ist ein erbitterter Gewaltgegner, der sich auch während des vierjährigen Palästinenseraufstandes gegen Anschläge ausgesprochen hat. Er forderte Moslem-Extremisten auf, ihre Angriffe auf israelische Ziele zu stoppen.

Marwan Barghuthi:
Barghuthi sitzt zurzeit wegen fünf Mordanschlägen in einem israelischen Gefängnis ein und bestreitet seine Schuld. Der feuerige Redner gilt als volksnaher Anführer des seit dem Jahr 2000 andauernden Aufstandes und als Koordinator der ersten Intifada, die 1993 zu Ende ging. Er verfügt über eine geradezu magnetische Ausstrahlung und gilt als der zweitbeliebteste Politiker nach Arafat - auch weil er nicht wie viele andere im Umfeld Arafats unter dem Verdacht der Korruption steht.

Mohammed Dahlan:
Der frühere Innenminister und Sicherheitschef im Gaza-Streifen ist zurzeit ohne Amt. In dem von rivalisierenden Gruppen beherrschten Gebiet verfügt er jedoch immer noch über große Macht. Besonders die reform-orientierten Palästinenser der jüngeren Generation mögen ihn und halten ihn für einen ernstzunehmenden Herausforderer der alten Machthaber um Arafat. Internationale Beobachter trauen ihm zu, nach einem Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gaza-Streifen für Ruhe und Ordnung in der Region zu sorgen. Er gehörte zu den Politikern, die den schwer kranken Arafat in das Militärkrankenhaus bei Paris begleiteten.

Rauhi Fattu:
Der Sprecher des palästinensischen Parlaments übernimmt nach dem Tode Arafats laut Gesetz für 60 Tage die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Der 55-Jährige gilt als loyaler Arafat-Anhänger, jedoch nicht als Machtpolitiker. Fattu könnte als Marionette dienen, während andere im Hintergrund die Fäden ziehen.

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